In diesem deutschen Film treffen 18 Nachwuchsdarsteller aus Theater und Fernsehen aufeinander. Kein Hauptdarsteller trägt durch den Film, die Bilder fangen insbesondere Gesichter ein, Dialoge nehmen den Großteil der Handlung ein. Dennoch, dieser Film ist ganz und gar nicht langweilig.
Warum? Alle 18 Darsteller beherrschen ihr Handwerk, nämlich Charaktere zu leben. Diese Charaktere leben allesamt in München und sind auf ihre jeweils eigene Art und Weise einsam oder allein. Die Suche nach dem richtigen Partner haben Sie einer Vermittlungsagentur anvertraut, die gegen Bezahlung Speed-Datings organisiert: 9 Männer sitzen 9 Frauen für 5 Minuten gegenüber und versuchen sich kennenzulernen, danach rutschen die Männer einen Sitzplatz weiter. Zum Schluss bekommen diejenigen die Telefonnummer des gewünschten Partners, der sich ebenfalls für sie erwärmt hat. "Shoppen" führt in die Personen ein, danach folgen die langen, niemals langweiligen, sondern kurzweiligen und pointenreichen Zweiergespräche - und die letzten halbe Stunde dürfen wir einige Begegnungen, neudeutsch "Dates" außerhalb des arrangierten Kennenlernbezirkes mitverfolgen.
Die erzählte Geschichte ist klasse, weil es eine Grundsympathie des Film mit allen Charakteren gibt, so verschroben oder extrovertiert sie auch sein sollten. Und das sind alle 18 Personen auf ihre spezielle Weise in der Tat! Es gibt keine bemitleidenswerten Großstadtbewohner und in Liebesdingen "Wohlstandsverwahrloste", sondern eigenwillige Menschen, die so sind, wie sie eben sind und versuchen, damit zurechtzukommen. Als Zuschauer fiebert man mit der Zeit mit, wer denn zu wem passen könnte. Oder auch: wer würde denn zu mir passen?
Der Schluss bringt keine "Auflösung" (welche Dates gelingen, welche scheitern), sondern führt die Dialoge in der Wirklichkeit des Lebens weiter: wo bahnt sich etwas an, oft überraschend, wo entwickelt sich nichts, wo könnte etwas draus werden. So zeigt "Shoppen" sein Gesicht: keine Milieustudie, kein billiger Spaßfilm über die "Generation Spaß (bzw. Shoppen)", sondern eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der Frage nach Bekanntschaft, Beziehung, Liebe(n), kurz: der ewigen Mann-Frau-Kiste. Ein Film zum Wiederanschauen.
Mit hat am meisten die Warmherzigkeit des Films gefallen. Niemand wird vorgeführt, niemand wird entlarvt, aber jeder zeigt etwas mehr von sich als die 08/15-Alltagsfassade. Schade, dass ich damals nicht im Kino war.