Mein Lieblingsspruch lautet: „Ich wollte, es wäre 1895 und Sherlock Holmes". Soll heißen, ich bin ein absoluter Sherlock-Holmes-Fan. Alles, was ich mache und kann, habe ich von Sherlock Holmes gelernt, und ich kenne unzählige nicht von Conan Doyle stammende Holmes-Romane und -Erzählungen. Wenige haben mich so beeindruckt wie „Die einzigartigen Verhaltensmuster der Wespen". Der NASA-Wissenschaftler Geoffrey Landis wandelt darin auf den Spuren von Ellery Queen und Michael Dibdin. Queen ließ Holmes gegen Jack the Ripper antreten (verfilmt als „A Study in Terror" mit John Neville), bei Dibdin war Holmes der Ripper selbst. Landis kombiniert beides: Holmes ist zwar Jack the Ripper, aber kein irrer Serienmörder, sondern der Retter der Welt. Wovor? Ich will nicht zuviel verraten und sage nur: „Invasion of the Body Snatchers". So hieß ein SciFi-B-Film der 1950-er Jahre, und Thema und Geist dieses Film und ähnlicher Filme greift die Story auf. Das einzige, was mich nicht befriedigt hat, ist die offen bleibende Frage, wo zum Teufel das Raumschiff abgeblieben ist.
Die vier anderen Stories sind eher durchschnittlich. In „Holmes und der Kannibale" bekommt es Holmes wie in Christopher Columbus' Film „Young Sherlock Holmes" mit einer fiesen Sekte zu tun (wieder einmal!), „Mycrofts großes Spiel" erzählt (wieder einmal!) das Ende von Professor Moriarty neu und rückt Holmes' clevereren älteren Bruder, den Geheimdienstchef des Empire, in ein höchst düsteres Licht. „Der Addleton-Fluch" bildete in anderer Übersetzung 2003 schon einmal die Titelgeschichte einer Bastei-Lübbe-Anthologie, und „Das späte Geständnis im Mordfall Mary Watson" (der einzige Beitrag eines Deutschen) leuchtet Watsons Privatleben ein wenig genauer aus. Die geniale Wespengeschichte aber ist ein absolutes Muss für alle Fans!