Wer immer schon wissen wollte, was denn das Besondere an dem Produzenten und Atmosphärenmacher und Komponisten und Gitarristen und Sängers Daniel Lanois ist, der Klassikern wie "So" von Peter Gabriel, "The Joshua Tree"! von U2 oder "Time Out Of Mind" von Bob Dylan seinen Stempel aufgedrückt hat, der kriegt hier die Essenzen seiner Kunst serviert: 13 Songs und Soundtücke, jedes einzelne erforscht ein anderes klangliches Feld, auch wenn die pedal steel-Gitarre in vielen Schattierungen und meditativen Klangbildern auftaucht.Hinreissende Ohrwurm-Songs stehen neben psychedelischen Schnappschüssen, altamerikanische Klangtraditionen wie Blues, Rock, Folk werden absorbiert und zu einem Lieder- und Soundreigen verknüpft, der gleichzeitig mitreissend ist, archaisch und in doch seiner introvertierten Grundstimmung alle doppelten Böden und Unterströmungen erst mit der Zeit (oder vielleicht nie) preisgibt. "Shine" ist ein Glücksfall, weil diese Musik spirituelle Tiefe mit seltsamen Schwebzuständen verknüpft, weil man sie beim Autofahren und im Hintergrund genauso genießen kann wie bei Kerzenlicht und allen anderen handelsüblichen Klischees für "blaue Stunden". Hier macht das Wort "Meisterwerk" Sinn, und es wird viele Menchen dazu bringen, seine ersten beiden, genauso faszinierenden Soloalben "Acadie" (1989) und "For The Beauty Of Wynona" (1993)kennenzulernen. Musik, die mich trotz all dieser schnell hingeschriebenen Worte beim Hören ganz und gar sprachlos macht. Und tief berührt. Gerne weise ich auch auf seine Klangregie bei Emmylou Harris'"Wrecking Ball" und Willie Nelsons "Teatro" hin, hochintensiver Stoff jenseits aller Nashville-Country-Stereotypen! Und eine Warnung dann doch am Schluss: geringste Seelenverandtschaften zum Künstler vorausgesetzt, könnten Sie, einmal in dieser Musik angekommen, Mann und Kind und Hund und Job und die Zeit überhaupt vergessen!