Wann immer ein Film echten Sex benutzt wie etwa "9 Songs", "Romance" oder "Brown Bunny", dann gibt es einen kleinen Skandal, der natürlich für weiteren Hype sorgt. Man kann immer davon ausgehen, dass irgendwo eine bigotte Gruppe auftaucht, die über die natürlichste Sache der Welt die Nase rümpft und am liebsten im Keuschheitsgürtel leben würde. "Shortbus" hebt sich von den genannten Filmen aber dennoch wohltuend ab, denn bei ihm hat man niemals das Gefühl, dass Sex selbstzweckhaft eingesetzt wird. Vielmehr versucht der Regisseur eine Bestandsaufnahme der Spezies Mensch im dritten Jahrtausend zu machen und zu aufzuzeigen, wie wir alle nach Zweisamkeit und dem bisschen Glück suchen, das man in den Armen eines anderen finden kann. "Shortbus" ist ein aufrichtiger, ein guter Film - nur prüde sollte man nicht sein, wenn man ihn sehen will. Fazit: Independent-Kino at its Best!
Moviemans Kommentar zur DVD: Das Bild ist angesichts des 16mm-Materials wirklich herausragend, der Ton bleibt jedoch schwach und auf die Dialoge konzentriert. Mit dem Bonusmaterial erhält man einige sehr sinnige und interessante Features.
Bild: "Shortbus" ist ein Low-Budget-Film, der auf 16mm gedreht wurde. Zieht man das in Betracht, dann ist das Bild wirklich phänomenal (man vergleiche etwa nur mit dem deutlich teureren "Sex and the City", das ebenfalls auf 16mm gedreht wurde). Erstaunlich sind die akkuraten Farbwerte, die man anhand der Hauttöne sehr schön beurteilen kann - und das gilt umso mehr, da es hier wahrlich nicht zu wenig nackte Haut zu sehen gibt. Der größte Minuspunkt des Films ist wohl der Rauschwert, der aufgrund des Filmmaterials relativ hoch ist, wobei man den mitunter grobkörnigen Look auch auf Gesichtern erkennen kann. Allerdings ist der Wert etwas wechselhaft und einige Bilder sehen besser aus. Darüber hinaus gibt es auch filmische Elemente, die innerhalb der Handlung mit Videokamera aufgezeichnet werden, wobei man dies durch eine deutlich schlechtere Qualität vom Rest des Films abhebt. Teilweise fällt Blockrauschen auf (00:34:55). Der Kontrast ist gut gemacht, wobei der Film auch recht hell angelegt ist, so dass man gar nicht erst in die Verlegenheit kommt, den Schwarzwert in dunklen Szenen definieren zu müssen. Die Vorlage ist trotz des billigen Filmmaterials gut erhalten.
Ton: "Shortbus" ist nicht die Art Film, die unbedingt einen DD 5.1-Track braucht, geschweige denn DTS-Sound. Der Film lebt von den Dialogen und kann wenig Räumlichkeit aufbauen. Das Geschehen findet frontal statt, wobei die Soundeffekte, der Bass und die Surrounds mehr als nur spärlich eingesetzt werden. Dafür gibt es bei den Dialogen deutliche Unterschiede, denn während der O-Ton teilweise etwas schwach klingt, weil er direkt beim Dreh aufgenommen wurde, ist die deutsche Variante deutlich vitaler und besser zu verstehen. Auf den hinteren Kanälen findet übrigens so gut wie nur die Musik statt.
Extras: Das Bonuspaket ist großzügig geschnürt worden. Es gibt einen Audiokommentar des Regisseurs, der von einigen seiner Schauspieler begleitet wird, wobei die Darstellerin der Sofia etwa ausgiebig davon berichtet, wie gedreht wurde, als ihre Figur zum Ende des Films endlich ihren ersten Orgasmus erlebt. Das halbstündige Making Of gibt über den ungewöhnlichen Film Aufschluss und zeigt, wie die Schauspieler gefunden wurden. Bevor das Drehbuch geschrieben wurde, fanden Workshops statt, in denen die Schauspieler mit ihren Figuren arbeiteten, womit man deutlich mehr Realismus erzeugen wollte. Die kurze Featurette über die Orgie ist wenig ergiebig und eigentlich überflüssig. Dafür gibt es noch eine knappe halbe Stunde an entfallenen Szenen. Es sind acht an der Zahl, wobei einige durchaus wichtig für den Film sind, aber wohl wegen der Lauflänge geschnitten wurden. Abgerundet wird das Ganze durch den Trailer. Außerdem gibt es noch die Soundtrack-CDs mit den Songs aus dem Film. --movieman.de
New York aus Pappmache, Miss Liberty und ein Schwenk in eine Wohnung...Stopp! Ich weiß schon jetzt, was mir Regisseur Mitchell mitteilen will, noch bevor die skandalträchtigen Hardcoreszenen einsetzen. Um es mit "Braveheart" zu sagen: Freiheit!
Aber natürlich in sexueller Hinsicht, denn nach dem 11.September besteht Amerika nur noch aus Angst. Angst vor dem Leben, Angst sich zu öffnen, Angst, sich seiner eigenen Vergangenheit zu stellen, um neue Wege zu beschreiten, die endlich der Erleuchtung eines isolierten Lebens entgegen wirken.
Oder klobig ausgedrückt: Ihr Vereinsamten, geht alle in den Swingerclub und ihr findet eure (sexuelle) Erfüllung.
Denn es steckt kaum Substanz dahinter, wenn sich diverse Figuren im titelgebenden Club "Shortbus" treffen, deren Schicksale teilweise miteinander verbunden werden.
