Da halte ich nun also Dieter Nagels zweites Werk "Shaven Nudists" in Händen. Im Gegensatz zum Vorgänger (Public Nudists), einem grossformatigen Bildband, handelt es sich um ein kleinformatiges (18x24 cm) Vergnügen, dem ich erneut ein wenig ratlos gegenüberstehe.
Ein Fortschritt im fotografischen Wirken des professionellen Sportfotografen Nagel ist auch bei eingehender Betrachtung für mich nicht zu bemerken. Ich sehe eine Menge Farbfotos von nackten Mädels am Strand - mehr nicht. Einzeln und in Gruppen stehen sie vor dem Betrachter, mit dem Versuch von "Bodypainting", mit mehr oder weniger gespreizten Beinen, in zu oft gesehenen Posen, auch ein Pärchen ist dabei. Fast alle Bilder haben eine (durchaus natürlich wirkende) 70er-Jahre-Fröhlichkeit inne, die sich aber auch durch die klare kontrastreiche Farbgebung und den immerblauen Himmel ergibt. Ein Vergleich mit z.b. einem Jock Sturges, der ein ähnliches Thema verarbeitet, ist m.E. nicht zulässig, da Nagel's Material wie die belanglose Ausbeute eines einwöchigen Ostseeurlaubs wirkt. Doch vielleicht liegt gerade hierin der Charme der plakativen Nacktheit? Das Mädchen von nebenan - schamlos nackt? 70er-"Kunst" im 21. Jahrhundert?