Persefone sind außergewöhnlich. In jeder Hinsicht. Nicht nur, dass der Sechser aus Andorra die zweifelhafte Ehre hat, die wahrscheinlich einzige Metal-Band auf diesem kleinen Fleckchen Erde zwischen Spanien und Frankreich zu sein – auch musikalisch ist Persefone seit ihrem Debüt -Truth Inside The Shades- für eine besonders extravagante Art des Melo-Death's berühmt berüchtigt. Leider nur einem relativ kleinen Personenkreis. Denn, obwohl sowohl das Debüt, als auch der Nachfolger -Core- Höchstwertungen in Fachkreisen abstaubten, hat sich die Welt des Musikbusiness bisher recht erfolgreich um Persefone gedrückt. Wer weiß, wofür das noch gut sein wird – Der musikalischen Qualität von Album Nummer Drei -Shin Ken- hat es auf jeden Fall keinen Abbruch getan!
In Japan haben Persefone seit eh und je einen Stein im Brett. So hat man in Asien recht früh Geschmack bewiesen und das damals noch junge Quartett ab dem ersten Album labeltechnisch beheimatet. Dafür bedanken sich die Andorraner auf ihre Art und Weise und widmen -Shin Ken- (Das wahre Schwert) ausschließlich japanischer Kriegsgeschichte. Dieser Fokus erschöpft sich allerdings nicht nur in den interessanten englischen Texten, sondern auch musikalisch präsentiert sich -Shin Ken- - soweit wie für ein Melodic Death Album möglich - asiatisch angehaucht. Asiatische Folklore-Einsprengsel gehören zu diesem Programm ebenso wie musikalische Overtüren in Form der -Book--Reihe mit japanischen Gastsängerinnen. Diese, oft um die zwei Minuten kurzen, Zwischenspiele in traditioneller Art geben dem Hörer Zeit das vorher Gehörte zu verdauen, leiten gleichzeitig grazil zum nächsten Schlag über und lassen -Shin Ken- so unglaublich homogen erscheinen. Das mag an und für sich nicht spektakulär klingen, im Kontext der progressiv verschachtelten Grundstruktur der einzelnen Nummern, mutet es allerdings wie ein absoluter Genie-Streich an. Im Gegensatz zu vielen anderen jüngeren Sprößlingen der Melo-Death Szene gehen Persefone vollkommen eigene Wege und lassen nur in Puncto Komplexität, Stimmungsdichte und Perfektion Assoziationen zu OPETH zu. Im Gegensatz zu den Großmeistern der Szene ist von nordisch-trüber Melancholie auf Krachern wie -The endless path- herzlich wenig zu spüren. Stattdessen lebt -Shin Ken- von seiner unbändigen Lebendigkeit, die sich vor allem in furiosen Gitarrenläufen äußert. Unterstrichen von symphonischen Elementen und katalysiert zu mitreißenden Höhepunkten verlieren sich Persefone trotzdem nie in diesem Facettenreichtum, sondern agieren stets nachvollziehbar. Dabei spielen die Vocals eine tragende Rolle. Mal geflüstert, dann wieder fauchend aggressiv oder klar gesungen wechselt Marc Pia oftmals sein Gesicht und symbolisiert so die packende Vielfalt dieses Werkes. Sogar kleine Unsauberkeiten, wie sie bei der Ballade -Purity- zu Tage kommen, wirken in diesem Kontext nachrangig und saugen sich wie ein charmanter Schönheitsmakel in der Erinnerung fest.
Davon abgesehen fällt es wirklich schwer, überhaupt Makel auf diesem Glanzstück zu erkennen. Irgendwo zwischen Symphonic, Progressive und Melodic Death Metal brillieren Persefone in jeder Hinsicht – setzen neue Maßstäbe in Puncto Vielfalt und technischer Perfektion und schaffen gleichzeitig durch den asiatischen Fokus eine wohltuende Alternative zu den typischen Schlachtfeldern metallischer Klänge. Ein Album zum Verlieben!
