Aufmerksam geworden bin ich auf dieses Album noch zu seligen Vinyl-Zeiten -- von den Pogues hatte ich noch nie etwas gehört, dachte aber, so wie die aussehen, m ü s s e n sie gut sein... Diese Überlegung entpuppte sich als dermaßen richtig, dass die mittlerweile arg mitgenommene LP irgendwann durch eine CD ersetzt werden musste.
"If I Should Fall From Grace With God" sprudelt vor Musikalität und Witz, klingt so, als hätten ehrwürdige irische Rauschebärte auf ihre alten Tage Punk und Pogo entdeckt (auch wenn nur der Sänger ein echter Ire ist, bzw. leider war).
Die Musik gehört, der Grace of God sei Dank, weder zum blutleeren ätherischen Kelten-Genre, noch in die "Irische Humtatamusik"-Schublade. Dazu ist sie viel zu gut. Ein Ohrwurm nach dem anderen, jeder mit ganz eigenständiger Melodie und ausgefeilter Instrumentalisierung. Mit bekannten und weniger bekannten akustischen Instrumenten, mit Tinwhistle, Harfe, Bodhran und anderen unüblichen Verdächtigen, erzeugen die Herrschaften einen Rock-Gitarrensound, oder besser gesagt: Sie kontern derlei locker aus. Nix da E-Gitarren! Dazu kommen oft intelligente und/oder witzige Texte (Vorsicht! Nicht ganz jugendfrei!). Und Shane MacGowans Gesang ist einfach umwerfend. Seine ganze Bandbreite teilt sich gerade im "melodischsten" Stück des Albums "Fairytale of New York" mit, im Duett mit Kirsty MacColl.
Auf dieser Version des Albums bildet auch wie in guten alten Vinyl-Zeiten "Worms" den krönenden Abschluss; die Bonus-Tracks sind anderweitig gut integriert. Allerdings -- ob das die Tatsache rechtfertigt, dass diese Version doch *etwas* teurer ist als eine andere, bei der die Bonus-Tracks einfach ans Ende drangehängt wurden?
Egal. Man kann sich nicht satt hören. Besser waren sie nie, die Pogues -- jedenfalls nicht im Studio. Be merry, my friends, be merry!