Dieses Buch ist schön gestaltet und mit exzellenten Fotografien versehen. Es besteht im Wesentlichen aus einem Meditations- und einem Körperübungsteil. Beides wird verbunden durch das Konzept Meditation in Bewegung. Nicht nur das statische Sitzen, sondern auch die dynamischen Bewegungen der Kampfkunst sind also Ausdruck der Geisteshaltung des Chan- (Son- im Koreanischen, Zen- im Japanischen) Buddhismus, einer Entwicklung des Mayahana-Buddhismus.
Wer selber schon Kampfsportvereinen trainiert hat, wo diese geistige Einstellung vollkommen inexistent ist, weiß dies möglicherweise zu schätzen, denn ohne diesen Geist wird das Kampftraining schnell trivial. Beispielsweise, sagte mir schon jemand, beim Training "muß jeder schauen, wo er bleibt", weil ich ihn kritisiert hatte, dass er nur mit starken Partnern trainieren will. Statt die Werte der Kampfkunst zu vertreten, war er offensichtlich vom Geist des Kapitalismus erfüllt.
Die schöne Gestaltung des Buches überwiegt allerdings die inhaltliche Vermittlung. Es ist ein wenig Vanity Fair und passt gut in diese Welt hinein.
Eine gewisse Eitelkeit kann dem Autor nicht abgesprochen werden. Auch sind die beständigen Hinweise auf die Stars, die in seinem Dojang trainieren, aufdringlich. Wen interessiert, ob Björk bei ihm trainiert oder nicht, mich jedenfalls nicht, ebensowenig, ob Hiphop-Stars bei ihm trainieren, und wenn, er das schon erwähnt, wieso erklärt er nicht seine Meinung, wie das explizite Sexualgebaren der Rap-Kultur mit dem Wushu vereinbar ist. Solche interessante Fragen, werden mit der üblichen Harmonie- und Wellnessrhetorik überdeckt. Diese Oberflächlichkeit zieht sich durch das gesamte Buch, also kann er Interessierten, die tiefergehende Antworten suchen und daher auf ihrem Weg schwierige Fragen zu beantworten haben, keine Hilfe bieten.
Die Übungen sind Basis-Übungen. Sie sind für Fortgeschrittene nichts neues, auch wenn es interessant diese in der Form des Shaolin-Kungfu kennenzulernen. Allerdings werden auch hier schwierige Fragen ausgespart, zum Beispiel das schwierige Feld der gesundheitlichen Verletzungen, z. B. Rücken, Knie ..., die durch Kampfkunst verursacht werden können. Kennt das Shaolin-Kungfu Mittel, dies zu verhindern, oder fördert es solche Probleme. Was wird aus dem Kinder, die in den Shaolin-Shows Höchstleistunge vollbringen im Alter? Sind sie durch Qui-Gong so geübt, dass sie gesund sind oder sind sie ruiniert?
Also insgesamt eher ein oberflächliches Wellness-Buch statt ein Buch des Do und der Weisheit.