Mit ihrem Erstlingswerk hat die Autorin Jessica James nicht nur einen beglückwünschenswerten Beitrag zu den klassischen Fernsehserien der 1960er Jahre, die sich auch heute noch (und wieder) großer Beliebtheit bei Fans sowohl in Deutschland als auch international erfreuen, geleistet - nein, es ist ihr auch das noch bedeutendere Kunststück gelungen, ein Literatur-Genre zum Leben zu erwecken, das in den 1970er Jahren vom deutschen Buchmarkt verschwand und - bis auf einige verunglückte Beiträge eines rheinischen Verlages, zeitgenössische Science-Fiction-und Mystery-Serien literarisch an den Leser zu bringen - auch verschwunden blieb. Dies ändert sich dank des bemerkenswerten Buchprojektes von Jessica James nun.
In den 1960er Jahren erfreute sich die amerikanische Westernserie "Am Fuß der Blauen Berge" in Deutschland großer Beliebtheit, was dazu führte, dass nach den sonntäglichen Ausstrahlungen der spannenden Fernsehabenteuer eine kleine Anzahl Fernsehbücher für junge Leser zur Serie aufgelegt wurden. "Die Freunde von der Sherman Ranch" und "Postkutsche überfällig" waren die Titel der aus dem Amerikanischen übersetzten Fernsehromane und boten ebenso fesselndes Lesevergnügen wie die Serie Fernsehvergnügen geboten hatte. Robert Fuller, Darsteller des Revolvermannes und Satteltramps "Jess Harper", avancierte in Deutschland (und Japan, wo er es heute noch ist) zum Frauenschwarm, und auch sein Partner John Smith, der den Betreiber der Postkutschenstation "Sherman Ranch" in Laramie, Wyoming, spielt und in der Serie "Slim Sherman" heißt, erfreute sich großer Beliebtheit. Kaum ein Kind, kaum ein Erwachsener, der zu jener Zeit nicht gewusst hätte, wer "Slim und Jess" sind...
Nun knüft Jessica James an die legendäre und für viele Fernsehnostalgiker bis heute "beste" Westernserie der 60er Jahre an - aber nicht etwa mit Übersetzungen amerikanischer Vorlagen, sondern mit brandneuen, nie verfilmten Abenteuern, die sie in einem dramatischen Zyklus rund um die "Freunde von der Sherman Ranch" verarbeitet und erzählt. Erstmals sind es nicht die atemberaubenden Schießereien und Prügeleien, die Kämpfe gegen Indianer oder Banditen, die im Mittelpunkt der Geschichte stehen - Jessica James konzentriert sich vielmehr auf das Leben der beiden Protagonisten, und vor allem auf ihr Gefühlsleben. Slim und Jess dürfen, ja SOLLEN sich verlieben. Atemberaubend schöne und charismatische Frauen kreuzen ihren Weg und verdrehen den beiden so ungleichen Freunden ordentlich den Kopf. Natürlich geht das auch nicht ohne die üblichen Auseinandersetzungen ab, die es im Westerngenre gibt und die der Leser erwartet, doch starke Gefühle und ebenso starke Charaktere stehen im Vordergrund. Die Autorin findet dabei noch Zeit, ihre eigene Leidenschaft für Pferde in der Geschichte eindrucksvoll zu verarbeiten. Das Buch endet zwar als "Teil 1", ist aber dennoch in sich abgeschlossen, man darf aber trotzdem hoffen, in naher Zukunft weitere spannende und gefühlvolle Abenteuer "Am Fuß der Blauen Berge" erleben zu können. Ganz nebenbei passt das Buch natürlich hervorragend zu der amerikanischen Komplettveröffentlichung und der deutschen Veröffentlichung dieses Fernsehserienklassikers auf DVD (was sicherlich so nicht von der Autorin beabsichtigt war).
Auch wenn ein hartgesottener Westernfan, der eher auf heiße Colts in harten Fäusten steht, mit diesem Buch nicht unbedingt den typischen Westernroman in Händen halten wird, dürften sich vor allem jugendliche und weibliche Leser über den erfrischend modernen und einfühlsamen Erzählstil der Autorin und eine Geschichte freuen, die das Herz von PferdeliebhaberInnen und Fernsehnostalgikern gleichermaßen höher schlagen lässt.
Für zwei Dinge gebührt der Autorin Jessica James großer Dank und Respekt - zum einen, dass sie mit ihrer Geschichte die Erinnerung an eine der besten amerikanischen Serienproduktionen der 1960er Jahre aufrecht erhält, zum anderen, dass sie das deutsche Fernseh-Buch im neuen Jahrtausend wieder zu neuen Ehren kommen lässt. Allein schon deshalb und als Genrebeitrag ist dieses Buch deshalb unverzichtbar.