Eigentlich hätte ich es bei dem Titel besser wissen müssen und das Buch ignorieren sollen, denn das, was mit "Secret" und "hidden truth" betitelt wird, kann man getrost als heisse Luft in die Tonne kicken!
Versprochen wird "die versteckte Wahrheit" hinter dem Shotokan-Karate, aber was hier Clayton abliefert ist schlicht und einfach peinlich:
Ein wenig Historie, die man bei Mark Bishops "Okinawan Karate" (oder anderen Bücher des Themas) besser nachlesen kann, und der Rest sind haltlose Spekulationen und weitere Legenden für den unbedarften Westler, die auf Commodore Perrys Besuch am Hof von Shuri 1853 und auf Veränderungen des Shotokan-Karates zurückgehen, die erst nach 1932 unter Gigo Funakoshi stattfanden, welche aber Clayton absurderweise nimmt, um Itosus Vorgehen um die Jahrhundertwende oder gar das Pre-Meiji-Karate zu erklären.
Das Ganze wird dann schön aufgebauscht, Sportkarate zu mysteriösen Spezialkampftechniken für die Leibgarde des Ryukyu-Königs umdeklariert, wobei deren Ursprung gewissentlich ignoriert wird. Dass weder Shotokan, noch Itosus Schulkarate viel mit dem ursprünglichen Karate als Kampfkunst der Peichin gemein haben, kann man schon an der Aussage Kohan Kojos ablesen, einem Zeitgenossen Itosus und damaliges Oberhaupt des Kojo-Ryu, dass Itosus Karate ein "fehlerhaftes Karate" bzw. ein "Pseudo-Karate" sei, welches das authentische Karate, wie es Matsumura lehrte, zu verdrängen versucht.
Dabei wären die Erklärungen für das heutige Karate wesentlich einfacher gewesen, wenn sich Clayton mit der Situation der aristokratischen Beamten Ryukyus in der Meiji-Ära, sowie mit der didaktischen Problematik auseinandergesetzt hätte, dass die traditionellen Trainingsmethoden, sowie die Kampfkunst Karate nicht massentauglich waren. Auch die Veränderungen an Funakoshis Karate und weshalb Shotokan heute das ist, was es ist - nämlich eine trotz allem interessante Sportart mit einem vergleichsweise beschränktem Technikrepertoire -, hätte Clayton ganz einfach an Funakoshis Publikationen nachweisen können, denn Funakoshi hatte schon 1922 erklärt, was seine Vision für ein zukünftiges Karate war.
Fazit: Schlechtes Buch.