Pressestimmen
"Erst blättern, dann shoppen. Wo gibt's denn nun die besten Öko-Produkte, welches Gütesiegel ist wirklich 'grün', welches Trendlabel setzt sich nachhaltig für den Klimaschutz ein? Autor Fred Grimm klärt auf." (Gala )
"Verschenken Sie doch die beste Ausrede für eine ausgedehnte Shopping-Tour" (Brigitte )
Kurzbeschreibung
Fred Grimm hat die wichtigsten Trends, Firmen und Marken aufgespürt und nach Branchen sortiert. Ob Ernährung, Mode, Kosmetik, Wohnen, Digital Lifestyle, Reisen oder Geldanlage: dieser Einkaufsführer hilft bei der Suche nach Shopping-Alternativen – für eine bessere Welt!
Klappentext
stern
"Es ist kein Trend, es ist eine Wende. Bewusstes Konsumieren ist eine bleibende Bewegung mit riesigem Wachstumspotenzial. Die Erfolgsformel lautet: sozial und ökonomisch hergestellte Produkte mit einer Prise Glamour."
Badischen Zeitung
"Der Einkaufsführer für den bewussten Konsum."
Tagesspiegel
Über den Autor
Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Der Einkaufsführer ist in acht Kapitel unterteilt. In der Einführung (»Packen wir's ein«) lesen Sie, wie das neue Konsumdenken heute schon beginnt, die Welt zu verändern. Große Konzerne fangen an, sich auf die Wünsche ihrer umweltbewussten und sozial orientierten Kunden einzustellen. Designer und junge Firmengründer bringen Produkte auf den Markt, die sowohl ethisch-ökologischen als auch ästhetischen Anforderungen genügen. Die Zeit, in der Konsumbewusstsein vor allem Verzicht bedeutete, ist vorbei.
Die weiteren sieben Kapitel sind nach Branchen sortiert: Ernährung, Mode, Kosmetik, Wohnen, Digital Lifestyle, Reisen und Geld. Jedes Kapitel beginnt mit einem Report, der die speziellen Probleme und Chancen für ethisch-ökologisches Wirtschaften in der jeweiligen Branche untersucht. Wie kann eine gesunde Lebensmittelproduktion aussehen? Gibt es umweltschonende Materialien und Fertigungsweisen für die Mode-, Möbel- und Computerindustrie? Was ist mit den Arbeitsbedingungen? Wie viel Chemie gehört in Ihre Kosmetik? Am Ende jedes Kapitels finden Sie jede Menge Service: konkrete Einkaufstipps, weiterführende Links und Bücher, Informationen über die wichtigsten Gütesiegel und Zertifikate, an denen Sie empfehlenswerte Produkte erkennen.
In den Kapiteln »Reisen« und »Geld« geht dieser Einkaufsführer über das Shopping-Erlebnis hinaus. Ich habe in vielen Gesprächen mit potenziellen Leserinnen und Lesern erfahren, dass das Informationsbedürfnis auch in diesen Bereichen groß ist. Eine junge allein erziehende Mutter, die für ihren dreijährigen Sohn nur noch »Bio« kauft und wenig Zeit hat, sich durch das riesige Angebot der Reiseveranstalter zu arbeiten, wünscht sich Anregungen für »sanften Tourismus« - für einen Urlaub, der die Natur nicht zerstört und ihr ermöglicht, ihren gesunden Lebensstil auch in der Ferienzeit zu pflegen. Eine ehemalige Kollegin erzählte mir, wie sie in ihrer Bank nach Möglichkeiten fragte, Geld nach ethischen Gesichtspunkten anzulegen. Sie erntete eine Mischung aus Ratlosigkeit und Spott. »Sie können es doch spenden«, war die Antwort. Im Kapitel »Geld« dieses Buches lesen Sie, wie Sie Ihr Geld anlegen und mit gutem Gewissen vermehren können.
