[Meine Rezension bezieht sich auf die in UK erschiene DVD-Box]
Dieser SHERLOCK ist konkurrenzlos. Ohne Übertreibung: Noch besser als Staffel 1.
Die 1. Staffel habe ich noch im Fernsehen verfolgt, das war ja schon so ein Ferhseh-Highlight 2011. Für Staffel 2 war mir die Wartezeit bis zur Ausstrahlung (es wird von vermutlich Frühjahr 2012, vielleicht Mai?" gesprochen) zu lange. Also zum Erscheinungstermin den UK-Import bestellt. Musste mich zusammenreißen nicht gleich alle 3 Episoden am Stück zu sehen, und habe die Folgen hübsch einzeln genossen.
Episode 1 - A Scandal in Belgravia (10 von 5 Sternen)
Episode 2 - The Hounds of Baskerville (5 von 5 Sternen)
Episode 3 - The Reichenbach Falls (15 von 5 Sternen)
Hardware, Laufzeit, Zusatzmaterial, Sprache:
In der DVD Box sind 2 Disks mit 3 Folgen zu zirka 90 Minuten enthalten; ein kurzes Making OF mit Interviews (19 Minuten) ist auf DVD 2 enthalten; einen Audiokommentar gibt es zu Folge 1 und 2 (für den Audiokommentar keine UT)
Sprache: Englisch; Untertitel: Englisch
Zum Thema UK-Import (Sprache nur Englisch):
Man sollte schon gute Englisch-Kenntnisse voraussetzen um die Serie im Original genießen zu können. Eine Hilfe sind dabei einblendbare Untertitel (nur Englisch!).
(Wenn Holmes bei seinen Analysen loslegt hilft jedenfalls mir das beste Englisch nicht viel, und auch die UT`s nur bedingt, denn der redet in einem Schwall, ohne Punkt und Komma, dass einem beim Zuhören schwindelig wird. Darauf geht Benedict Cumberbatch im Making Of sogar kurz ein, so einfach, wie das klingt, waren diese Szenen für ihn wohl auch nicht. - Spannend wird es auch, wenn Holmes in einem Pub in Dartmoor (The Hound Of Baskerville) ermittelt, wo das Volk einen merklich anderen Dialekt spricht ;-)
Handlung:
Erinnern Sie sich noch an den Ausgang der 3. Episode in Staffel 1?
Holmes und Watson (mit umgeschnallter Bombenweste) werden vom wahnsinnigen James Moriaty in einem Schwimmbad bedroht. Exakt hier steigt man mit A Scandal in Belgravia wieder ein. Die Folge wird schnell zu einem Staffellauf, der von einer Überraschung zur anderen, von einem Fall zum anderen führt. Doch zufällig passiert hier gar nichts! Auf ihre Art wird jede noch so banale Szene am Ende wichtig sein. Der reinste Adrenalin-Trip. Zu einem großen Teil ist Irene Adler, auch genannt The Woman, dafür zuständig. Schurkin? Herzensbrecherin? Auf jeden Fall gibt sie Sherlock einige Rätsel auf... seinem Bruder Mycroft übrigens auch.
Der Fall The Hound Of Baskerville entstand in Anlehnung an Sir Arthur Conan Doyles Original "The Hounds Of The Baskervilles". Gruselige Stimmung im Moor. Ein glutäugiges Hundemonster, das aus einem Forschungslabor entkommen ist? Der junge Henry Knight wird von Kindheit an von einem traumatischen Erlebnis geplagt und der Geist, der "Hound", verfolgt ihn auch heute noch. Bizarr wird die Folge, als Sherlock, Watson und Knight im Moor auf Monstersuche gehen und das Monster erscheint tatsächlich! Seltsame Morsezeichen, dubiose Touristenattraktionen, geheimes Forschungslabor - viele gute Zutaten, eine atmosphärisch überzeugende Folge mit viel subtilem und besonders schwarzem Humor.
Die KRÖNUNG und wenn man dann sieht, was in der Folge passiert, wird einem klar, was ich damit meine, - also die Krönung der 2. Staffel ist The Reichenbach Falls.
Wow. Wow! Wow!!!!
Wenn James Moriarty da so selbstherrlich sitzt, mit Krone und Zepter und zwar mitten im Tower, vorher anhand einiger witziger iPhone Apps die Sicherheitsüberwachungen der Bank Of England, eines Hochsicherheitsgefängnis und die des Towers außer Kraft setzt, dabei genüsslich ein GET SHERLOCK auf eine Glasvitrine malt... da atmet man erst einmal tief durch und kann sich kaum vorstellen, dass es noch subtiler wird ... wird es aber. Moriarty hat Sherlock zum Helden stilisiert, umso genüsslicher setzt er sein Spiel dann in umgekehrter Reihenfolge fort, bis hin zum bitteren Ende.
