J'etais perdu dans la rue
Fatigue et mal au cul
J'ai vu un petit cafe
Avec une fille dedans
Et je lui disais
Puis-je m'asseoir aupres de toi
Pour te regarder?
J'aimerais la compagnie de ton soleil
KEVIN AYERS - PUIS-JE?
Das kommt damals zwar in Englisch als May I?, doch auf Französisch gesungen ist es seinem Lebensgefühl natürlich sehr viel näher....und ich weiß, kaum habe ich es gehört, das wird mein Leben verändern, wird es dauerhaft prägen: bis dahin ist Leben so alles mögliche - Schule, Ritterburgen, großes Leid und noch größere Hoffnungen und Träume - doch nun habe ich ein klares Ziel, eine konkrete Vorstellung davon, was MEIN Leben sein wird:
You don't have to say a thing
You're the song without the sing
The sunlight in your hair
You look so good just sitting there
'May I sit and stare at you for a while?
I'd like the company of your smile'
KEVIN AYERS - MAY I?
Dank seiner Guideline bekomme ich das hin, habe es zu meiner Lebensmaxime, meinem Lebensgefühl gemacht, und wo immer ich kann gelebt - und geliebt. Noch immer ist es die träge tanzende singende Bassfigur die mich gefangennimmt, die in simplen Linien gespielten Saxophon-Verzierungen Lol Coxhills, sein sonnenfaules, über das Wah-Wah-Pedal gespieltes Solo, die relaxte, den Rhythmus und die Melodie bestimmende E-Gitarre Kevin Ayers, der hier auf den Bass verzichtet, sein Instrument, das übernimmt stattdessen Mike Oldfield. Genial angeordnet - der junge zum Verlieben ausschauende blonde Engländer aus Canterbury im Strassencafé auf Ibiza....May I? Christa Päffgen - hieß sie....
Der Rest - zwei, drei Songs mit denen sie aus Frankreich zurückkommend ins Studio gehen, einen davon superb ausarbeiten, ihn zu seinem Song machen, die anderen, wie The Oyster and the Flying Fish...sehr nett, sehr Kevin Ayers - entspannt am Strand liegend, träumend Gedanken und ein paar Noten malend. Dazwischen Soundcollagen, sonst nix. Damals dürfen sie das. Das nennt sich 1970 progressiv und wird von Soft Machine definiert. Doch genau genommen ist es schon damals langweilig bis nervend was David Bedford und teilweise auch Lol Coxhill in Anlehnung an Mike Ratledge und Elton Dean da veranstalten - irgendwann aufgefangenen von einer kleinen Calypsomelodie, nicht May I?.
Shooting At The Moon ist seine strittigste Aufnahme, schon damals, auch unter Fans. Er muss liefern, er liefert. Und so klingt's auch. Und dann ist da eben May I? Ein einziger kunstvoler, so großer kleiner Song, der alles bündelt was diesen Kevin Ayers ausmacht: sein Wesen, sein Lebensgefühl, einer Katze gleich, die halbschlafend auf sonnendurchglühtem Stein ihre Lebensenergie aufläd - die Sonne, der Süden, die Wärme, Trägheit bis Faulheit, Entspanntsein, Espresso, Champagner und sie, vor allem sie....
Die wahre Katzennatur - seine LPs kommen und gehen wieder, weil sie teuer werden, kommen abermals und bleiben diesmal, weil sie Liebhaberei und Lebensgefühl sind. Die CDs kommen und dürfen bleiben, weil sie bequem sind und reichlich Bonusmaterial enthalten - wie eben Puis je?, eine französische Single-Version. Robert Christgau wird in den 70ern gefragt, warum er niemals Kevin Ayers rezensiert - ohne Import-LPs sei das nun schwierig antwortet er und ergänzt whateverhebringsillplayit. Yes - zumindest bis zum Sweet Deceiver.
Hast Du May I? Zugang zu Deinem Innersten gewährt, dann weißt Du wie der persönliche Kevin Ayers-Katzen-Himmel aussieht, und das mit den verpassten acht Leben ist nicht mehr ganz so tragisch....