Auf der Suche nach einem "etwas anderen" Thriller stieß ich auf diesen Roman. Ich bin begeistert, und das nicht nur, weil ich ein Neuseeland-Fan bin.
Chad Taylor schreibt eine Geschichte, die als Vorlage zu einem David Lynch-Film dienen könnte: Skurrile Figuren, eine düstere, kalte und melancholische Stimmung, und eine abgefahrene Story, die ihresgleichen sucht.
Alles beginnt mit dem Fund einer Brieftasche, die einem Mordopfer gehört. Der Finder heißt Ellerslie Penrose, ist Finanzmakler, und kam ganz zufällig am Schauplatz des Verbrechens vorbei. Penrose, der bis zu diesem Tag ein sinnentleertes Dasein fristete, macht sich mit Hilfe des Inhalts der Brieftasche auf die Suche nach der Identität des Ermordeten. Duch den Versuch, den Hintergrund der Tat herauszufinden, bekommt sein einsames Leben auf einmal wieder Qualität.
Bis an dieser Stelle hört sich das alles nach einem "ganz normalen" Thriller an, doch spätestens als Penrose entdeckt, dass es sich bei dem Täter um einen Mann handeln muss, der eigentlich als Kind ums Leben gekommen ist (und selbst wenn nicht, jetzt über 100 Jahre alt sein müsste), wird die Story äußerst mysteriös.
Zwei Assoziationen kamen mir beim Lesen des Buches in den Sinn: David Lynchs düsterer Thriller "Lost Highway" und der Erzählstil von Paul Auster (etwa in seinem "Buch der Illusionen", ebenfalls sehr lesenswert!).
Hervorzuheben ist Taylors Sprachgewalt - die Art, wie er mit wenigen Worten Bilder im Kopf des Lesers zu erzeugen versteht, eindrücklich und nachhaltig, manchmal sogar philosophisch. Selbst wenn der Autor die Leere im Leben des Mr. Penrose durch die Schilderung alltäglicher Handlungen (etwa dem Aufräumen seines Büros) darstellt, wird dies keineswegs langweilig.
Doch während Lynch seine Zuschauer am Ende von "Lost Highway" mit einem großen Fragezeichen im Gesicht sitzen lässt, ist die Auflösung am Ende von Chad Taylors Geschichte durchwegs zufriedenstellend: Bei genauerer Betrachtung beantwortet sie mehr Fragen, als man auf den ersten Blick zu sehen glaubt.
Definitiv ist dieses Buch Futter für Geist und Phantasie, und zeigt an manchen Stellen einen herrlich schrägen Humor (Ich liebe die Szene mit dem Hotelboy, der Penrose' Wagen auf den Parkplatz fahren soll, oder Penrose' Besuch in einem ziemlich schrägen Bordell).
Wer mal eine "ganz andere" Geschichte lesen will, die zudem auch noch spannend ist, sollte zu diesem Buch greifen. Mir hat es sehr gefallen!