Mit seinem Debütalbum "Songs" stellte der Wahlberliner Norman Palm unter Beweis, dass man melancholische Texte auf eingängige mal ruhige, mal treibende Melodien, mit reduzierter Instrumentation spielen kann ohne dabei auf stupide Lagerfeuermusik reduziert zu werden. Und auch diesmal beweist uns der gebürtige Meppener etwas: Liebeslieder müssen nicht immer kitschig und schnulzig sein. Dazu muss man wissen, dass Norman eine interkontinentale Fernbeziehung in Mexiko-City pflegt, was ihn immer wieder dazu bringt von Küste zu Küste, also von "Shore To Shore" zu reisen. Auf dieses Doppelleben spielt sein neues Album an und anstatt sich nun in seinen Liedern vor lauter Herzschmerz an seine Akustikgitarre zu klammern, probiert er es lieber mit positiv klingenden, ruhigen Elektrosongs. Diese Veränderung im Sound läßt sich wohl am ehesten auf seine Vorbilder David Bowie und Brian Eno zurückführen, die immer mal anders klingen, wie er selbst. Einem reinen Singer/Songwriter-Dasein ist Palm somit entwachsen. Schon im Opener von "Shore To Shore" kann man einen gewissen Hang zur Multiinstrumentalität nicht überhören. Ukulele und Synthie, Gitarre und zaghafte Beats verleihen "Start/Stop" zusammen mit einem stellenweise treibenden Gesang einen wahren Geist des Aufbruchs. Das macht neugierig auf mehr. Mit "Landslide" überrascht Palm mit Road-Movie Potential; "Phantom Lover" ist ein atmosphärisches Meisterwerk. Aber Alles in Allem kommt Palm thematisch seiner musikalischen Kreativität jedoch kaum hinterher. Die Texte kreisen um das eine weltbewegende Thema: Liebe. Genauer gesagt ist es die moderne Geißel der Fernbeziehung. Da reicht es auch nicht, dass es sich seinen leicht knödeligen Gesangsstil bewahrt hat um seine Liebeserklärungen selbst dann nicht schnulzig klingen zu lassen, wenn dann doch mal die Akustikgitarre einsetzt.