Der chronologisch erste Sharpe hat alle meine Erwartungen erfüllt. Cornwell schlägt ein hohes Tempo an, das praktisch nie nachlässt, die Figuren sind vielschichtig (nicht einfach bloß gut oder böse) und Sergeant Hakeswill ist so ein fieser Schurke, dass man ihm am liebsten eigenhändig den Hals umdrehen möchte. Ein grandioser Abenteuerroman - halt, was man von Sharpe erwartet.
Ich mag auch Cornwells andere Romane über alles, aber Sharpe ist das Nonplusultra. Ganz toll.
Sharpe ist hier ja noch ein einfacher Rotrock, der eine Muskete trägt, doch wenn ihm Sultan Tippu ein reichverziertes Jagdgewehr mit gezogenem Lauf in die Hand drückt und ein französischer Offizier meint, Sharpe sei der geborene Scharfschütze, feiert man automatisch ab. Cornwell hat in diese Vorgeschichte einige solcher Referenzen an den späteren Sharpe eingebaut. Macht höllisch Spaß.
Der einzige Wermutstropfen ist, dass der nächste Sharpe-Roman erst in einem Jahr erscheinen soll. Bastei-Lübbe plant eine komplette Neuausgabe mit allen derzeit 21 Bänden. Das heißt, die Ende 1980/Anfang 1990 bereits auf Deutsch erschienenen Bände sollen neu aufgelegt und durch die bislang nicht in Deutschland veröffentlichten Bände ergänzt werden.
Damals war "Sharp(e)s Aufstieg" der chronologisch erste Band der Reihe. Inzwischen hat Cornwell aber fünf Romane geschrieben, die zeitlich davor einzuordnen sind. Die drei ersten spielen in Indien, dann folgen "Sharpes Trafalgar" und "Sharpes Prey" (Seeschlacht von Kopenhagen).
Das wären also fünf Bände mit neuem Stoff für Kenner der alten deutschen Ausgabe. Falls Bastei aber daran festhält, dass pro Jahr nur ein Band erscheinen soll, ist es mehr als fraglich, ob die 21 Jahre durchhalten und wir diesmal in den Genuss des kompletten Sharpe auf Deutsch kommen.
Zumal Bernard Cornwell in einem Interview kürzlich davon sprach, dass er sich vorstellen kann, ungefähr fünf weitere Sharpe-Romane zu schreiben ...