Dieser Shopping-Guide soll nicht nur Tipps für umwelt- und sozial bewusstes Einkaufen geben, sondern auch Firmen und Hersteller ermuntern, ihr Angebot zu erweitern. Im ganzen
Land gibt es heute beinahe täglich neue gute Ideen und Produkte, die in diesen Einkaufsführer passen würden. Natürlich kann es sein, dass ich einige davon bei der Recherche übersehen habe. Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie sich mit entsprechenden Hinweisen und Anregungen direkt an mich wenden würden, damit die nächste Ausgabe noch dicker wird. Bitte schreiben Sie an meine E-Mail-Adresse shoppinghilft@web.de
Danken möchte ich Anne C. Kunze für unermüdliche Recherchen und Tipps. Und meiner wunderbaren Frau Frances und meiner Tochter Yannah Wolke für ihre Liebe und Geduld.
März 2008
Fred Grimm
PACKEN WIR'S EIN
Grüner wird's nicht
Manchmal fragt man sich, ob das alles wahr sein kann: Bio-Kartoffeln bei Aldi, Biomilch bei Plus, Bio-Cola in der Szene-Bar. Die Kantine serviert Currywurst »aus artgerechter Tierhaltung«. Man findet Ökomode bei H&M und C&A. Bei Douglas steht Naturkosmetik aus Hand gezupften Rosenblättern im Regal. Fleurop verschickt »klimaneutrale« Blumensträuße. Greenpeace kämpft mit Uschi Glas und der »Bild-Zeitung« gegen den Klimawandel. McDonalds verkauft Fairtrade-Kaffee. CocaCola und der WWF schützen gemeinsam Süßwasserreservate in Kanada. 150 Konzerne von Nike bis Shell fordern in einer Erklärung Gesetze für mehr Klimaschutz. Öko-Filme kriegen Oscars. Und auf der Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt sind so viele umweltfreundliche Prototypen zu sehen, dass sie beim nächsten Mal wohl »Grüne Woche« heißt.
Plötzlich sind alle »Öko«. Automanager, TV-Sternchen, Ölkonzerne, Supermärkte und natürlich auch die Bundeskanzlerin. Es gibt kein Entrinnen. Der einstige Kampfbegriff, der fanatische Latzhosenträger vom lebensfreudigen Teil der Menschheit separieren sollte, klingt plötzlich nach Verantwortung für die Welt, nach Wissen, Gesundheit, Alltagsluxus und Genuss. Vor allem in Verbindung mit Dingen, die wir kaufen können. Das Label »Öko« ist ein Versprechen, dass wir Konsumkinder (»Ich bin doch nicht blöd«) tatsächlich nicht blöd sind. Dass uns kurz vor der Klimakatastrophe doch noch einfällt, wie wir die Erde bewahren statt sie zu zerstören. Dass wir lernen wollen, wie wir uns ernähren und kleiden, wie wir arbeiten, reisen und unser Geld anlegen können, ohne dass es die Welt kosten muss. Nach jüngsten Umfragen wollen mittlerweile 70 Prozent aller Deutschen wissen, wie viel Kohlendioxid bei der Herstellung und dem Transport eines Produkts anfällt. Drei Viertel der Befragten erklärten, sie würden den klimafreundlicheren Artikel bevorzugen und dafür - zur Not -auch mehr bezahlen.
Jute statt Plastik
Ende der Siebzigerjahre startete die Aktion »Jute statt Plastik«. Die jung Gebliebenen Leserinnen und Leser werden sich bestimmt noch dran erinnern. Damals lernte ich im Konfirmandenunterricht, dass unsere Welt eine bessere wäre, wenn alle Menschen für 1,50 Mark eine Jute-Tasche kauften, die Frauen aus Bangladesch für uns genäht hatten. Die hellbraunen Taschen waren die ersten stillen Boten der Fairtrade-Idee: direkter Handel mit Produzenten in den Entwicklungsländern, denen man Garantiepreise über dem Weltmarktniveau zahlt. Ein Teil der Gewinne geht an Bildungs-, Gesundheits- und Sozialprojekte. Insgesamt kaufte ich sieben Stück. Schauderhafte Teile, die beim fünften Tragen rissen und bei Regen stanken wie nasser Hund. Die Kampagne hat sich trotzdem in mein Gedächtnis gebrannt. Zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, dass das Was, Wo und Wie meines Konsums etwas mit der Art und Weise zu tun hat, wie unsere Welt funktioniert. Dass unser
verschwenderischer Umgang mit Ressourcen wie Öl, aus dem man Plastik gewinnt, und unsere Haltung gegenüber der Dritten Welt miteinander zusammenhängen. Und, nicht zuletzt, dass ein politisch sinnvoller Gedanke niemals dauerhaft Erfolg haben wird, wenn man ihn auf einer Tasche spazieren trägt, die aussieht wie ein überfahrener Kartoffelsack. Trotz fünf Millionen verkaufter Jute-Taschen wurden am Ende der Aktion in Deutschland so viele Plastiktüten verteilt wie nie zuvor.
