Wir tauschen Funktionsweste und Maschinengewehr gegen Samurairüstung und Schwert: das eigenenständige Addon zum phantastischen Shogun 2 ist da! Können die Verbesserungen überzeugen und taugt der neue Konflikt im 19- Jahrhundert etwas? Wir haben die Nacht durchgearbeitet um dieses Review pünktlich zu präsentieren.
Total War: Shogun 2 -- Fall of the Samurai (FOTS) bringt als eigenständiges Addon das Hauptspiel in das frühe 19. Jahrhundert. Hier zählen nicht nur taktisch raffinierte Schlachten mit Schwert und Pfeil, sondern auch viel viel imposantere Argumentationsverstärker wie Gatling Guns und gepanzerte Torpedobote. Näher an der Gegenwart war ein Spiel der Total War Reihe noch nie. Dazu kommt noch die Möglichkeit einzelne Geschütze selbst zu steuern. Können da die popeligen Samurai hoch zu Ross noch mithalten oder erwartet uns ein Schießbuden Schlachtfest? Da hilft nur eins. Ausprobieren!
Katana gegen Karabiner
Japan, 19. Jahrhundert. Knapp 400 Jahre nach Total War: Shogun 2 steht Japan vor einer Zerreißprobe. Die traditionell konservativen Shogunate gegen die der westlichen Modere offenen Kaisertreuen. Dazwischen mischen auch noch die Amerikaner, Franzosen und Briten mit. Wer The Last Samurai mit Grinsebacke Tom Cruise gesehen hat, wird sich in FOTS direkt wohlfühlen. Die Modernisierungen und Industrialisierung des Westens schwappen auf das noch traditionelle Japan über und führt zu massiven sozialen und wirtschaftlichen Veränderungen. Das nicht jeder der traditionsbewussten Bevölkerung dieser Veränderung jubelnd entgegen fiebert ist kein Geheimnis. Der offene Konflikt ist unvermeidlich.
Die Veränderungen zum Hauptspiel liegen hier nicht nur im Detail und sind an allen Ecken und Enden zu bemerken. Prinzipiell bleibt es zwar dabei, dass die Schlachten in Echtzeit ausgetragen werden und alles weitere über die große Hauptkarte Rundenweise abläuft. Nur beträgt eine Spielrunde nicht mehr ein Viertel Jahr (bzw eine Jahreszeit) sondern zwei Wochen. Dies entschleunigt das Fäden ziehen ausserhalb der Schlacht und verstärkt die Auswirkungen der Jahreszeiten auf die Truppen und die Wirtschaft in den eigenen Herrschaftsgebieten. Sehr gut! So ist im Winter nicht nur der Truppenverschleiß höher sondern auch die wirtschaftlichkeit der Höfe heruntergesetzt. Im Hauptspiel sorgte dies noch für Nahrungsknappheit, dieses Element wurde allerdings komplett gestrichen. Stattdessen generieren die Höfe nun 'Wohlstand' und erhöhen das Städtewachstum. Wer jetzt an Entspannung denkt, irrt sich, denn die Bevölkerung ist nicht leicht bei Laune zu halten. Einfach drauflos forschen, alle gewinnbringenden Gebäude aus dem Boden stampfen und wie eine Dampfwalze durch das Land ziehen führt zwangsläufig zur Niederlage. Denn Forschung und die neuen Gebäudearten bedeuten ein Eingeständnis an die Modernisierung durch den Westen und sorgen für eine unzufriedenen Bevölkerung, auf der anderen Seite bedeuten keine Modernisierungen gleichzeitig empfindliche Nachteile gegenüber den anderen Clans.
