Aus der Amazon.de-Redaktion
„Holland war bislang ein kreideweißer Fleck auf der musikalischen Landkarte“, wird im Pressetext zu
Shorland behauptet. Was natürlich völliger Blödsinn ist, denn Jan Akkerman, Nits, Focus, The Ex oder Bettie Serveert konnten sich in der Vergangenheit einen internationalen Namen machen. Zutreffend ist immerhin, dass unsere Nachbarn es in Sachen Pop nie schafften, ähnlichen Einfluss wie die ebenfalls sehr kleinen skandinavischen Länder auszuüben, so viele einzigartige Künstler hervorzubringen. Moke, die sich nicht nach einem Fachbegriff aus der Optik (magneto-optischer Kerr-Effekt) benannten, sondern den Spitznamen Mokum ihrer Heimatstadt Amsterdam variierten, bilden nun eine Ausnahme. Das Quintett um Sänger, Gitarristen und Haupt-Songschreiber Felix Maginn könnte problemlos als Brit-Band durchgehen, so wenig lässt sich der Sound von Moke mit ihrem Land verorten. Was vielleicht auch daran liegt, dass Frontmann Maginn in Belfast zur Welt kam. So liegen dann auch die musikalischen Wurzeln von Moke auf der Insel, wo sie schon vor Veröffentlichung ihres in Holland mit Gold prämierten Debüts
Shorland und ohne Plattenvertrag in der Tasche auf Einladung von Paul Weller mehrfach mit der Brit-Pop-Ikone auftraten, der sie mit auf Europatour nahm. Die Einflüsse des Modfathers auf die künstlerische Entwicklung sind aber marginal, Moke orientieren sich auf ihrem erstaunlich ausgereiften Erstwerk am New Wave („Last Chance“), nähern sich in „This Plan“ symphonischen-psychedelischem Rock, großen Gefühlen a la U2 oder Coldplay in „Emigration Song“, irischer Folk wie in der Ballade „The Long Way“ oder sie lassen es in „We’ll Dance“ auch mal krachen. Respekt. -
Sven Niechziol
Solider, teils kritischer Indie-Rock made in the Netherlands: Mokes Debütalbum "Shoreland" ist auf dem deutschen Markt erschienen.
Moke haben einfach Glück. Gleich nach ihrer Gründung 2005 wird der Musiker Paul Weller auf die holländische Band aufmerksam. Er läd das Quintett kurzerhand als Support ein und verschafft ihnen internationales Gehör. Einige Zeit später lässt der extraordinäre Karl Lagerfeld verlauten, dass er die Band mag und stiftete ihnen Anzüge aus der eigene Kollektion. Jetzt erscheint „Shorland“ das Debütalbum von Moke und man muss sagen: Karl und Paul haben sich nicht geirrt.
Eröffnet wird das Album „Shoreland“ von seichten Klavierklängen, nach ein paar Sekunden wird der wirkliche Stil allerdings klar gemacht: anständiger Britpop alias schöner Indie-Rock. „This Plan“ ist als erstes Lied mutig, der Text düster und man hat kurz Angst das Album driftet in Emo ab. In „Last Chance“, der ersten Single-Auskopplung tragen die Instrumente temporeich und eingängig den Liebes-Gesang von Felix Maginn, alles passt wunderbar zusammen.
Aber Moke beschäftigen sich nicht nur mit Gefühlsregungen des Alltags, auch Politik und Gesellschaft bekommen ihre musikalische Ansage, beispielsweise im dritten Track des Albums. Der „Emigration Song“ wird in seinem Text noch emotionaler, wenn man weiß, dass Sänger Felix Maginn eigentlich aus Nordirland kommt. Hier stellt sich eine sehr persönliche Geschichte dar. Der Song geht sehr nah, was sicher nicht nur am Text, sondern auch an der vollen Instrumentierung liegt. Der „Emigration Song“ ist auch als Free Download erhältlich. Eine clevere Idee, dass die Band ihr politisches Statement verschenkt.
Mit politischer und gesellschaftlicher Kritik geht es auf „Shoreland“ mit der zweiten Single „Here Comes The Summer“ weiter. Zu schmetternden Gitarren verarbeitet Felix Maginn den Nordirlandkonflikt.
Auch wenn dieses Thema noch mehfach aufgegriffen wird, ist das Moke-Debüt keine Therapiesitzung oder musikalische Petition. Spätestens bei „We´ ll Dance“ ist der Optimismus auf „Shorland“ wieder da und die Musik macht erneut gute Laune. Das Album fliegt vor sich hin, ein toller Song reiht sich an den nächsten. Natürlich darf auch eine herzergreifende Ballade auf dem Album nicht fehlen: „The Song That You Sing“.
Joints ohne schlechtes Gewissen, Frauen in Schaufenstern und romantische Grachten, dafür ist Amsterdam bis jetzt berühmt. Ab sofort darf man sich Moke sei Dank auch mit dem Thema Musik und der holländischen Metropole befassen. Das Debütalbum Shorland gefällt sofort nach dem ersten Hören und bereitet auch beim nächsten Abspielen wieder Freude. Musikalisch hört man 45 Minuten lang wunderbaren Indie-Britpop, die Texte sind erwachsen und intelligent. Shorland ist ein Debüt mit Vorbildfunktion.