Spätestens mit der Lektüre des unlängst erschienenen dritten Sherlock-Holmes-Krimis von Franziska Franke beginnt man den Buchhändler Tristram so richtig ins Herz zu schließen. Obwohl ursprünglich als ausländischer" Watson-Ersatz ins Spiel gebracht, führt Tristram als notwendiger Dialogpartner von Sherlock Holmes immer stärker ein Eigenleben, das er seiner liebevollen Charakterisierung verdankt wie auch seinen nur zur sehr nachvollziehbaren Schwächen. Diese bestehen nicht zuletzt im oftmals vollständig fehlenden Verständnis für Holmes Eskapaden wie Schlussfolgerungen, denn Holmes spielt natürlich wieder virtuos auf der Klaviatur seiner ermittlerischen Fähigkeiten.
Diesmal finden wir Holmes zuerst in Südfrankreich, dann in Paris, wo es gilt einen ebenso kniffligen wie gefährlichen Fall zu lösen und einen Dieb und Mörder zu entlarven. Wie das geschieht und wie bis zum Ende der Leser und eben auch Tristram im Dunkeln tappen und mit der überraschenden Lösung konfrontiert werden, das schildert die Autorin nicht nur in selbstverständlicher Folgerichtigkeit, sondern vor allem auch in wieder gewohnt spannungsreicher Manier. Ansatzpunkt der Geschichte ist die bereits von Doyle selbst dargelegte französische Herkunft von Holmes mütterlicherseits.
Wie es die Geschichte will, werden historische und kriminalistische Erzählstränge auf souveräne und lehrreiche Weise verknotet, entwirrt und zusammengeführt. Man erfährt auch manch interessantes, ja sogar staunenswertes Detail zu bekannten, aber auch weniger bekannten Attraktionen von Paris. Dies geschieht ganz nebenher, so dass der Leser es für den Fortgang der Geschichte ganz natürlich findet.
Es ist der vielleicht spannendste, konsequenteste der bisherigen Holmes-Romane der Autorin, wie stets auch humorvoll in den Schilderungen und Charakterisierungen, vergnüglich und unbedingt lesenswert und daher einem weiten Leserkreis nur zu empfehlen. Es wäre schön, wenn uns Franziska Franke mit weiteren Abenteuern" von Holmes und Tristam beglücken würde, egal wo sie das detektivische Paar agieren lässt, meinetwegen auch in Indien (hat es Holmes nicht irgendwann auch schon mal dorthin verschlagen!?).