Shooter stellt eine unterhaltsame Variante des klassischen Attentats-Thrillers dar und hätte prima in die Reihe der paranoid-politischen Thriller der Siebziger Jahre gepasst. Mark Wahlberg, der noch von
The Departed einiges an Vorschusslorbeeren mitbringt, passt sich wunderbar in die Rolle von Bob Lee Swagger ein, einem herausragenden Scharfschützen. Swagger hat sich von seiner Tätigkeit als geheimer Auftragsmörder für das Militär zurückgezogen, weil er der Regierung nicht mehr vertraut (als er in seiner abgelegenen Hütte den Fernseher einschaltet, murmelt er: Schauen wir mal, welche Lügen sie uns heute erzählen.). Aber die Regierung braucht ihn, um herauszufinden, wo ein angeblich geplanter Anschlag auf das Leben des Präsidenten stattfinden soll und somit taucht ein zwielichtiger Regierungsagent (Danny Glover) auf, der Swagger darum bittet, seine Fähigkeiten als Scharfschütze einzusetzen, um den Attentäter aufzuspüren. Und dann naja, es ist nicht fair, mehr preiszugeben, denn der Film bietet in Folge doch einige spannende Momente und eine sehr nette Verwechslungsgeschichte. Der Roman des Filmkritikers der Washington Post und Pulitzer-Preis-Gewinners Stephen Hunter verleiht dem Film das logische Rückgrat, selbst wenn sich die Prämisse eher an Verschwörungstheorien orientiert. An Wahlbergs Seite spielt Michael Pena als skeptischer FBI-Agent, Kate Mara als vertrauenswürdige Witwe und Ned Beatty, der in seiner Rolle als übermäßig zynischer Senator an den Film Network erinnert. Zusätzlich zu den gut ausgeführten Actionsequenzen (der vormals unzuverlässige Regisseur Antoine Fuqua schaltet hier einen Gang höher) liefert der Film auch noch ein paar Seitenhiebe gegen die Bush-Regierung. Das hebt Shooter nicht auf die selbe Ebene wie Zeuge einer Verschwörung oder Die Unbestechlichen, aber so erhält der Film zusätzlich zu den herumschwirrenden Kugeln auch noch ein wenig Biss.
--Robert Horton
"Schön, dass es noch so etwas Gutes gibt. Regisseur Antoine Fuqua ("Training Day", Tears of the Sun"), am amerikanischen Boxoffice trotz einiger sehenswerter Actionthriller bekanntermaßen nach wie vor ohne Fortune, konnte leider auch mit "Shooter" keinen richtigen Kino-Hit landen, wenngleich ein finanzielles Debakel immerhin ausblieb. Damit bestätigt er zwar den Trend, dass der Mainstream weiterhin kein Interesse an diesem Genre findet, stellt gleichzeitig aber unter Beweis, dass aufgrund des Verzichts auf einen übermäßigen Gebrauch von CGIs, eine hektische Wackelkamera und flimmernde Schnittstakkatos eine traditionelle, aber nicht altmodische sondern stylische Inszenierung gepflegt werden kann, solange der verantwortliche Filmemacher über ein versiertes Auge für attraktive Action-Choreographien verfügt. Und das besitzt Fuqua bekanntlich.
Mark Wahlberg ("Three Kings", "Four Brothers") schlittert hier als zurückgezogen mit seinem knuddeligen Wauwau in den Bergen lebender, misstrauischer Ex-Sniper versehentlich in eine Regierungsverschwörung, die ihn zunächst als Berater anheuert, aber eigentlich als Sündenbock für ein erfolgreiches Attentat installiert, dann nicht kalt stellen kann und sich prompt einen ganzen Haufen Ärger einfängt, weil sich Bob Lee Swagger nach erfolgreicher Genesung durch die Reihen der Verschwörer schießt, um an die Hintermänner zu gelangen.
Auch wenn der Stoff ziemlich konventionell ohne großartige Überraschungen von Actionszene zu Actionszene rast, dabei von Verfolgungsjagden über Haus-Erstürmungen bis hin zu obligatorischen Sniper-Duellen immerhin jede Menge Kreativität an den Tag legt, kann man ihm einen effektiven Spannungsbogen nicht absprechen.
Mark Wahlberg, der von Jahr zu Jahr besser schauspielert und unbedingt mehr solcher Angebote annehmen sollte, zeigt in seiner bisher besten Hauptrolle, dass er durchaus Talent als Action-Darsteller besitzt, und sich mit viel Körpereinsatz sowie trockenen Onelinern in den brenzligsten Situationen keinesfalls vor den etablierten Darstellern des Genres zu verstecken braucht.
Mit fast zwei Stunden Laufzeit vielleicht etwas zu lang, dafür allerdings von Kameramann Peter Menzies Jr. ("The 13th Warrior", "Four Brothers") extrem schick photographiert, legt "Shooter" viel Wert auf eine ansprechende Optik. So innovationslos das Geschehen daneben auch abläuft, langweilig wird die Hetzjagd nie.
Das liegt vor allem an Improvisations-Künstler Swagger, der eine perfekt abgerichtete Kampfsau darstellt, die ihre Schusswunden im Notfall eben anhand von handelsüblicher Ware aus dem nächstbesten Supermarkt versorgen kann, über ein stattliches Arsenal verfügt und schnell eine ziemlich sympathische Figur abgibt.
Ein prominenter, gut aufgelegter Supportcast (Danny Glover, Michael Peña, Rhona Mitra, Elias Koteas, Kate Mara), ein für dieses Genre unabdingbarer Härtegrad, eine Vielzahl abwechslungsreicher Locations, sowie sehenswerte Pyrotechnik runden "Shooter" letztlich zu einem absolut überzeugenden Actionthriller ab, der in dieser Form lange Zeit ausgestorben schien. Von diesem Kaliber darf in Zukunft gern mehr kommen. Schade, dass die Einspielergebnisse nicht die selbe Sprache sprechen. Da Swagger einer Roman-Reihe entstammt, wäre das Material für eventuelle Fortsetzungen vorhanden...
Fazit:
Herrlich altmodischer Actionthriller, der den altehrwürdigen Regeln des Genres treu bleibt und in seinem modernen Gewand nichtsdestotrotz einen sehr guten Eindruck hinterlässt. Antoine Fuqua inszeniert "Shooter" schön saftig, ziemlich spektakulär und mit einem ideal besetzten Hauptdarsteller, der hier vielleicht eine neue Berufung gefunden hat. Kann man als Fan geradliniger Actionthriller bedenkenlos empfehlen, zumal er sein R-Rating zurecht trägt.
--- André K. (Blade Runner)"