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15 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Holmes sweet Holmes..., 28. November 2011
...oder: Genie und Unsinn Lord Blackwood (Mark Strong) ist ein unehelicher Spross eines angesehenen Mitglieds des britischen Oberhauses und ein sinistrer Schurke der, offenbar mit paranormalen Fähigkeiten ausgestattet, danach trachtet die Herrschaft an sich zu reißen und den Commonwealth in "his personal wealth" umzuwandeln. Doch da kommen ihm, gleich zu Beginn des Films, Meisterdetektiv Sherlock Holmes (Robert Downey jr.) und dessen treuer Freund und Kampfgefährte Dr. Watson (Jude Law) in die Quere. Der Schurke kommt an den Galgen, doch seine zuvor ausgesprochene, düstere Prophezeiung scheint sich zu bewahrheiten: Blackwood ist larger than life und sein Tod erst der Anfang. Doch das ist nicht der einzige verzwickte Fall mit dem sich die berühmte Spürnase herumschlagen muss. Denn Watson hat die Frau fürs Leben gefunden und droht die Baker Street zu verlassen. Und als wäre das noch nicht genug taucht auch noch Holmes feuchtester Albtraum, Irene Adler, auf... Haben wir uns so Arthur Conan Doyles berühmten Meisterdetektiv vorgestellt? Ich denke nicht. Aber, hey, dieser Film ist von Guy Ritchie. Von jemandem der Brad Pitt in einen schmierigen, nuschelnden "Zigeuner" verwandelt und verrückt genug ist Madonna zu heiraten kann man wohl kaum erwarten, dass er uns einen handelsüblichen Meisterdetektiv vorsetzt. Lange bevor ich die ersten Holmes-Romane und -Erzählungen las hatte ich schon einige der Verfilmungen mit Basil Rathbone in der Rolle des Meisterdetektivs gesehen, dessen Holmes ein ernster, disziplinierter, kultivierter und geradezu asketischer Mann war und mein Bild des genialen Schnüfflers nachhaltig prägte. Downey jr. spielt ihn hingegen als spleenigen, etwas intriganten und leichtlebigen Kauz; einen genialen, etwas blasierten Nerd, der kaum dem gesellschaftlichen Ideal seiner Zeit entsprochen haben dürfte. Welcher der beiden Holmes dem von Arthur Conan Doyle erdachten und beschriebenen näher kommt mag jeder selbst entscheiden - wenn es ihm denn wichtig ist. Downey jr. ist jedenfalls ohne Zweifel der sympathischere Holmes. Und man nimmt ihm auch den von Doyle beschriebenen Kokainkonsum, aus naheliegenden Gründen, weit eher ab als Rathbone. Vielleicht ist eine Spur von Auguste Dupin in ihm, dem französischen Meisterdetektiv aus der Feder Edgar Allan Poes (u.a. 'Murders in the Rue Morgue'), die Doyle zur Erfindung seines kriminalistischen Überfliegers inspirierte. Wie dem auch sei, es ist eine wahre Freude diesem Sherlock Holmes zuzusehen, und ebenso seinem ungewohnt schlanken Faktotum Dr. Watson; ebenfalls exzellent gespielt von dem großartigen Jude Law. Dieses Team ist eine Bank die für etliche vielversprechende Fortsetzungen gut wäre. Auch Rachel McAdams überzeugt mit Charme und dem nötigen Esprit bei ihrer Darstellung der Irene Adler, Holmes' mehr oder minder verhalten angebeteter Teilzeit-Gegenspielerin. Sein eigentlicher Widerpart aber, der perfide Lord Blackwood, wird von Mark Strong mit einnehmend dämonischer Aura verkörpert. Auch er überzeugt. Am Cast liegt es also kaum, dass dieser Film durchaus Schwächen hat. So ist es nicht nur der Name, der mich denken lässt, dass Lord Blackwood weniger dem literarischen Universum Doyles als dem seines Landsmanns Edgar Wallace entsprungen ist. In Wahrheit soll der "Baron Schwarzwald" aber wohl einen Seitenhieb auf Nazi-Deutschland darstellen, was auch an seinem Auftreten kaum zu übersehen ist. Obendrein drängen sich nicht selten Assoziationen zu einem weiteren Literaten des Empires auf: Ian Fleming. Was sogar in einem mehr oder minder subtilen Beißer-Revival gipfelt, in Form des französischsprachigen Ganovenhünen Dredger. Auch ist das London dieses Films mitunter eine Spur zu sehr Hochglanz-CGI, will sagen überproduziert und künstlich. Vom überfrachteten Plot nicht zu reden. Regisseur Guy Richie ist offenkundig allzu sehr den Verlockungen des Budgets und der Möglichkeiten einer großen Hollywood-Produktion erlegen. Etwas weniger wäre hier und da mehr gewesen. Nichtsdestotrotz hat mich dieser Holmes glänzend unterhalten. Das eine oder andere Auge zuzudrücken musste man schließlich schon immer bereit sein, wenn man Holmes bei seinen Ermittlungen folgte und er beispielsweise Verbrecher überführte, weil sie Sand unter den