Timmerbergs "Tiger fressen keine Yogis" hatte ich verrissen, "Shiva Moon" versöhnt mich wieder ein wenig mit ihm - aber auch nur ein wenig. Nach zwei wirklich todkomischen Einleitungskapiteln, die alleine schon die Anschaffung dieses kleinen Buches wert wären, folgt das, was man von Timmerberg kennt: Ein Buch über Timmerberg und seinen besten Kumpel, Timmerbergs Ego.
Auf der einen Seite: Man kann zum Beispiel den Autoverkehr in New Delhi und den Smog so schildern wie Sarah MacDonald in "Wo bitte geht's hier zur Erleuchtung?". Man kann es aber auch so beschreiben wie Timmerberg. Zwischen beiden Ansätzen liegen literarische Welten. Der Mann kann so gut, so geistreich, so anders, so nobelpreisverdächtig schreiben - warum tut er es nicht immer?
Denn auf der anderen Seite: Es geht eigentlich mal wieder nur um ihn. Die Reise entlang des Ganges (zu Recht wurde kritisiert, dass er zwar an der Quelle und der Mündung und zwischendurch noch an zwei, drei Orten war, keineswegs aber den Ganges in Gänze bereist hat, wie es die Buchbeschreibung suggeriert) steht symbolisch für eine Reise in Timmerbergs Kopf. Wir erfahren allerlei Uninteressantes über seine Kiff-Sucht, seine Heimatlosigkeit, seine sexuellen Gewohnheiten - aber wollen wir das lesen?
Ich jedenfalls hatte mir ein wenig mehr Indien und etwas weniger Autobiographie gewünscht. Nichtsdestotrotz eine amüsante und, wenn man dem Autor mit etwas Nachsicht begegnet, auch eine sympathische Lektüre.