Peter Lorenz' Bildband ist ein recht erholsames Kompendium nach der Flut bodygebuildeter (bodygebildeter?, boddigebüldeter?) Modelfiguren des letzten Jahrzehnts. Es ist zum Glück für die Augen frei von den unsäglichen Aktmodellposen, die verschämt die Nacktheit durch ästhetischen „Kunstwillen" kompensieren wollen. Und vor allem: Endlich bekommen die Frauen ihr Recht darauf, ein Geschlechtsteil zu haben. Behalf die Malerei und Skulptur der vergangenen Jahrhunderte sich mit zufällig bis grotesk irgendwoher wachsender Blättlein und mirakulös schwebender Tüchelchen, so versuchte es die Moderne mit atemberaubenden Verschränkungen und der Zuhilfenahme von Schatten (tief und unergründlich, wie die Frau an sich etc. etc. pp.). Phantasieanregung war der künstlerische Impetus, wo bei Männern alles vordergründig baumelte und bammelte. Hauptsache es war bei Frauen nix zu sehen. Die Männer schreckten zudem pflichtbewußt vor der feministischen Anklage: „Sexobjekt" zurück. Allerdings hatte da die Lesbenbewegung längst eine Gegenattacke gestartet und den weiblichen Schritt auf's Titelbild gerückt. Jetzt trauen sich auch die Heteros wieder und die Fotomodelle sind's offenbar zufrieden. So hopsen sie fröhlich durch Peter Lorenz' Buch und durch die dörfliche Landschaft der neuen Bundesländer und zeigen ungeniert ihre Körper mit allen seinen Bestandteilen. Sie haben Haare auf dem Kopf und zwischen den Beinen oder meist eben auch nicht. Hier ein Piercing, dort ein Tattoo, auf jeden Fall jedoch unverkrampften Spaß an der Sache. Wer von direkter Nacktheit keine Gänsehaut bekommt, sollte es sich ernsthaft überlegen, das Buch zu kaufen.