Ethischer Konsum entstand Ende der Siebziger-, Anfang der Achtzigerjahre aus dem Geiste der Konsumverweigerung. Genuss oder Stil spielten keine Rolle. Klaglos trank man den bitteren Solidaritätskaffee aus Nicaragua und nahm hin, dass man mit der fair gekauften, kreischbunten Indiomütze aussah wie ein Blumentopf, der vom Balkon gefallen war. Wer damals ein guter Mensch sein wollte, kaufte selbst Gemachtes oder spuckte - wie die Punks - der Konsumgesellschaft seine Verachtung ins Gesicht. Motto: »Ich kaufe, also bin ich ein Schwein.«
Die Kinder der Achtziger- und Neunzigerjahre wuchsen mit zwei widersprüchlichen Botschaften auf: dem Rausch der Oberfläche und der Sehnsucht nach Tiefgang und Moral. Die Popper, die Anfang...
Auszug aus Shopping hilft die Welt verbessern: Der andere Einkaufsführer. Ernährung . Mode . Kosmetik . Wohnen . Reisen . Geldanlage von Fred Grimm. Copyright © 2008. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Der Einkaufsführer ist in acht Kapitel unterteilt. In der Einführung (»Packen wir's ein«) lesen Sie, wie das neue Konsumdenken heute schon beginnt, die Welt zu verändern. Große Konzerne fangen an, sich auf die Wünsche ihrer umweltbewussten und sozial orientierten Kunden einzustellen. Designer und junge Firmengründer bringen Produkte auf den Markt, die sowohl ethisch-ökologischen als auch ästhetischen Anforderungen genügen. Die Zeit, in der Konsumbewusstsein vor allem Verzicht bedeutete, ist vorbei.
Die weiteren sieben Kapitel sind nach Branchen sortiert: Ernährung, Mode, Kosmetik, Wohnen, Digital Lifestyle, Reisen und Geld. Jedes Kapitel beginnt mit einem Report, der die speziellen Probleme und Chancen für ethisch-ökologisches Wirtschaften in der jeweiligen Branche untersucht. Wie kann eine gesunde Lebensmittelproduktion aussehen? Gibt es umweltschonende Materialien und Fertigungsweisen für die Mode-, Möbel- und Computerindustrie? Was ist mit den Arbeitsbedingungen? Wie viel Chemie gehört in Ihre Kosmetik? Am Ende jedes Kapitels finden Sie jede Menge Service: konkrete Einkaufstipps, weiterführende Links und Bücher, Informationen über die wichtigsten Gütesiegel und Zertifikate, an denen Sie empfehlenswerte Produkte erkennen.
