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Shanghai fern von wo: Roman
 
 
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Shanghai fern von wo: Roman [Gebundene Ausgabe]

Ursula Krechel
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 500 Seiten
  • Verlag: Jung und Jung; Auflage: 3., Aufl. (11. Februar 2009)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3902497440
  • ISBN-13: 978-3902497444
  • Größe und/oder Gewicht: 18,6 x 15,4 x 3,6 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 330.785 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Ursula Krechel
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Ein grandioses Erzählpanorama: die jüdischen Emigranten in der internationalen Stadt Shanghai 1938.Da steht sie mitten in einer Restaurantküche in Shanghai und walkt den Teig, als ginge es um ihr Leben, und das tut es auch. Ein Strudel soll es werden, ein süßer natürlich, aber dann füllt sie, was noch übrig ist, mit zartem Gemüse, und auf einmal hat sie der chinesischen Küche etwas hinzuerfunden, was niemand mehr missen möchte: die Frühlingsrolle. Franziska Tausig ist eine von vielen, der Berliner Buchhändler Ludwig Lazarus ist ein anderer, und am Ende waren es achtzehntausend Juden, die seit 1938 eines der letzten Schlupflöcher noch nutzen konnten und so im fernen fremden Shanghai überlebten. Sie kamen ohne Visum und Illusionen mit einem Koffer und zehn Reichsmark in der Tasche, Anwälte, Handwerker, Kunsthistoriker, und wenn sie in dieser überfüllten Stadt und dem feucht drückenden Klima zurechtkommen wollten, dann waren Erfindungsgabe und Tatkraft gefordert. Nicht jeder war, nach dem, was hinter ihm lag und vor ihm, dazu imstande. Atemberaubend vielstimmig und vielschichtig erzählt Ursula Krechel davon. Aus langjährigen Recherchen entstand so der Stoff zu einem weitgespannten erzählerischen Bogen, der den Leser in eine Welt bringt, die einem näher ist als erwartet.

Über den Autor

Ursula Krechel, geboren 1947 in Trier. Studium der Germanistik, Theaterwissenschaften und Kunstgeschichte. Lehrtätigkeit an verschiedenen Universitäten. Erste Lyrikveröffentlichungen 1977, danach erschienen Gedichtbände, Prosa, Hörspiele und Essays. 2009 erhielt Ursula Krechel den "Joseph-Breitbach-Preis". Die Autorin lebt in Berlin.

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Kundenrezensionen

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
16 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
am anderen Ende der Erde 31. März 2009
Von Frauke K.
Format:Gebundene Ausgabe
Bei diesem Roman, der prallvoll mit geschichtlichen Informationen ist, handelt es sich um eine echte Rarität!
Der Text ist poetisch und anschaulich, er liest sich leicht und ist gleichzeitig literarisch höchst anspruchsvoll. Der Leser erfährt tausende von Einzelheiten über die mühsamen Unternehmungen der Exilanten, ohne dass jemals der Eindruck einer "trockenen" Tatsachensammlung entstehen würde. Im Gegenteil: Spannend und farbig wird die fremde Welt am anderen Ende der Erde geschildert, man meint förmlich in die Gerüche und Geräusche der Stadt Shanghai hineingezogen zu werden.
Trauriger wird es in der zweiten Hälfte, wenn die Exilanten in ihr altes, ihnen zu Teilen fremd gewordenes Heimatland zurückkehren. Aber auch hier ist die Sprache stets von ausgesuchter Präzision und Klarheit.
"Shanghai fern von wo" ist eine selten anzutreffende und sehr gelungene Mischung aus exotischer Erzählung und Dokumentation einzelner Exilantenschicksale und als solche sehr lesenswert!
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23 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von J. Seidel
Format:Gebundene Ausgabe
Die Spannung dieses Buches verbirgt sich nicht in seiner Handlung, sondern in den wechselnden Stimmen des Erzählers in seiner auktorialen Wendigkeit und eleganten Springlust quer durch die grausame Welt eines vergessenen Exilelends. >Shanghai fern von wo< ist einer jener seltenen Romane, die aus dem Sternenstaub von Archivdaten zusammengesetzt wurden. Entstanden ist eine Montage aus Dokumenten und Erinnerungen von Juden, die ab 1938 in das Schwarze Loch des >internationalen Settlements< Shanghai vertrieben wurden - ca. 18.000 Deutsche, die nicht ahnten, dass die NS-Schwerkraft bis nach China reichte und sie, mit Unterstützung der verbündeten Japaner, auch dort noch immer tiefer in den Abgrund ziehen sollte.