Egal für welchen der sechs neuen Clans (drei Kaiser- und drei Shogunatstreue) ihr euch entscheidet, Japans Provinzen wollen nicht nur erobert sondern auch von eurer Gesinnung überzeugt werden. Gelingt dies nicht, so stehen Revolten und Gefechte in den eigenen Reihen an der Tagesordnung, direkt neben den sowie so schon harten Grenzkämpfen. Und auch wer eine perfekte Armee aufgestellt hat und sich durch die Provinzen pflügt wird das Spielziel nur sehr schwer erreichen. Shogun-typisch wollen am Ende der vorgegebenen Frist nicht nur eine bestimmte Anzahl an Provinzen erobert werden, sondern müssen auch vom eigenen Herrscher überzeugt sein. Ohne Diplomatie und Bündnisse ist dies kaum zu erreichen. Dieses Element ist in FOTS noch wichtiger als im Hauptspiel. Dazu bekommen die Sonderfiguren wie die Geisha (kann zB feindliche Truppen für ein paar Runden aufhalten) und der Shinobi (Attentäter, Spion) mehr Gewicht für einen erfolgreichen Schlachtverlauf. Während man in den ersten Spielstunden noch relativ entspannt eine Provinz nach der anderen erobert, so brennt es später im Spiel an allen Ecken und Enden. Wenn dann auch noch ein Verbündeter sein Bündnis bricht, ist der Sake am Dampfen.
An Land stehen dem Spieler nicht nur die altbekannten und abartig mächtigen Katana schwingenden Samurai zur Verfügung, sondern auch Fernkämpfer mit Schusswaffen. Dies bringt eine ziemliche Dynamik in den Kampf, da die Samurai nur schwer gegen die modernen Gewehre und Gatlings ankommen, im Nahkampf aber nach wie vor unschlagbar sind. Damit feindliche Samurai gar nicht erst in eure Nähe kommen, kann man in den brandneuen Ego-Modus wechseln und zB eine Gatling selbst steuern. Klingt nach lässiger Arcade Action? Fehlanzeige, denn in diesem Modus ist die sonst sehr gute Übersicht für die Katz' und man wird nicht selten von raffinierten Flankenangriffen der K.I. überrascht und aufgerieben.
Auch zur See hat sich was getan. Ruderboote mussten modernen Dampfschiffen weichen und bringen direkt ein wenig mehr Tempo in die toll inszenierten Seegefechte. Wer dieses Element stiefmütterlich behandelt hat im späteren Spiel auch das Nachsehen, denn die Schiffe können erstmals auch Schlachten zu Lande unterstützen. Auch, wenn die Zeitspanne von der Zielmarkierung bis zum eigentlichen Beschuss gut und gern ein paar Minuten dauern kann, geht einem das Herz auf, wenn die gegnerischen Truppen wie Spielzeugfiguren über das Schlachtfeld geschleudert werden. Wie sich dies auf die Moral auswirkt muss nicht erst erwähnt werden. Zur See haben die Gefechte deutlich mehr Tempo bekommen, da die Schiffe nicht mehr von der aktuellen Windrichtung beeinflusst werden. Welchem Total War Spieler es hier noch nicht in den Fingern juckt, dem soll gesagt werden: gepanzerte Torpedoboote. Nicht günstig in der Anschaffung, extrem kostspielig im Unterhalt aber ein echter Schiffsrumpf- und Moralknacker.
Fazit
Bildet euch nichts ein, Total War: Shogun 2 -- Fall of the Samurai ist ein komplexer Strategiebrocken und kann sauhart sein. Aber wer sich ein wenig ins Spiel reinfindet, wird mit Tiefgang und fordernden Gegnern und atemberaubender Grafik belohnt. Es gibt keine Missionen nur ein großes Hauptziel (abgesehen von kleineren eingestreuten Aufgaben die Boni bringen), was dem Spielfluss gut tut. So hat man das Gefühl seinen Clan wie ein Daimy' zu führen, inklusive aller Konsequenzen und Querelen in der Familie (Adoptionen, Hochzeiten, Geiselaustausch, usw). Wer das Hauptspiel noch nicht gespielt hat, dem möchte ich direkt FOTS ans Herz legen, denn hier sind sinnvolle Verbesserungen am Gameplay vorgenommen worden, die einen im Hauptspiel stören könnten.
Sobald ich ausreichend viel Zeit mit dem Multiplayer Modus verbracht habe, werde ich diesem noch ein paar Zeilen widmen. Der Ersteindruck ist aber gut bis sehr gut. Man darf gespannt sein!