Ich verehre Jeremy Brett, habe ein Autogramm von ihm, Bücher über "seine" Serie, die Filmmusik u.a., doch, das muss klar gesagt sein, die längeren Filme sind in Abstufungen zwischen "gut" und "iditotisch" anzusiedeln. Ein "sehr gut" gab es leider nicht. Das lag weniger an Brett: Für den "Hund von Baskerville" z.B. gab es zu wenig Geld. Eine ganze Verfolgungsjagd-Szene durch Londons Straßen wurde beispielsweise zu einer Jagd in einem Treppenhaus und der Hund sieht ähnlich schrecklich aus, wie der Hund aus der Nachbarschaft.
Das Zeichen der Vier ist hier viel oppulenter. Das die Sholto - Brüder mit ihren roten, langen Haaren und Glatzen wie Clowns aussehen ist schade. Aber sonst ... gelungen!
Das die Romane von Arthur Conan Doyle, "Der Hund von Baskerville" und "Das Zeichen der Vier" in Form von langen Filmen verfilmt wurden, war an sich verständlich und an sich auch schön.
Dann wurde es peinlich. Man versuchte KURZgeschichten in LANGE Filme zu packen, teils mit aller Gewalt. Und das ausgerechnet in der Serie, die sich das Ziel gesetzt hatte, sich so nahe an den Originalen von Conan Doyle auszurichten wie keine andere Serie zuvor!
Der "Vampir", nachempfunden nach dem "Vampir von Sussex" ist schon gefährlich surreal. Das Brett damals schon sehr krank war (eine Folge eines falsch verschriebenen Medikaments bei einem schwachen Herzen...) ist zu entschuldigen. Er selbst hat sich mehrmals bei seinem Publikum dafür entschuldigt, dass er nicht mehr so viel Leistung bringt. Der Mann hatte Größe! Aber dass das Drehbuch diesen Holmes beinahe vom Pfad der Vernunft in RIchtung Aberglaube weichen lässt und das diese Story so ... irgendwie peinlich wurde, ist sehr schade.
Mit dem "Erpresser von London" (Milverton, hervorragend von "Doktor und das liebe Vieh"-"Arzt" Robert Hardy gespielt) gelang ein ganz ansehnlicher Film, denn die Vorlage war auch nur eine Short Story, wie schon beim "Vampir". Über den Kuss... ich verrate nicht mehr ... kann man sich streiten.
Dafür ist der "Junggeselle" wahrlich der Tiefpunkt von Jeremy Brett als Sherlock Holmes. Ein Holmes, der, statt sich an klare Fakten zu halten, danach richtet, wovon er träumt! Ein Holmes, der - ich meine sogar weinend? - im Schlafrock im Regen vor der Bakerstreetwohnung auf der Straße sitzt! MIr kam unweigerlich in den Sinn, dass jemand die Serie mit Absicht schädigen wollt als dieser Unsinn gedreht wurde. Brett war das im Nachhinein auch peinlich, wie dem bekannten JB-Holmes-Buch "Bending the willow" zu entnehmen ist.
Es ist also ein kuriose, durchwachsene Sammlung. Von dem insgesamt gut gelungenen "Zeichen der Vier" über die low-budget-Produktion "Der Hund von Baskerville" über den weniger originalen, dennoch unterhaltsamen "Erpresser von London" bis hin zu den beiden Filmen, die vom Markt verschwinden sollten, um wenigstens als Sammlerobjekt einen Wert zu bekommen...
Übrigens bin ich kein VINE - Produkttester mehr ;)