In den Kapiteln »Reisen« und »Geld« geht dieser Einkaufsführer über das Shopping-Erlebnis hinaus. Ich habe in vielen Gesprächen mit potenziellen Leserinnen und Lesern erfahren, dass das Informationsbedürfnis auch in diesen Bereichen groß ist. Eine junge allein erziehende Mutter, die für ihren dreijährigen Sohn nur noch »Bio« kauft und wenig Zeit hat, sich durch das riesige Angebot der Reiseveranstalter zu arbeiten, wünscht sich Anregungen für »sanften Tourismus« - für einen Urlaub, der die Natur nicht zerstört und ihr ermöglicht, ihren gesunden Lebensstil auch in der Ferienzeit zu pflegen. Eine ehemalige Kollegin erzählte mir, wie sie in ihrer Bank nach Möglichkeiten fragte, Geld nach ethischen Gesichtspunkten anzulegen. Sie erntete eine Mischung aus Ratlosigkeit und Spott. »Sie können es doch spenden«, war die Antwort. Im Kapitel »Geld« dieses Buches lesen Sie, wie Sie Ihr Geld anlegen und mit gutem Gewissen vermehren können.
Dieser Shopping-Guide soll nicht nur Tipps für umwelt- und sozial bewusstes Einkaufen geben, sondern auch Firmen und Hersteller ermuntern, ihr Angebot zu erweitern. Im ganzen
Land gibt es heute beinahe täglich neue gute Ideen und Produkte, die in diesen Einkaufsführer passen würden. Natürlich kann es sein, dass ich einige davon bei der Recherche übersehen habe. Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie sich mit entsprechenden Hinweisen und Anregungen direkt an mich wenden würden, damit die nächste Ausgabe noch dicker wird. Bitte schreiben Sie an meine E-Mail-Adresse shoppinghilft@web.de
Danken möchte ich Anne C. Kunze für unermüdliche Recherchen und Tipps. Und meiner wunderbaren Frau Frances und meiner Tochter Yannah Wolke für ihre Liebe und Geduld.
März 2008
Fred Grimm
PACKEN WIR'S EIN
Grüner wird's nicht
Manchmal fragt man sich, ob das alles wahr sein kann: Bio-Kartoffeln bei Aldi, Biomilch bei Plus, Bio-Cola in der Szene-Bar. Die Kantine serviert Currywurst »aus artgerechter Tierhaltung«. Man findet Ökomode bei H&M und C&A. Bei Douglas steht Naturkosmetik aus Hand gezupften Rosenblättern im Regal. Fleurop verschickt »klimaneutrale« Blumensträuße. Greenpeace kämpft mit Uschi Glas und der »Bild-Zeitung« gegen den Klimawandel. McDonalds verkauft Fairtrade-Kaffee. CocaCola und der WWF schützen gemeinsam Süßwasserreservate in Kanada. 150 Konzerne von Nike bis Shell fordern in einer Erklärung Gesetze für mehr Klimaschutz. Öko-Filme kriegen Oscars. Und auf der Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt sind so viele umweltfreundliche Prototypen zu sehen, dass sie beim nächsten Mal wohl »Grüne Woche« heißt.
Plötzlich sind alle »Öko«. Automanager, TV-Sternchen, Ölkonzerne, Supermärkte und natürlich auch die Bundeskanzlerin. Es gibt kein Entrinnen. Der einstige Kampfbegriff, der fanatische Latzhosenträger vom lebensfreudigen Teil der Menschheit separieren sollte, klingt plötzlich nach Verantwortung für die Welt, nach Wissen, Gesundheit, Alltagsluxus und Genuss. Vor allem in Verbindung mit Dingen, die wir kaufen können. Das Label »Öko« ist ein Versprechen, dass wir Konsumkinder (»Ich bin doch nicht blöd«) tatsächlich nicht blöd sind. Dass uns kurz vor der Klimakatastrophe doch noch einfällt, wie wir die Erde bewahren statt sie zu zerstören. Dass wir lernen wollen, wie wir uns ernähren und kleiden, wie wir arbeiten, reisen und unser Geld anlegen können, ohne dass es die Welt kosten muss. Nach jüngsten Umfragen wollen mittlerweile 70 Prozent aller Deutschen wissen, wie viel Kohlendioxid bei der Herstellung und dem Transport eines Produkts anfällt. Drei Viertel der Befragten erklärten, sie würden den klimafreundlicheren Artikel bevorzugen und dafür - zur Not -auch mehr bezahlen.
