Obwohl die Brüder Grimm kein Rotkäppchen der Meere verfassten, leiden die Haie unter einem weitaus schlechterem Image, als der Wolf. Es sind erschreckende Zahlen, die der Film mitteilt. Erschreckend für die Haie. Es werden jährlich 200 Millionen dieser Tiere vom Menschen getötet. Meistens durch so genanntes Hai-Finning: Nur die Flossen werden dem Hai bei lebendigem Leibe abgeschnitten und beibehalten, der Rumpf selbst gilt als Abfall. Da Haie nur atmen können, wenn sie sich bewegen, sterben sie einen qualvollen Tod. Als lebendiger Kadaver, dem Wasser überlassen, verbluten und ersticken sie zugleich.
Rob Stewart räumt in seinem Dokumentarfilm mit einer ganzen Fülle von Vorurteilen und falschen Beschreibungen, die sich um diese geheimnisvollen Fische ranken. Er macht es auf einer äußerst einfühlsame Art und Weise, als wenn ein Freund von seinen Freunden erzählen würde. Seine Feststellung, Haie haben ihn schon immer fasziniert, ist glaubwürdig.
Vom Menschen zu einem blutrünstigen Monstrum abgestempelt, sind Haie in Wirklichkeit ein vollkommenes Beispiel für die Entwicklungsfähigkeiten der Meeresfauna. Es gab sie schon in den Ozeanen bevor die Dinosaurier kamen. Gleichzeitig ist es ein Jammer, dass der Mensch imstande ist, sie in den nächsten zehn Jahren auszurotten. Haie sind längst keine Räuber mehr, sondern Opfer.
Der Film ist ein Plädoyer für das Anrecht der Haie auf Leben und ihre Anwesenheit in Meeren und Ozeanen. Sie sorgen für das Gleichgewicht des maritimen Ökosystems, ohne sie wird es kollabieren. Dies hätte weitreichende Folgen für den Menschen. Für Bob Stewart werden während seiner Dreharbeiten mafiöse Strukturen weit lebensbedrohlicher, als die Haie selbst.
Der Film hat nichts mit der viel belachten political correctness zu tun. Ihn zu sehen ist beinahe die Pflichtlektüre für jeden Menschen, der das Leben auf unserem Planeten bejaht.
Ein großartiges Kino, ein fesselnder Thriller, eine erschütternde Tatsache, die sich "nebenan" abspielt.
Absolut empfehlenswert!
Leo Walotek-Scheidegger / 4mare.com