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In zeitlicher Nähe entstanden auch die beiden Konzerte für Orchester: Das erste, "Freche Orchesterscherze" (1963) ist sehr tänzerisch. Schtschedrin greift hier die Form improvisierter Scherz- und Stegreiflieder auf; seine Tonsprache mit sarkastischem Biss und Drive erinnert an einen Strawinsky oder Schostakowitsch. Leonard Bernstein war es, der das zweite Konzert für Orchester -- "Die Glocken" -- in Auftrag gab (1968). Allein schon durch den großen Schlagzeugapparat mit 18 Röhrenglocken unterscheidet es sich vom ersten. Schtschedrin, der eine immense Klangvorstellung besitzt, nutzt gerne instrumentale Effekte (etwa gedämpftes Blech, Instrumente in extremen Lagen) sowie Klänge, wie man sie in slawischer Kirchenmusik antrifft. Auch die Auseinandersetzung mit den Prinzipien der westlichen Avantgarde ist unüberhörbar.
Vor gut einem Jahrzehnt versammelte Mikhail Pletnev, Allroundbegabung im besten Sinne (Pianist, Dirigent und Komponist), Musiker ersten Ranges um sich und gründete das Russische Nationalorchester. Auf der CD Carmen-Suite zeigt es sich äußerst souverän im Umgang mit dieser Art von Musik. Unterschiedliche Seiten von Schtschedrin werden beleuchtet: War in der "Carmen-Suite" heiteres Tschinderassa bumm und russische Melodienseligkeit zu hören, so stehen die "Konzerte für Orchester Nr. 1 & 2" beispielhaft für das Oeuvre eines hochinteressanten Komponisten des 20.Jahrhunderts. Sicherlich, schnell ist das Vorurteil "Eklektiker" gesprochen, doch lohnt es sich, Rodion Schtschedrins Klangfantasie nachzuspüren. --Beatrix Gillmann
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