Jute statt Plastik
Ende der Siebzigerjahre startete die Aktion »Jute statt Plastik«. Die jung Gebliebenen Leserinnen und Leser werden sich bestimmt noch dran erinnern. Damals lernte ich im Konfirmandenunterricht, dass unsere Welt eine bessere wäre, wenn alle Menschen für 1,50 Mark eine Jute-Tasche kauften, die Frauen aus Bangladesch für uns genäht hatten. Die hellbraunen Taschen waren die ersten stillen Boten der Fairtrade-Idee: direkter Handel mit Produzenten in den Entwicklungsländern, denen man Garantiepreise über dem Weltmarktniveau zahlt. Ein Teil der Gewinne geht an Bildungs-, Gesundheits- und Sozialprojekte. Insgesamt kaufte ich sieben Stück. Schauderhafte Teile, die beim fünften Tragen rissen und bei Regen stanken wie nasser Hund. Die Kampagne hat sich trotzdem in mein Gedächtnis gebrannt. Zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, dass das Was, Wo und Wie meines Konsums etwas mit der Art und Weise zu tun hat, wie unsere Welt funktioniert. Dass unser
verschwenderischer Umgang mit Ressourcen wie Öl, aus dem man Plastik gewinnt, und unsere Haltung gegenüber der Dritten Welt miteinander zusammenhängen. Und, nicht zuletzt, dass ein politisch sinnvoller Gedanke niemals dauerhaft Erfolg haben wird, wenn man ihn auf einer Tasche spazieren trägt, die aussieht wie ein überfahrener Kartoffelsack. Trotz fünf Millionen verkaufter Jute-Taschen wurden am Ende der Aktion in Deutschland so viele Plastiktüten verteilt wie nie zuvor.
Ethischer Konsum entstand Ende der Siebziger-, Anfang der Achtzigerjahre aus dem Geiste der Konsumverweigerung. Genuss oder Stil spielten keine Rolle. Klaglos trank man den bitteren Solidaritätskaffee aus Nicaragua und nahm hin, dass man mit der fair gekauften, kreischbunten Indiomütze aussah wie ein Blumentopf, der vom Balkon gefallen war. Wer damals ein guter Mensch sein wollte, kaufte selbst Gemachtes oder spuckte - wie die Punks - der Konsumgesellschaft seine Verachtung ins Gesicht. Motto: »Ich kaufe, also bin ich ein Schwein.«
Die Kinder der Achtziger- und Neunzigerjahre wuchsen mit zwei widersprüchlichen Botschaften auf: dem Rausch der Oberfläche und der Sehnsucht nach Tiefgang und Moral. Die Popper, die Anfang der Achtzigerjahre mit ihren Föhnfrisuren, Karoschals, Karottenjeans und Trenchcoats angaben, waren Vorboten eines Konsum-Narzissmus, bei dem nichts so sehr zählt wie das richtige Label zur richtigen Zeit: »Ich kaufe, also bin ich.« Ihre direkte Gegenbewegung, die Alternativen, kultivierte den Verzicht auf Körperpflege als Waffe im politisch-kulturellen Kampf. Allein die inneren Werte zählten. Ihr parlamentarischer Arm, die Grünen, leistete apokalyptische Konsumkritik und präsentierte sich vorzugsweise im Selbstgestrickten, mit wallenden Röcken oder fleckigen Jeans. Überall lauerten Gefahren: Chemie im Essen und in der Kleidung, giftige Dämpfe aus dem Kinderbett, mit Waschpulver und Putzmitteln getränkte Abwässer, die unsere Flüsse ermordeten, mit allem, was darin schwamm. Auf sonderbare Weise scheinen sich beide Großströmungen - die Popper und die Apokalyptiker - gerade zu etwas ganz Neuem zu vereinen.
