Dies vorweg geschickt: Seit ich seinerzeit "Everything for free" von Sarah Bettens' alter Band K's choice gehört habe, bin ich dieser Stimme verfallen. Nach dem vorläufigen Split besagter Formation war mir also jeder Ersatz recht, in dem dieser wohl vertraute Sound irgendwo auftauchte. So geschehen in Sarahs erstem Solo-Album "Scream", dass mit einigem Punktabzug doch über weite Strecken zu überzeugen wusste. Mit hohen Erwartungen harrte ich deshalb auf Ihr neustes Werk.
Tja, was soll ich sagen? "Desillusioniert" gibt meinen Eindruck auch nach zig-fachem Hören wohl am besten wieder. Nach verheißungsvollem Anfang mit: "I can't get out" und dem Rock-Hammer "Put it out for good" versumpft das Ganze musikalisch dermaßen in Belanglosigkeit, dass ich mich Frage, ob Frau Bettens nicht doch lieber öfter die Hilfe eines Co-Writers in Anspruch hätte nehmen sollen? Da kann man wohlwollend von Nähe zum Folk, oder klassischem Singer-Songwriter Liedgut sprechen, unterm Strich bleibt für mich aber oftmals nicht viel mehr übrig, als eine spannungsarme, dahinplätschernden Melodie, in der auch Sarah's nach wie vor unnachahmliche Stimme nichts mehr retten kann.
Nur hin und wieder blitzt etwas vom Zauber alter Zeiten auf, beispielsweise im genialen "Daddy's gun", bei dem man bis zuletzt vergeblich auf den erlösenden Ausbruch der Instrumente wartet, oder dem emo-philen "Coasting speed".
Alles in allem kann shine" für mich aber bei weitem nicht an das Niveau vergangener Alben von K's choice anknüpfen. Und so bleibt die Hoffnung, dass sich das Geschwisterpaar Bettens demnächst wieder finden und gemeinsam neues Material aufnehmen wird. Damit wäre neben meinem persönlichen Wohlbefinden auch das Problem des zweiten Songwriters für Sarah Bettens geklärt. Bis dahin wird die Skip-Taste meines CD-Players den ein oder anderen Titel von shine" einfach charmant überspringen.