Diese Einspielungen der Violinkonzerte 1 + 2 von Schostakowitsch sind maßstabsetzend - Daniel Hope beweist einmal mehr, dass er zu den kompetentesten Interpreten zeitgenössischer Violinkonzerte gehört (was bereits seine Einspielung der Berg-/Britten-Violinkonzerte erkennen ließ).
Schostakowitsch widmete seine beiden Konzerte David Oistrach, der dann auch bei den jeweiligen Uraufführungen als Solist wirkte und natürlich wie erwartet die Stücke beide Male in beeindruckender Weise aus der Taufe gehoben hat (ist beides auf CD verewigt und aktuell für sehr wenig Geld zu haben - ebenfalls sehr zu empfehlen).
Daniel Hope läßt sich hingegen von diesen Glanzleistungen nicht einschüchtern und präsentiert in sehr souveräner Manier seine eigene Sicht dieser Werke. Er wählt einen Ton, der sehr sensibel und zerbrechlich wirkt (Nocturne und Passacaglia 1. Konzert), aber auch schneidend scharf und sarkastisch sein kann, wenn es darauf ankommt (2. Satz 1. Konzert). Im Vergleich dazu ist Oistrachs Geigenton direkter und auch kraftvoller, aber es ist gerade Hopes empfindsame Herangehensweise, die insbesondere aus dem 1. Konzert ein tief berührendes Drama macht. Den dritten Satz, die Passacaglia, habe ich selten eindringlicher und in so tieftraurigen Tönen erklingen hören wie unter Daniel Hopes Bogenführung. Ebenso mitreißend ist der erste Satz (Nocturne), wobei Hope den Hörer mit seiner Geige in Schostakowitschs aschfahle, dämonische Schattenwelten entführt. Der zweite Satz und das Finale strotzen nur so vor Energie und Freude am Schabernack. Maxim Schostakowitsch erweist sich dabei als sehr guter Begleiter - das Spiel der beiden ergänzt sich optimal.
Ebenso gut gelungen ist das 2. Violinkonzert - nicht so pathosbehaftet und entschieden "wortkarger" als das erste, aber auch hier treffen die beiden Interpreten den richtigen Ton.
Mit dieser Aufnahme liegt meiner Meinung nach eine der überzeugendsten Neueinspielungen dieser Werke aus jüngster Zeit vor. Sie seien jedem Schostakowitsch-Liebhaber deshalb ausdrücklich ans Herz gelegt, bieten aber auch einen hervorragenden Einstieg für all jene, die diese Stücke kennen und lieben lernen wollen. Uneingeschränkt zu empfehlen!