Wir LOHAS
Der Begriff kommt aus den USA, klingt auf Deutsch ein wenig schlaff, aber die Trendforscher haben sich längst draufgestürzt: Die LOHAS sind da.Eine Studie des Münchener Burda-Verlags malt für Deutschland das Bild einer 3,67 Millionen Menschen starken Gruppe, die den »hybriden Lifestyle« lebt: technikaffin und naturverbunden, genussvoll und gesund, modern und wertebewusst, anspruchsvoll aber ohne Statusluxus, selbstbezogen und gemeinsinnorientiert, realistisch und spirituell. Eine gut ausgebildete, konsumfreudige Schar, eher weiblicher Gutverdiener. Menschen, die beim Wort »Grünanlagen« nicht zuerst an Rasen denken, sondern an Windkraftfonds.
Die LOHAS sind mitten unter uns, sie würden sich nur nie so nennen, denn bis auf das Bio-Siegel hassen sie Etiketten. Die LOHAS stecken voller Widersprüche. Sie machen Fastenkuren - wegen des »guten Gefühls« - und lieben es zu schlemmen. Sie shoppen gern - und hassen Verschwendung. Sie sind die neue Verbrauchermacht, denn LOHAS kaufen nicht einfach irgendwas. Auf der BioFach in Nürnberg, der größten Messe für Öko-Lebensmittel und Naturkosmetik, blickt man jedes Jahr im Februar in strahlende Gesichter. Denn während der gesamte Einzelhandel in Deutschland stagniert, freut man sich hier über Gewinnsteigerungen im zweistelligen Bereich. Der Umsatz mit Bio-Lebensmitteln - die klassische Einstiegsdroge der LOHAS - durchbrach 2007 erstmals die Fünf-Milliarden-Euro-Grenze. Vor zwei Jahren hatte Trendforscher Matthias Horx auf der BioFach eine blühende Zukunft für alle entworfen, die mit den Bedürfnissen der LOHAS Geld verdienen: »Wer sich für gesunde Ernährung interessiert, interessiert sich auch für gesunde Kosmetik oder gesundes Wohnen. Die LOHAS sind offen für neue Technik, familienorientiert und lieben die Natur. Sie sind die Avantgarde des Konsums.«
Man trifft die LOHAS aber nicht nur im Bio-Supermarkt. Ihre Autos fahren schadstoffarm oder mit Hybridmotor. Sie trennen ihren Müll. Ihre Ferienhäuser, wenn sie sich die leisten können, verfügen über Regenwasseraufbereitungsanlagen und Photovoltaik auf dem Dach. Sie machen Yoga - nicht täglich, eher so alle zwei Wochen -, ohne deshalb gleich in orangefarbenen Gewändern durch Fußgängerzonen zu tanzen. Wenn die LOHAS lesen, dass ein großer Sportartikelkonzern seine Waren zu Hungerlöhnen nähen lässt, tauschen sie ihre Laufschuhe um. Der Klimawandel macht ihnen Sorgen. Sie haben ihre persönliche CO2-Bilanz durchgerechnet, waschen ihre Wäsche nur noch bei 30 Grad und haben an ihre Hausverwaltung geschrieben, um eine bessere Wärmedämmung durchzusetzen.
Politaktivisten sind sie angeblich nicht. »Früher solidarisierte man sich und versuchte gemeinsam etwas zu verändern. Heute kauft man stattdessen ein T-Shirt der Marke American Apparel«, beobachtet der Hamburger Trendforscher Peter Wippermann etwas abfällig mit Blick auf die jüngeren LOHAS. Die rasant wachsende Modefirma produziert »Sweatshop-free« in Los Angeles und bezahlt ihren größtenteils mexikanischen Angestellten Englisch-Kurse und überdurchschnittlich hohe Löhne. Motto: »Fuck the brands that are fucking the people.« Die Anzeigenkampagnen für American Apparel zeigen verwuschelte Jungmänner mit freien Oberkörpern und selbstbewusste attraktive Frauen, die schauen als hätten sie gerade etwas sehr Schönes erlebt. American Apparel verkauft simple, bunte T-Shirts, Sweater, Badekleidung, Socken oder Slips, aber, so schreibt Oliver Gehrs in »Brandeins«: »Im Grunde genommen ist bei American Apparel alles Unterwäsche«. »Highly oversexed«, rüffelt eine amerikanische LOHAS-Freundin von mir, die gern darauf hinweist, dass die Modefirma mit dem underdog-Image Ende 2007 für 244 Millionen Dollar von einem Hedge-Fonds übernommen wurde.