Da gibt es die asiatische Paartherapeutin Sofia, die auf der Suche nach ihrem ersten Orgasmus ist, eine Domina, die eine zwischenmenschliche Beziehung sucht und mehrere Homosexuelle, von denen einer seinen Selbstmord von langer Hand geplant hat und deshalb eine Dreiecksgeschichte einläutet. Daneben gibt es noch einige Randfiguren, wie den schwulen Ex-Bürgermeister von New York, mehrere Transen (eine davon leitet den Club) und ganz viele namenlose Sexuelle.
Aber mit Sicherheit gibt es keine Geschichte, sondern lediglich zusammengefasste Sehnsüchte sämtlicher Protagonisten - und seien sie, wie im Fall der Therapeutin, auch noch so belanglos.
Und so läuten die ersten expliziten Szenen bereits ein, was sich im Verlauf nicht ganz so drastisch fortsetzen wird. Da wird in schnellen Szenenwechseln ordentliches Kamasutra betrieben, ein Typ ejakuliert sich selbst in den Mund, ein Freier beschmutzt mit seinen Samen ein Krickelgemälde und bei alledem lernen wir natürlich auch die Figuren kennen, denen es im Kern um nichts anderes geht, als eben Sex. Wenn sie es nicht betreiben, dann reden sie zumindest darüber.
So wird man aus den Charakteren nicht wirklich klug, sie erscheinen sehr weit weg und auch die sympathischste Figur der Therapeutin lässt nicht in ihre Seele blicken. Sie sind da, sie handeln, aber wir erfahren kaum etwas über sie.
Es ist eine fremde, isolierte Welt von Verlierern, die sich im Verlauf allesamt zu Gewinnern entwickeln, ob glaubwürdig oder nicht, im Shortbus werden sie alle glücklich, das darf dann im Finale mit einer ausgelassenen Feier und ausschließlich glücklichen Gesichtern besiegelt werden.
Jedoch entfaltet sich das Treiben nicht inhaltslos oder gar langweilig. Hin und wieder heitern kleine Einfälle auf, wie das ferngesteuerte Ei in der Mumu der Therapeutin oder der Dreier der Schwulen, der mit dem Brüllen der US-Hymne quasi im Arsch ist.
Überhaupt ist die Grundstimmung eher leichtfüßig und beschwingend, was im Endeffekt ein positiver Aspekt ist.
Aber es mangelt an Charaktertiefe der Figuren, denn mir will nicht einleuchten, warum ein Ehemann urplötzlich seine masochistische Ader entdeckt, jemand feststellt, dass bisexuelle Hingabe alle Sehnsüchte erfüllt und sich ein Schwuler schlussendlich dem Analverkehr hingibt. Um das alles komplett nachvollziehen zu können, hätte es mehr an Background bedurft, einer Hintergrundgeschichte oder der konkreten Andeutung von Sehnsüchten.
Stattdessen bringt es die inhaltliche Aussage nicht weiter, wenn sich einer beim Pinkeln in der Badewanne filmt, mehrfach ein Massenfick von etwa 30 Leuten in einem Raum gezeigt wird oder eine Lesbentruppe über ihr Gefühl beim schönsten Orgasmus berichtet.
Es verläuft betont sexuell, doch eine charakterliche Entwicklung der Protagonisten ist bei manchen kaum feststellbar, lediglich ein Homosexueller beschreitet einen nachvollziehbaren Weg. Es bleibt alles zu vage, wie eine Bestandsaufnahme, ein paar Szenen immer wiederkehrender Gäste in einem Swingerclub.
Dabei hat Regisseur Mitchell eine bravouröse Vorarbeit geleistet, die Darsteller nach ihren persönlichen Vorlieben gecastet und sie dementsprechend charakterlich gezeichnet.
So wirken die Hardcoreszenen auch in keiner Weise erzwungen, sondern recht authentisch und natürlich. Die Darsteller sind durch die Bank überzeugend und um Realismus bemüht, aber auch nur soweit, wie das unentschlossene Drehbuch es eben zulässt.
Letztlich, worüber man im Zusammenhang mit diesem Streifen gerne spricht, die Hardcoreszenen. Kurzum: Sie machen zu keiner Zeit rattig, weil ich aus meiner persönlichen Sicht 1. nicht gepötert werden möchte, 2. keinem Gangbang oder ähnlichen Massenorgien beiwohnen will und 3. eine Peitsche auf dem Rücken als deutlichen Downer empfinden würde. Als durchschnittlicher Hetero hat man es - sexuell gesehen - mit diesem Teil nicht leicht.
Ergo sind die sexuellen Szenen nicht erotisch, aber auch nicht abstoßend und dafür muss man erstmal ein Händchen in Sachen Kamera und Schnitt beweisen, insofern hat Mitchell beim Filmen ordentlich dirigiert.
Aber im Endeffekt bleibt der Eindruck, dass hier lediglich ein paar Leute zusammengekommen sind, um zu dönern. Dabei sehen die Hardcoreszenen im Vergleich zum typischen Porno zwar ästhetisch und fast schon zurückhaltend aus, doch eine verwertbare Aussage bleibt der Stoff schuldig. Zwischenmenschliches lässt sich nur in Ansätzen finden und Arthouse-Ficken allein macht keinen gelungenen Film aus.
Trotz der Sympathiepunkte für die realistisch agierenden Darsteller und der latent anwirkenden Leichtflüssigkeit, - eine seriöse Botschaft konnte mir "Shortbus" am Ende nicht vermitteln. Ficken mit Anspruch und manchmal ein Lächeln, das auf emotionale Verbundenheit hindeutet. Etwas wenig, um mir einen Menschen näher zu bringen.
--- Maichklang