Was für eine Filmmusik!
Da kennt man Hans Zimmer überwiegend als Komponisten von Scores für Riesenorchester und Synthesizer-Armeen, mit meist opulent epischen Themen, die an schwerwiegender Dramatik sich gegenseitig zu überbieten scheinen, und dann so eine Filmmusik!
Zugegeben, der Film "Sherlock Holmes" bietet ein wahrlich optimales Fundament für so eine auf den ersten Blick ungewöhnliche Mischung aus Kurt Weill, irischer Folklore und zimmerschem Orchester- und Elektro-Metal. Dennoch muss man als Komponist die nötige Veranlagung besitzen, genau diese Möglichkeit zu erkennen und in Musik auszudrücken. Hans Zimmer hat das definitiv geschafft.
Ganz ehrlich: als ich den Trailer zu "Sherlock Holmes" gesehen habe und erfuhr, dass Hans Zimmer für die Musik zuständig ist, erwartete ich ein Score-Gerumpel wie zu "The Dark Knight", das mit größtenteils schroffen Begleitostinati die vielen Actionszenen untermalt.
Und dann höre ich ein relativ kleines Orchester, das eine seltsame Gruppe von Soloinstrumenten, wie zum Beispiel Zither, Akkordeon, Elektro-Violine und absichtlich verstimmtes Klavier (!), begleitet, mit einem Thema, das seit Da Vinci Code meiner Meinung nach zum ersten Mal wieder als ein wirklich neues, bedeutungsvolles Thema aus der Feder von Hans Zimmer gewertet wird, von allen Seiten. Noch bewundernswerter finde ich die Tatsache, dass Zimmer es schafft, dieses Thema in jeder Art von Stimmung zu verarbeiten.
Rundum ist hier ein Score entstanden, der witzig und überaus spannend zugleich ist, selbst im vorletzten 18-minütigen (!) Track kommt zu keiner Zeit das Gefühl von Langeweile und Bedeutungslosigkeit auf. Das Stück "Discombobulate" jedenfalls wird, glaube ich, noch sehr oft zu hören sein...
Meiner Meinung nach handelt es sich bei dieser CD um Filmmusik, die so noch nie zu hören war, weshalb dieser Score für mich ganz klar der würdigste Oscra-Gewinner 2010 gewesen wäre (abgesehen davon, dass ich das bei den meisten Zimmer-Scores sagen würde). Andere Großmusiken zu Blockbuster-Monster-Effekt-Projekten waren jedenfalls wesentlich weniger innoativ und wurden eh schon 1998 für den Stil mit einem Oscar bedacht...
Michael Giaccino hat den Oscar selbstredend verdient, allein schon wegen seiner jahrelangen qualitativ hochwertigen Konstanz in seinem Schaffen.
Aber über den zweiten Oscar für Hans Zimmer, vor allem für diese Arbeit, hätte ich mich genauso gefreut ;-)