Nahezu zeitgleich mit der Satie-Sammlung veröffentlicht die eine Hälfte des Labèque-Duos ein Solo-Album, das einen bemerkenswert anderen Charakter aufweist. Katia Labèque präsentiert die Pianistin Seite an Seite mit Stars wie Sting, Chick Koreau oder Herbie Hancock, wobei die beiden Songs mit Sting sicher den Umsatz ankurbeln dürften, aber eindeutig zu den schwächsten Tracks der Einspielung gehören. Shape of my Heart verträgt sich ganz gut mit einer Pianofassung, und zeigt gegenüber der Fassung von Ten Summoners Tales einen gereifteren und direkteren Gesang, wobei Sting einfach zu oft zu stark versucht, besonders «klassisch» und somit leider vor allem besonders theatralisch zu singen, was seine ansonsten großartige Stimme einfach nicht wirklich hergibt und was letzten Endes entsprechend leider nur etwas affektiert wirkt, wo es doch persönlich und intim klingen sollte. Labèques flirrendes Klavierspiel kann von der Profanität der Komposition, die sie hier interpretiert kaum ablenken, die Harmonien sind für ein klassisches Instrument selbst in einem sehr gebrochenen und freien Arrangement zu naheliegend, zu simpel, zu schmierig. Stings Vampirmoritat Moon over Bourbon Street ist noch schlechter geraten und ertrinkt fast in Selbstwichtigkeit, nimmt sich viel zu ernst. Umso wohltuender fällt der Rest des Albums aus, wo Labèque entspannt mit Korea und Hancock herumjazzt, wobei der Hörer eine schöne Gratwanderung zwischen Katias präzisem Spiel und dem deutlich freieren Stil der beiden Jazzgiganten genießen darf, vor allem bei der zur Zeitlupe gefrorenen Fassung von My Funny Valentine. Zwei klassische Stücke von Chopin und Satie machen das Album als eine Art Trojanisches Pferd erkennbar, einen Anthologie, auf der Labèque mit Pop-Crossover anlockt, um dann den Hörer mit verschiedensten Seiten ihrer Arbeit zu konfrontieren - unter anderem auch mit einer Einspielung ihrer eigenen Band, die eine erst gegen Ende wirklich wiedererkennbare Fassung des Tracks Exit Music von Radiohead abliefert. Weitere Coverversionen, unter anderem von John Lennon, und weitere Kooperationen, unter anderem mit David Chalmin und Gonsalo Rubalcaba, runden das Album zu einer eklektizistischen Sammlung ab, die man einerseits sicher zurecht als kühl kalkulierte Marketing-Crossover-Strategie betrachten darf, die hier konsequent neben ihrem Klassik-Publikum auch ein Jazz- und Pop-Publikum abgreifen will, die andererseits aber in ihrer genresprengenden Vielseitigkeit und im Mut zur Interpretation auch zeigt, dass Klassik sich ebenso wie Jazz oder HipHop für Einflüsse öffnen kann und nicht unter einer historisierend-sterilen Käseglocke stattfinden muss, sondern ruhig auch mal andere Luft schnuppern und sich verjüngen kann. Womit Shape of my Heart - sicher auch ganz im Sinne der Labelchefin Katia Labéque - vielleicht eben als eine Art Einstiegsdroge betrachtet werden darf.