Man hat Kenneth Branagh für diesen Film übel kritisiert. Sein Film sei im Grunde nur eine Selbstinszenierung. Als vielbelächelter Beweis für diese Theorie musste seine geschminkte Bauchmuskulatur herhalten, die bereits im Kino sehr auffällig war. Ich gehe aber davon aus dass diese Selbstinszenierung eine bewusste war. Was Branagh interessiert, ist nicht so sehr das monströse des Monsters, sondern das der Hybris des Menschen der Romantik. Demensprechend ist der Hauptcharakter auch der Doktor, und nicht sein Geschöpf. Und der Doktor ist es auch der hier als wahres Monstrum auftritt, insbesondere in den Szenen in denen er seine Frau erweckt, keineswegs das Geschöpf selbst, das zwar mordet, aber im Grunde als hypersensibles Wesen mit Liebe zum Flötenspiel auftritt. Branagh verkehrt hier die Welten um eine Zeit zu inszenieren die von der Göttlichkeit des Menschen überzeugt war, und dementsprechend ist es nur konsequent, wenn er seinen Dr. Frankenstein eitel, selbstverliebt, hektisch, besessen auftreten lässt. Der ganze Film ist erschütternd, weil er an eine Urangst des Menschen appelliert, den geliebten Partner zu verlieren und weil er diese Szenen und die der Erweckung so drastisch nachzeichnet, dass einem schlecht werden könnte vor Angst und vor Entsetzen darüber wozu man fähig ist wenn man alles verloren hat (und glaubt es wieder umkehren zu können).
Die Charaktere können in dieser Inszenierung alle überzeugen, und das theaterlastige Moment passt zu dem Konzept das Branagh wählte, ebenso die Filmästhetik. Und gut unterhalten wird man auch noch bis zum Schluss. Diese Frankensteinversion hätte viel mehr Lob ernten sollen für den grossen Schritt den sie wagt. Leider haben das nicht alle Kritiker zu würdigen gewusst.