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Wenn aber jemand offensichtlich englische Satzstellung ohne große Veränderungen in deutsche Satzstellung überträgt, ellenlange Schachtelsätze baut und ein Verlag dies dann auch noch mit der neuen Rechtschreibung garniert, dann ist für mich der Ofen aus.
Es muß sich hierbei um eine Neuübersetzung halten, da die deutsche Erstveröffentlichung auf das Jahr 1978 datiert und man damals noch von neuer Rechtschreibung verschont war. Ich gebe auch zu, daß ich weder jene alte Übersetzung kenne, noch das englische Original. Aber Sätze wie "Ein tief hängender Ast, der seinen Kopf streifte, veranlasste Flick, zusammenzuzucken und zur Seite zu springen" dürften da so nicht auftauchen. Meine Güte, wie wäre es mit "Flick zuckte zusammen und sprang zur Seite, als ein tiefhängender Ast seinen Kopf streifte"?
Daneben gibt es auch noch einige Stilblüten in Sachen Ausdrucksweise: "Auch Flicks Vater war keiner, der sich eine Gelegenheit entgehen ließ, wo Geld zu verdienen war, und so schienen alle Beteiligten zufrieden zu sein." Gelegenheit, "wo" Geld zu verdienen war? Wohl eher "bei der Geld zu verdienen war." In diesem Sinne: "Wo meine Papa Geburtstag hatte, bin ich beim Aldi gegangen."
Sie glauben, ich suche hier nur zwei schlimme Stellen raus, der Rest wäre besser? Ich schlage das Buch einfach mal an einer beliebigen Stelle auf: "Wieder war Allanon erschienen und hatte die Elfen aufgefordert, die Ebenen von Streleheim über Paranor zu überwachen, um jeden Versuch der Gnomen zu verhindern, das Schwert aus der von ihnen besetzten Druidenfestung fortzuschaffen und nach Norden zu bringen in die Burg des Dämonenlords."
Naja, vielleicht hat der Verlag einen Azubi die Übersetzung erledigen und dann einfach die "Word"-Grammatikprüfung über den Text rüberrollen lassen. Der alleinig als Übersetzer genannte Tony Westermayr kann es so nicht gewesen sein, denn der hat schon vor dreißig Jahren Bücher ansehnlich übersetzt.
Inhaltlich ist das Ganze übrigens nicht mehr als ein Abklatsch des "Herrn der Ringe" - was der Beliebtheit dieser Reihe keinen Abbruch tut und wozu der Autor auch steht: "Shea Omsford" erfährt vom Magier "Allanon" daß er der Erbe des Schwertes von Shannara sei. Das macht ihn zu einem 1A-Kandidaten für ein vorzeitiges und gewaltsames Ende, da nur dieses Schwert, wenn es von ihm gefunden und geführt wird, das gerade wiedererwachende Böse, einen Herrn Brona, stoppen könnte.
Genau, setzen Sie mal an bestimmten Stellen "Frodo," "Gandalf" und "Ring" ein. So ein offenes abkupfern kann einem gefallen, muß aber nicht, und mir ging die altertümelnde Ausdrucksweise, von der ich zumindest annehme, daß sie vom Autor so gewollt und trotz der schlechten Übersetzung zumindest stellenweise originalgetreu überlebt hat, recht schnell auf den Senkel. Bei Tolkien wirkte das sachgerechter und weniger aufgesetzt.
Es ist aber auch nicht zu unterschätzen, daß Brooks in eine von Tolkien gerissene Bresche des Wunsches nach weiteren Abenteuern in Mittelerde springt, die dieser ob seines Ablebens nicht mehr füllen kann. Brooks sehr ähnliche Welt kann dieses Bedürfnis stillen und dazu hat er den für die Leser nicht zu unterschätzenden Vorteil, noch am Leben zu sein und sie mit einer endlosen Reihe von Fortsetzungen versorgen zu können - was er ja auch tut. Diesen Fortsetzungen mag ich übrigens auch nicht absprechen, besser und eigenständiger zu sein, aber der vorliegende Band beinhaltet zu wenig eigene Phantasie des Autoren um neben dem Original bestehen zu können.
So oder so ist das Buch in dieser Form nicht empfehlenswert, selbst wenn Sie sich im Gegensatz zu mir damit abfinden können, daß es ohnehin nur ein mehr oder minder gelungenes Plagiat ist.
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