Berührungsängste mit einer Band, deren Mitglieder auf die 30 zugehen und immer noch als Kinderband verschrien sind? Hanson haben sich längst gegen jeden Kommerz emanzipiert, schreiben und produzieren selbst, haben ihr eigenes Label. Machen einfach nur noch ihr Ding, ohne nach irgendjemandes Pfeife zu tanzen.
Hanson haben aber schon vor Jahren seit ihres ersten Albums in Eigenregie, "Underneath", bewiesen, dass Songwriting gerade dann eigenständig und ungezwungen daher kommt, wenn kein Dritter seine Finger im Spiel hat. Und eigentlich ist das auch logisch. Dennoch waren Hanson, vielleicht auch wegen ihres immer noch jugendlichen Alters, auch in Eigenregie noch ausbaufähig. "Underneath" und der sogar etwas schwächere Nachfolger "The Walk" hatten einige große Kracher, aber auch viele Lückenbüßer. "Shout It Out" versöhnt dies ein wenig. Hier wird über weite Strecken eine große Portion gute Songwriter-Laune verbreitet. Vor allem sind die Arrangements daran Schuld - die Brüder zeigen ihre Virtuosität an den Instrumenten, es macht Spaß, den lockeren Gitarren und verspielten Piano-Soli zuzuhören. Vor allem der großzügige Einsatz von Bläsern zeigt, dass Hanson einfach Spaß im etwas ausgefeilteren Stil verbreiten wollen. Alles ganz toll, gäbe es nicht das Problem, dass alles in der Form schon einmal da war, und dies vielleicht sogar eine Spur besser. Ich hörte Vergleiche wie "Wie George Michael, nur nicht so gut gesungen". Hanson punkten aber durch Dinge, die - Pardon - bei George Michael etwas fehlen: Durch ihre Authentizität, ihrem Spaß an der Sache, ihrem Charme - aber leider bleibt alles in allem doch ziemlich belanglos. Für Independent klingt das Album immer noch überraschend Mainstream. Dies muss man einfach vergessen, um sich von ihrer Liebe zur Musik und ihren Ohrwürmern einnehmen zu lassen. Und wenn man das geschafft hat, wird man am Ende noch großartig und überraschend belohnt mit dem letzten Track: "Me Myself & I" ist ohne Frage eine Ballade, die intensiv und gefühlvoll ganz, ganz groß ist und im Falle einer Single-Auskopplung sogar das Zeug zum Hit hätte. Ohne Frage der krönende Abschluss des Albums, der über wenige Schwächen hinwegtröstet und auf "Repeat" gestellt werden kann.
Unterm Strich: Eine Drei an Songwriting, eine Vier an Charme und Arrangements und ein überbordener letzter Track, der sechs Sterne Wert wäre: Wir machen vier Sterne draus, um ein Zeichen dafür zu setzen, dass die Mmmmbop Zeiten lange vorbei sind. Und dass es gute Chancen gibt, noch weitere Steigerungen der drei Brüder auf zukünftigen Alben zu erleben.