Da ich ein angeborenes Mißtrauen gegen Vielschreiber habe, hatte ich immer Vorbehalte gegen Stephen King. Wer praktisch jedes Jahr ein Buch herausgibt, produziert auch viel Mittelmaß.
Da ich aber Fan der Stanley Kubrik-Verfilmung bin, mußte ich ja doch irgendwann zu diesem Buch greifen. Dabei mußte ich überrascht feststellen, daß Stanley Kubrik von diesem Buch nicht viel übriggelassen hatte. Dies erklärt auch, warum King von der Verfilmung nicht sehr angetan war. Denn der gesamte sozialkritische Hintergrund des Buches wurde im Film vollends weggelassen.
Dabei ist dies gerade das Entscheidende am Buch:
Es ist bei genauem Betrachten ein fast schon soziologischer Abriß einer amerikanischen Durchschnittsfamilie. Einer Familie, wo der der Vater ein notorischer zu Gewalttätigkeiten neigender Trinker ist und die Familie sich stets um die wirtschaftliche Existenz sorgen muß.
Eigentlich ist SHINING eher ein Familiendrama und die Horrorelemente treten dabei fast in den Hintergrund. Das Hotel wiederum kehrt schließlich die ganzen inneren Dämonen der Familie nach außen. Die fortwährend unterdrückten Aggressionen der Familienmitglieder kommen hier zum Ausbruch, so daß das Hotel mehr ein Spiegel der häßlichen Seiten der Familie ist. Dadurch wird das Buch zu einem Kommentar zu den soziokulturellen Defekten der amerikanischen Familie.
Da dieses Hotel außerdem in seiner Geschichte seit Bestehen von Politikern, Wirtschaftsmagnaten und auch Gangsterbossen aufgesucht wurde und dabei ständig Bluttaten begangen wurden, kann man das Overlook-Hotel fast schon als Metapher für die dunkle Seite der USA betrachten.
Aus diesem Grund ist dieses Buch auch und gerade für Leute zu empfehlen, die ansonsten keinen Horror mögen. Und da das Buch außerdem gut geschrieben ist, ist es auch ein Beleg dafür, daß Stephen King in der Tat zu den großen Schriftstellern gehört, der sich auch mit den Größten der US-amerikanischen Literatur messen lassen kann.