Das späte 19. Jahrhundert: Nachdem Jonathan (Kenneth More), der Sohn eines britischen Waffenindustriellen, sich einen Sommer lang zurückzog, will er schliesslich seine von ihm selbst entworfene Dampfmaschine im heimischen Schuppen in Gang setzen. Sie explodiert aber und Jonathan begräbt seine hochtrabenden Träume. Er stellt fest, dass die USA ein grosser Markt für Waffen sind und will dort die vornehmen Produkte seines Familienbetriebs gross herausbringen. Zu diesem Zweck reist er in den Wilden Westen. Er landet im Städtchen Fractured Jaw (Gebrochener Kiefer) und quartiert sich vorerst bei der attraktiven Saloonbesitzerin Kate (Jayne Mansfield) ein. Nachdem er eher durch Zufall einen Revolverhelden schachmatt setzt, lässt er sich überreden, den verwaisten Sheriffsposten zu übernehmen. Mit Kate kommt es langsam zur Annäherung. Aber er tritt auch immer wieder ins Fettnäpfchen, denn seine Aufrichtigkeit passt den beiden rivalisierenden Vieh-Farmern im Ort gar nicht und dann verbrüdert er sich auch noch gezwungenermassen mit den Indianern. Er hat immer wieder Glück und bringt damit den örtlichen Leichenbestatter mehrmals um einen möglichen Auftrag. Aber das ist Jonathans kleinstes Problem, als er feststellen muss, wer es alles auf ihn abgesehen hat.
Nach sehr vielen sehr dunklen Filmen hat sich Regisseur Raoul Walsh in seinen späten Jahren noch ab und zu an eine Komödie gewagt, so wie in dieser britischen Western-Parodie. Der Film ist sehr ulkig und kurzweilig. Die Figuren kommen gut rüber, der (teils schwarze) Humor hat keine Hänger, die Geschichte auch nicht. Viele britische und amerikanische Klischees werden auf die Schippe genommen. Man kann auch nach wiederholtem Anschauen des Films immer noch herzhaft lachen. Schade ist allerdings die nicht immer treffsichere Synchronisation, so heisst die Stadt in der deutschen Fassung plötzlich "Knock Out Town" und auch den einen oder anderen Verweis auf Winnetou konnte man sich nicht verkneifen. Haha. Trotzdem kann "The Sheriff of Fractured Jaw" (Twentieth Century Fox, 1958) auf jeden Fall empfohlen werden. Bemerkenswert noch die geringen Hintergrundinfos aus dem Klappentext: die Aussenaufnahmen für den Film entstanden in Spanien, was für den Jahrgang doch bemerkenswert ist, denn die Region kam sonst erst Jahre später mit den Spaghetti-Western zur Ehre, die USA zu doubeln.
Der Film dauert auf DVD 99 Minuten und kann im farbenprächtigen 16:9-Bild (2,35:1) genossen werden. Wie üblich setzt das DVD-Label Eurovideo dem Genuss aber bald ein Ende: Die Sprachenauswahl beschränkt sich auf deutsch und englisch. Untertitel fehlen. Immerhin vermögen Bild und Ton qualitativ recht gut zu überzeugen. Im Bonusmaterial gibt es nur den bemerkenswert beliebigen Trailer zum Film und ein bisschen Programmvorschau.
Aus dem Film hätte man gleich 2mal mehr machen können, einerseits vor 50 Jahren im Synchronstudio und dann aktuell noch einmal mit einer umfassenderen DVD. Ersteres kann man mit dem damaligen Zeitgeist noch einigermassen erklären, die Defizite der DVD hingegen lassen das Sternenguthaben verdientermassen schrumpfen. Somit reicht es in der Bewertung doch nur für zwei von fünf schubladisierten Särgen und natürlich ein schönes Kännchen Tee.