Schuhen hatten der nur in einer ganz bestimmten Gegend einer Wüste in einem fernen Land der Erde vorkommt. Sozusagen 1845er Südhang, Spätlese. Ritchie treibt es sogar noch auf die Spitze und lässt Holmes selbst im körperlichen Zweikampf von seinen analytischen Fähigkeiten profitieren. Für gestrenge Anhänger werkgetreuer Verfilmungen stellt dieser Film also keine glückliche Wahl dar, denn es ist eine sehr gewagte Neuinterpretation des altbekannten Stoffes, die Ritchie gewohnt rotzfrech, ungehobelt und unverkrampft, und mit viel subtilem Wortwitz inszenierte. Mir gefällt das obwohl es nicht vollends geglückt ist. Die Qualität seiner früheren Meisterwerke wie "Snatch" oder "Bube, Dame, König, Gras" hat er mit "Sherlock Holmes" jedenfalls, trotz oder vielleicht auch u.a. gerade wegen der fulminanten Technik, nicht erreicht. Die ebenfalls für einen Sherlock-Holmes-Film ungewohnt volkstümlich, um nicht zu sagen proletarisch anmutende Filmmusik stammt von Hans Zimmer und unterstreicht den gegen den Strich gebürsteten Charakter dieses Films vollendet und stimmig. Wenngleich auch sie manchem erstmal zu beißen geben mag ( Sherlock Holmes von Hans Zimmer). Bild und Ton der DVD sind hervorragend. Letzteres auf Deutsch und Englisch in Dolby 5.1. Untertitel sind in Deutsch und Englisch, jeweils für Hörgeschädigte, vorhanden. Als Extra gibt es lediglich eine Featurette mit dem Titel "Der moderne Sherlock Holmes", eine kleine Doku, die zwar ganz interessant ist, in der aber auch ein paar fragwürdige Behauptungen aufgestellt werden.
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84 von 93 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Innovativ und unterhaltsam (DVD), 5. November 2010
Sollten Sie auf eine 1:1 Verfilmung irgendwelcher S.H. Romane hoffen, werden Sie enttäuscht sein. Aus der Sicht von Hardcore-Sherlock Holmes Fans sollte der Film dazu führen, dass sich Sir Arthur Conan Doyle im Grabe dreht. Ich werde kurz darlegen, weshalb ich diesen Guy Ritchie Film dennoch sehr gelungen fand. 1. Das Setting: London wird als die stinkende, dreckige Kloake dargestellt, die es damals auch tatsächlich war. Der Film führt bis in die finstersten Winkel der Stadt und die gebotenen Bilder wirken sehr überzeugend. Ich fand die Inszenierung des historischen London als eine der besten, die ich bisher in einem Film gesehen habe. Auch die Hauptdarsteller wirken nicht künstlich und wie aus dem Ei gepellt sondern haben teilweise dreckige Hände, abgewetzte Kleidung, fettige Haare usw. In den Räumen stehen abgenutzte Gegenstände, an den Wänden blättert die Farbe, usw. Der Film wirkt zu keinem Zeitpunkt wie eine sterile Hollywood-Heile-Welt Produktion. 2. Die Schauspieler: Robert Downey Junior verkörpert als S.H. gekonnt eine Person, die zwischen Genie und Wahnsinn hin- und hergerissen und auch dem Mißbrauch verschiedener Substanzen nicht abgeneigt ist. Jede Szene mit ihm ist interessant und unterhaltsam (z.B. sein "wissenschaftliches" Experiment mit den Fliegen oder jenes mit der Schußwaffe in der abgedunkelten Wohnung). Auch Jude Law spielt als Dr. Watson sehr überzeugend. Die beiden sind das unterhaltsamste und eigenartigste Film-Duo seit langem. Keiner der beiden wirkt wie eine Figur von der Stange. Die Dialoge und Interaktionen der beiden sind permanent witzig ("Holmes, was Sie da trinken wird üblicherweise bei Augenoperationen verwendet") 3. Die Story: Die Story ist spannend und in sich abgeschlossen. Es stellt sich die Frage, ob der Oberbösewicht tatsächlich übernatürliche Fähigkeiten hat. Am Ende wird dem Zuschauer auch Schritt für Schritt die Auflösung unter die Nase gerieben. Grob unlogische/störende Dinge sind mir jedenfalls nicht aufgefallen. 4. Die Actionszenen: Schon die Schlägerei in den Docks, samt Versenkung eines Schiffes und der an der Kette herumfliegende tonnenschwere Anker, bleiben einem länger in Erinnerung. Aber auch die Szenen in der Fabrik, wo tote Schweine abgebrannt und halbiert werden, ist bemerkenswert. 5. Einziges Minus: Leider enthält der Film zu viele unnötige Kampfsporteinlagen. S.H. wird wenig überzeugend als perfekter Martial-Arts Spezialist inszeniert. Die 2-3 sehr übertriebenen Kampfszenen hätte man sich sparen können. 6. Bild und Tonqualität (DD 5.1) der DVD sind OK. Ich würde aber die BluRay-Version wegen den vielen, dreckigen, kleinen optischen Details bevorzugen. Fazit: Der Film macht Lust auf mehr.
