The Fall - die Band, die jeder kennt bzw. kennen sollte.
Dieses Album ist wohl das poppigste was Mastermind Mark E. Smith aus Manchester (England) je produzieren ließ. Es entstand in der Zeit, als "Britpop" langsam aber sicher langweilig wurde.
Auf "Shift-Work" gibt es viel leichtverdauliche Kost - wenn man mal von der sicherlich schrägen Stimme Smith's absieht.
Aber gerade in dem Song "Book Of Lies" kommt diese so herrlich komisch zur Geltung, daß es einfach nur eine Freude ist ihr zu zuhören.
Man ertappt sich dabei, den Refrain jedesmal noch schräger mitsingen zu wollen.
Dem Opener "So What About It?" fehlt es sicherlich etwas an Pfeffer, der aber im darauffolgendem Song "Idiot Joy Showland" gleich doppelt verteilt wird. Dieses Lied ist wohl ein kleiner Seitenhieb an all die peinlichen Popstars im Showbiz. Das Mr. Smith von solchen Individuen und deren dahinter agierenden Marktmechanismen noch nie wirklich angetan war, beweist er hier mit zynischer Zunge. Überhaupt gifted er in fast jedem Song gegen jede Norm. Das kann er sich auch bis heute ohne groß Haue zu bekommen erlauben. Hat er doch schon jeden musikalischen Stil ausprobiert - Jahre bevor ein solcher wie z. B. Techno-Rock salonfähig wurde.
"Edinburgh Man" ist eine musikalische Liebeserklärung an selbige schottische Stadt. Die Songatmosphere ist an Melancholie nicht zu überbieten. Man merkt auch sofort, wie sehr der Sänger seine Zeit genossen haben muss, als er dort für ein paar Monate zum "Kopf frei bekommen" verweilte.
Der Titelsong "Shift-Work" behandelt das Thema Schichtarbeit in einer Beziehung. Untermalt wird das ganze mit einem hypnotischem Track, der gegen Ende fast schwindelig macht.
In "You Haven't Found It Yet" eröffnet sich dem Zuhörer wieder diese typisch englische Melancholie (erzeugt mit einem genialem Gitarrenspiel und einer Story über die Sinnlosigkeit nach irgendwas bestimmtem im Leben zu suchen).
Das persönliche Highlight für mich ist der Dancesong "The Mixer", welcher mit einer einfachen Keyboard-Melodie, einer einfachen Beat- und Bassstruktur sowie einer heulenden Geige aufwartet. An Coolness und textlicher Aussage überzeugt auch "A Lot Of Wind". Im 2/4-Takt schlägt die Snare, der Bass ist schnippig, die Geige jault nun fast und Mark E. Smith grummelt und nölt über die TV-Landschaft und all ihren seelischen Abgründen.
Für Einsteiger, die Lust auf die "wundervolle und unheimliche Welt" von The Fall haben, ist dieses Album mit Sicherheit ein guter und einfacher Anfang. Dem Interessenten sei aber gesagt: "Lass Dich nicht von der Stimme und der ab und zu auftretenden Geige abschrecken!"