Es ist nämlich alles nicht so einfach mit dem Konsum für eine bessere Welt, grad für LOHAS nicht, die über die Produkte, die sie kaufen sollen, mehr erfahren wollen als nur den Preis.
Produkte mit Geschichte
Wenn ich ehrlich bin, war es ein ziemlich dämlicher Kauf. Mein neues Telefon ist sauschwer und die Wählscheibe ist so praktisch wie eine Kohleheizung. Bei Gesprächen ins Ausland verwähle ich mich grundsätzlich bei der vorletzten Nummer und kann dann wieder von vorn anfangen. Früher haben es wenigstens noch die Freunde meiner kleinen Tochter geliebt. Wahrscheinlich erinnerte sie der Apparat »W 48« von Manufactum an ein Spielzeugtelefon. Aber auch Kinder werden älter und klüger.
Der Manufactum-Kosmos, der sich zweimal jährlich auf beinahe 400 Katalogseiten entfaltet, hat einen ganz eigenen Zauber. »Es gibt sie noch, die guten Dinge«, lautete früher mal der Werbespruch. Wenn man überhaupt von Werbung sprechen kann. Denn eigentlich »wirbt« Manufactum nicht für seine 8500 Produkte, sondern erzählt ihre Geschichten. Auf dass wir mit dem Kauf ein Teil dieser Geschichte werden. Darf ich mal etwas länger aus dem Katalog zitieren? Es geht um einen Stuhl: »Die Jasper Seating Company Inc. wurde 1929 im südlichen Indiana gegründet, einer Gegend, in der sich ihres Waldreichtums wegen im 19. Jahrhundert deutsche Tischler ansiedelten und das Zentrum handwerklichen Möbelbaus in den USA begründeten. Jasper unterhält einen eigenen Nutzwald, seine eigene Sägemühle und ist stolz auf seine Holz-Dampfbiegetechnik. Das berühmteste Jaspermodell ist der Stuhl 980, ein imposanter Armlehnstuhl mit Wippmechanik: Richter und Geschworene des amerikanischen Gerichtswesens nehmen traditionell darin Platz. Außer in Gerichtssälen sind Jasper Chairs auch in amerikanischen Bibliotheken so verbreitet, dass sie in den USA oft >Library Chairs< genannt werden.«
Sehen Sie auch den Film vor Ihrem geistigen Auge? Bärtige Holzfäller in rauschenden Wäldern, Werkstätten im Nebel der »Holz-Dampfbiegetechnik«, Gerichtsverhandlungen mit schleimigen Anwälten, verwirrten Geschworenen und gütigen Richtern? Ganz zu schweigen von den Bibliotheken, in denen Detektive oder Journalisten auf Jasperstühlen sitzen, um dunklen Geheimnissen auf die Spur zu kommen.
Rasierpinsel »aus Büffelhorn«, der italienische »Casabella Wischer« (»seit 1954«), Opalglasleuchten in Tropfenform »von Wilhelm Braun-Feldweg«, Schaftstiefel aus »Bergschuhleder« - im Manufactum-Katalog lesen wir Kurzromane aus der Warenwelt. Statt »Preiset den Herrn« heißt es »Preiset die Handwerkskunst«, aber die Andacht ist ähnlich. Es ist kein geringer Verdienst der Manufactum-Jünger, dass irgendwo in Wien ein wundervoller Glasbläsermeister seine Werkstatt halten kann oder eine Düsseldorfer Rahmenmanufaktur gerade ihren dritten Frühling erlebt. Die Idee des guten, wenn auch ziemlich teuren Konsums in der an sich verwerflichen Konsumgesellschaft erlebt hier ihren wertkonservativen Triumph. Doch der Erfolg von Manufactum hat nicht nur mit dem Wunsch nach langlebigen Qualitätsprodukten zu tun, sondern auch mit unserer Sehnsucht nach Nähe und Authentizität.