Während in der Vorlage von Sir Arthur Conan Doyle der showdown zwischen dem Genie Sherlock Holmes und seinem Gegenspieler und Alter Ego, James Moriarty, sich an den Reichenbachfällen abspielt, und durchaus Möglichkeiten zur Spekulation um den Tod von Holmes und Moriarty offen lässt, lässt mich der Cliffhanger am Ende von The Reichenbach Falls ratlos zurück. Ist Holmes also doch ein Magier? (Regisseur Steven Moffat hat hierzu in einem Interview im The Guardian zumindest einen kleinen Hinweis gegeben.)
Ich muss an der Stelle die Rolle des wahnsinnigen James Moriarty und die Besetzung mit Schauspieler Andrew Scott anerkennen. Wenn ich zunächst von der Besetzung Moriartys entsetzt war und mich gefragt habe: Warum so ein unscheinbarer Milchbubi?, war mit dieser 3. Folge das Vorurteil revidiert. Moriarty ist in dieser Umsetzung eine zeitgemäße Figur. Ein überheblicher, größenwahnsinniger Computerfreak. Völlig unberechenbar... at least für ein Talent wie Sherlock Holmes, was ja auch gut so ist, sonst wär's ja nicht prickelnd, wenn die beiden miteinander Tee trinken, oder eben in der finalen Szene.
Zur Serie: Selten empfinde ich auf Anhieb eine Krimi-Fernsehserie so spannend, unterhaltsam, rasant, innovativ, einzigartig, hinreißend, ungewöhnlich und vor allen Dingen: kackfrech und witzig!
Die Drehbuchautoren von SHERLOCK (Mark Gatiss, Steven Moffat, Steve Thompson) haben sich echt was einfallen lassen mit diesen drei Fällen. Holmes (die Original-Figur von Sir Arthur Conan Doyle) hatte schon immer eine gewisse Faszination. Ein eigenwilliger, hyper-intelligenter, vollkommen überheblicher Charakter. In der Serie SHERLOCK kommt noch eine gute Portion Frechheit und schwarzer Humor dazu. Alles gepaart mit unseren modernen Kommunikationsmethoden und -Mitteln. Watson bloggt, Holmes beschäftigt sich mit "simsen" (Textnachrichten) und für das Lösen der Fälle muss er erst gar nicht mehr an den Tatort, das erledigt Watson, indem er am Tatort mit einem Laptop mit Webcam herumläuft und diese mit einem Livestream zu Holmes` Laptop überträgt (immer ein angebissener Apfel auf den Geräten ;)
Die visuelle Umsetzung mit diesen speziellen Kamerawinkeln, Szenenschnitten und Texteinblendungen ist auch so ein Stilmittel, das die Serie Top-Modern und innovativ erscheinen lässt. So was kann gutgehen oder nicht. Im Fall SHERLOCK fühle ich mich davon keineswegs überfordert. Die Serie selbst wird dadurch besonders dicht mit Handlung und Informationen vollgepackt. In der Episode A Scandal in Belgravia fällt das insbesondere auf. Die 90 Minuten Episode fühlt sich von der Handlung an, wie ein drei Stunden Film. Nicht im Sinne von langweilig, sondern so kurzweilig wie nichts was ich sonst kenne. Dagegen fällt Episode 2, The Hounds of Baskerville, durchaus langweilig aus. Die absolute Steigerung, vor allem was Spannung und Überraschungseffekte betrifft ist The Reichenbach Falls; bemerkenswert Holmes Rückzug in seine Gedankenwelt, seine Technik sich alle Erinnerungen Erinnerungsfetzen vor Augen zu führen, diese wie ein Puzzle zusammenzustellen wird visuell wie in einem Science Fiction Film dargestellt, wo Holmes, Worte und Bilder vor sich hin und her schiebt, die für uns Zuschauer in den Raum projiziert werden.
Obgleich ich DOWNTON ABBEY bis vor kurzem als meine Lieblings- Mini-Serie angesehen habe. Das sollte sich spätestens nach The Reichenbach Falls gründlich ändern.
SHELROCK ist zum Fingernägel Kauen spannend, intelligent und dabei fehlt nicht ein gewisser schwarzer Humor. Entertainment at its best.
I promise: You'll be SHERLOCKED too!