9 von 10; Torben Knöpfler; Metalearth.de
Um es gleich vorwegzunehmen: Der Albumtitel ist im deutschsprachigen Raum unfreiwillig komisch. Doch die Musik ist das bei Weitem nicht - die ist gewollt genial! Die Gestaltung des Albums ist dem Thema entsprechend ausgefallen: Helle Pastelltöne und asiatische Schriftzeichen dominieren das Bild. Nun gut, das hätte vielleicht nicht sein müssen, aber das ist dann auch schon der einzige Kritikpunkt...
So wie die Andorraner ihren Death Metal zubereiten, so mag ich ihn - progressiv! Ich gebe zu, dass ich mit Todesblei der Marke Cannibal Corpse oft recht wenig anfangen kann. Die komplexen Rhythmen und abwechslungsreichen Riffs haben es mir da eher angetan. Dazu gesellt sich bei den Andorranern auch ein klarer Gesang, der mir aus zwei Gründen gut gefällt:
1. Er kommt nicht inflationär zum Einsatz.
2. Er wirkt nicht wie bei einem liebeskummerndem Jugendlichen.
Ebenso dürfen die Keyboards auf keinen Fall unter den Tisch fallen. Diesen kommt nämlich eine sehr wichtige Rolle zu - sie sorgen in einigen Titeln für die nötige Asienstimmung (im positiven Sinne, es ist nicht kitschig), zum Beispiel im letzten Drittel von -Death Before Dishonour-. Das ist aber nicht alles, manchmal fühlte ich beim Hören an die Tastenkünste der mächtigen Dream Theater erinnert - Hut ab!
Was bleibt zu sagen? Wer auf progressiven (Death) Metal steht und die Platte unbeachtet lässt, ist selber Schuld!
12 von 13; Bombenhagel; Schwermetall.ch
Im weltweiten Streben dem melodischen Death Metal neue Ideen, neue Facetten einzuhauchen gehen manche Bands auf reichlich obskure Art und Weise an. Auch die aus Andorra stammenden PERSEFONE geben sich mit profanem Dahingeshreddere nicht zufrieden, die Kleinststaatler setzten auf ein durchdachtes Konzept und öffnen somit ihre Variante des Melo Death Metal für zig andere, weitläufig ausgelebte Klanginspirationen.
Die entfernen sich bei Zeiten zwar um Lichtjahre vom Grundthema, positionieren PERSEFONE aber als irgendwie einzigartige, wenngleich auch nicht wirklich leicht zu konsumierende Vertreter ihrer Zunft. Symphonische Elemente gehen mit der Progressivität Hand in Hand, asiatische Einflüsse paaren sich mit Keyboard bzw. Pianoparts, Sänger Marc Martins Pia hat vom fiesen Growl bis zum lieblich bezirzenden Klargesang jede Facette intus und die Instrumentalfraktion agiert auf einem atemberaubend hohem technischen Level. Klingt vertrackt? Ist es bei Zeiten auch. Zu vertrackt? Mitnichten. Die Andorraner verstehen es bei aller Verspieltheit, bei aller akribischen Liebe zum Detail so was wie einen roten Faden einzuweben, das Besinnen auf die Einfachheit in all dieser diffizilen Geschlossenheit fördert sogar ein paar (wenige) kaum mehr loszuwerdende Ohrwurmparts zu Tage. Zwischen all diesem parken mit der vierteiligen -Book- Reihe (Water, Wind, Fire, Void) instrumental gehaltene Zwischenstücke, die zwar den flow des Albums ein wenig brechen, die Musikalität dieser Truppe jedoch mehr als eindrucksvoll unterstreichen.
PERSEFONE sind mitnichten zum Nebenbeihören geeignet, die sechs Herren aus dem Zwergenstaat, die übrigens in Japan ein ungleich höheres Standing haben als in Europa, präsentieren aber bei näherer und hauptsächlich gründlicher Betrachtung ein melodisches Death Metal Album, welches ob seines Variantenreichtums auch zig Hörer fern ab des Death Genres ansprechen könnte bzw. sollte. Zum leichten Einarbeiten sei an dieser Stelle das fantastsiche -Purity- erwähnt, welches nicht selten an todtraurige, nachdenkliche OPETH erinnert!
4 von 5; Reini; Stormbringer.at