Manchmal steht in einem Buch nichts, was wirklich neu oder originell oder revolutionär wäre, und nichts , was nicht schon irgendwer irgendwo gesagt hätte, und doch ist es ein großes Buch. So dieses.
Die Beschreibung der Zustände auf unserer Erde (Shikasta - "Zerstörte" / vormals Rohanda - "Blühende") durch die vorgeblich objektiven außerirdischen Augen des Gesandten Johor läßt wenig Gutes an der Menschheit, die durch die Jahrhunderte wenig an ihrem grausamen, blutrünstigen, dummen Verhalten ändert; Das Ganze wird durch den Kniff noch betont, daß der Gesandte immer wieder betont, die Menschheit könne ja nichts dafür (eine Art kosmische Disharmonie hat den Planeten unweigerlich ins Verderben gestürzt) - Johors Mitgefühl mit Tätern wie Opfern läßt die Menschheit im Kontrast nur um so armseliger dastehen.
Wie gesagt, ich habe in dem Buch nichts oder wenig gefunden, was man nicht schon gewußt oder gehört hätte. Es gibt wenig, woran man sich erfreuen könnte, kaum Humor, die Lessing bietet auch keine Erholung in Nebenhandlungen oder sonstigen Ablenkungen. Die fünf Sterne gebe ich trotzdem, und zwar für die gewaltige Kraft, mit der die Lessing all diese Bitterkeit wie mit einem Vorschlaghammer in den Leser hämmert. Ich war wirklich betroffen, so, wie man beim Tod eines Angehörigen betroffen ist, auch wenn man schon vorher wußte, daß Menschen sterben können.
Ich weiß nicht, ob das ein Buch zum Wiederlesen ist (ich habe es nie wieder angerührt), aber einmal sollte man es über sich ergehen lassen.