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128 von 168 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Sherlock Holmes: Gegen Ehe und Mystizismus, 1. Februar 2010
Sehr viktorianisch ist es, sich zwar zu prügeln, aber dann doch während jeder Sekunde der Prügelei zu versuchen, seine Würde als Gentleman zu bewahren. Und deshalb ist es immer eine der schönsten Szenen in Filmen über das ausgehende 19. Jahrhundert, wenn der Held mal wieder in steifer Haltung mit total durchgestrecktem Rücken nach den Regeln des Marquis von Queensberry harte Schläge austeilt. Der Witz in dieser Neuauflage des Klassikers nach Arthur Conan Doyle ist nun, dass auch Holmes hier in den vielen Faustkämpfen nur dann gewinnen kann, wenn er seine Haltung bewahrt. Aber das schafft er nicht durch viktorianische Genickstarre. Sondern durch detaillierte Planung jeder einzelnen Bewegung, die dann im Film als eine Art von Prognose mit großartiger Choreographie in Szene gesetzt wird. Hier und in anderen Aspekten des Films wird deutlich: Dieser Holmes ist seiner Zeit voraus. Seiner Zeit voraus ist natürlich auch der Bösewicht dieses Films. Einen schwarzen, langen Ledermantel trägt Lord Blackwood, und man muss angesichts dieser Kleidung und des politischen Programms dieses Verschwörers dann doch an die bösen Nazis aus den Indiana-Jones-Filmen denken. Und auch die Story mit ihren mystischen Elementen, dem ganzen Getue um Freimaurer und Riten schwarzer Messen lässt es lange offen, ob sich die magischen Elemente eines Indiana-Jones-Films auch hier finden. Aber Holmes ist ein Kind der Aufklärung, des Rationalismus. Und so geht es hier auch um die Frage, was schließlich gewinnt: Holmes und die Aufklärung oder die Emotionen, die mit einer Welt der Gothic Novells verbunden sind. Dass Holmes und sein Gegner etwas aus der Zeit zu fallen scheinen, gibt dem Film auch deshalb seinen Reiz, weil ansonsten die Atmosphäre des britischen Empires auf dem Höhepunkt seiner Macht sehr gut getroffen ist. Und auch die Darstellung des schmutzigen Londons, das für seine Armut, seinen Dreck und seine Umweltverschmutzung fast ebenso berühmt war wie für seine Repräsentationsbauten, ist hier in wunderbaren Grautönen sehr gut geglückt. Nicht nur die Computerfachleute haben hier in den Hintergründen ganze Arbeit geleistet, auch die Details von Einrichtung, Kleidung und Studiobauten sind hier fast perfekt gelungen. Oder anders: Das dürfte alles recht teuer gewesen sein. Aber es wirkt. So ist der Film auch optisch ein Erlebnis. Vielleicht alleiniger Schwachpunkt des Films scheint mir das Casting einiger Nebenrollen zu sein. So hätte ich die Darsteller des Innenminister (Lord Coward) und des amerikanischen Botschafters glatt ausgetauscht. Denn der eine Darsteller wirkt nicht gerade sehr amerikanisch, was aber auch ein Scheitern der Synchronisation sein kann, der andere wirkt für einen Innenminister des viktorianischen Zeitalters einfach zu jung und wohl auch etwas zu linkisch. Und auch die Besetzung der Irene Adler mit der zwar sehr hübschen, aber irgendwie auch sehr mädchenhaften Rachel McAdams hinterließ bei mir keine Begeisterung. Wirklich gefährliche Frauen sehen anders aus. Dagegen kann ich die Besetzung der Hauptdarsteller Holmes und Watson nur loben, auch weil sie mutig genug war, den größeren Star diesmal nicht zum Holmes zu machen. Zum Schluss noch ein letztes Wort zum 19. Jahrhundert: In dieses passt natürlich keinesfalls das in vielen Rezensionen der professionellen Kollegen angesprochene homosexuelle Zusammenleben von Watson und Holmes. An mir persönlich ging der schwule Subtext dieses Films offenbar völlig vorbei. Mein Eindruck vom Kampf dieses Holmes um seinen Freund Watson ist eher ein anderer. Um ein freies Leben kämpft dieser Holmes, ein Leben unabhängig von sozialen Verpflichtungen, die eine Ehe oder auch nur die Beziehung zu einer Frau mit sich bringt. Denn welche Frau lässt schon ein so wunderbar unaufgeräumtes Spielzimmer zu, wenn sie erst einmal einen Mann den ihren nennt? Welcher Mann darf dann noch uneingeschränkt trinken, sich schlagen, seinen Hobbys und seinem Spieltrieb nachgehen? Aber selbst Sherlock Holmes kann ja nicht immer gewinnen.
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