Durch Zufall habe ich den Film SHOPPEN gestern im TV gesehen und ich fand ihn einfach genial!
Die Handlung ist aus den bisherigen Rezensionen hinlänglich bekannt, so dass ich mir eine nochmalige Beschreibung ersparen möchte ...
Jeder, der selbst mal ein partnersuchender Zeitgenosse gewesen ist, kann wohl ziemlich gut nachvollziehen, was die 18 Singles im Film erleben. Und wenn man mal ehrlich zu sich selbst ist, dann kann man sich in diesem Film durchaus wiederfinden ... ;-)
Alle sind sie dabei: Der Nette, der verzweifelte Looser, die Verklemmte, der dumpfe Aufreißertyp, die Zynikerin, der unsichere gefühlsgestaute Analyst, die desillusionierte Mittdreißigerin, der reaktionäre Ökofreak, die depressive Einsame, der egomanische Selbstdarsteller, die überzogene Romantikerin u.s.w.u.s.f.
Obwohl die 18 Persönlichkeiten des Films im Grunde in ihrem Innersten alle nur eines wollen, nämlich die große Liebe finden - also jenes menschliche Gegenstück, das die eigene Seele erst zur Vollständigkeit ergänzt und damit vielleicht auch ein wenig den Blick wieder auf den Sinn des Lebens fokussiert - stehen sie sich genau dabei mit ihren sorgsam kultivierten Macken selbst im Wege. Sie wollen die Liebe und haben doch auch Angst davor, sich zu binden.
Das Speed-Dating bildet die ideale Rahmenhandlung, um mit schillernden, hervorragend gezeichneten, ja überzeichneten Charakteren den Film auf diese Kernaussage einzudampfen. Die hier mehrfach kritisierte karge Ausstattung des Speed-Dating-Raumes passt ideal dazu. Ein riesiges Ausstattungsbrimborium hätte nur von den handelnden Personen und ihrer verschrobenen Kommunikation abgelenkt, denn im Mittelpunkt stehen die ständig paarweise wechselnden Dialoge, die zwischen traurig, zynisch, ernsthaft, tief schürfend, amüsant, witzig und grotesk pendeln und die ganze Palette an menschlichen Emotionen, Wertesystemen und Banalitäten des Alltags auffächern.
Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten, aber trotzdem kann ich nicht nachvollziehen, wieso der Film hier von einigen Rezensenten so verrissen wird. Mich beschleicht eher der Verdacht, dass diejenigen die vermutlich gewollte Aussage des Films irgendwie nicht ganz kapiert haben. Regisseur Ralf Westhoff hält uns den Spiegel vor. Er bedient alle gängigen Klischeevorstellungen über Singles. Gerade damit macht er deutlich, wie eine zunehmend egozentrische und durch übertriebenen Individualismus geprägte Welt uns langsam aber sicher für unsere Mitmenschen schwer erträglich und letztlich fast beziehungsunfähig macht. Nicht umsonst landet am Ende des Films tatsächlich nur ein Paar so miteinander im Bett, dass man ihm zutraut, den Sprung in eine echte Liebe zu schaffen. Und sie sind - Zufall? - auch die einzigen, die sich offenbar noch eine gewisse Nähe zur Normalität und Bodenständigkeit bewahrt haben. Es besteht also doch noch Grund zur Hoffnung ... ;-)
Ich finde es sehr erfrischend, endlich mal neue Gesichter im deutschen Film zu erleben. Von Schauspielschulenniveau kann überhaupt keine Rede sein.
Ich kann nur ein Fazit ziehen: Fünf Sterne sind keiner zuviel!