Franziska Tausig, die Erfinderin der Frühlingsrolle, der Buch- und Informationenhändler Ludwig Lazerus, der Benjamin-Freund und Kunsthistoriker Lothar Brieger, das Ehepaar Max und Amy Rosenbaum (Schaufensterdekorateur und Handschuhmacherin), der Uhrmacher Ernst Kronstein, der Arzt Dr. Wolff - so heißen die >Shanghailander<, wie sie sich selber nannten. Sie und andere sind die Menschen des Romans, nicht die >Figuren<. Je länger man liest, umso mehr schmeckt das Archiv hindurch - aber nicht als Staub oder Datenmenge, sondern als lebendige Vergangenheit.

Eine wichtige Qualität dieses Romans ist, dass auf fast jeder der 500 Seiten der Kampf um die Balance zwischen Inhalt und Form gewonnen wird, zwischen Erlebnissen, Gedanken und Gefühlen und einer Chronistenstimme, die keine ist, weil sie Leben hat und Wärme. Es ist das glückliche Zusammentreffen einer Menge nüchternen Materials mit der Lyrikerin Ursula Krechel. Überall klingt sprachlich-musikalische Sorgfalt hindurch: Die Beschreibung einer ehelichen Szene etwa wird zu einer Art Trostgedicht in Prosa, in welchem der Mann, beladen mit den alltäglich zu ertragenden Demütigungen und Enttäuschungen in das dürftige Zuhause zurückkehrt und nichts besitzt außer der Liebe zu seiner Frau, die bis auf weiteres für ihn lebensrettend ist.

Der Poesie von Ursula Krechel gelingt es, das Archiv den Weg zurück ins Leben finden zu lassen. Der Chronist hat eine Dichterinnenstimme. Ludwig Lazerus, so liest man, habe gesagt: >Der Mensch muß ein großes Herz haben, damit ein Schiff darin wenden kann.< (p250) Das Schöne an diesem Satz ist, dass der Leser genau in der Mitte des Buchs (wo ein Schiff getrost wenden kann) nicht mehr wissen möchte, ob die Worte dem Archiv entnommen oder erfunden wurden. So soll es sein!

Wer hofft, das Jahr 1945 brächte den Shanghailandern ein Ende ihres Elends, irrt gewaltig. Lothar Briegers Rückkehr nach Berlin am Ende des Romans ist die vielleicht bedeutungsschwerste Passage. Notorisch unfähig, sich ihrer Schuld bewusst zu werden, behindern die zuständigen Protagonisten der jungen, sich spreizenden Bundesrepublik die Rückkehr und Entschädigung der Naziopfer. Und obwohl sich diese Dinge im Roman vor Jahrzehnten zutrugen, gewinnt das Buch an seinem Schluss eine beklemmende Aktualität: Der Leser entsinnt sich der Peinlichkeiten um Entschädigungszahlungen an die wenigen noch lebenden NS-Zwangsarbeiter - und vergleicht die Summen mit den Zahlen unserer Krisengegenwart!
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Winfried Stanzick HALL OF FAME REZENSENT TOP 10 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Nach der Pogromnacht am 9.11.1938 war es für viele deutsche und österreichische Juden endgültig klar. Sie mussten schnellstens das Land verlassen, um der Deportation in die Konzentrationslager zu entgehen. Vieltausendfach ist seit dieser Zeit beschrieben worden die Tragik von Flucht, Ausreiseverhandlungen, Passierscheinen und Ablehnungen derselben. Viele suchten in Nord- und Südamerika Zuflucht, andere auch in den europäischen Nachbarländern, die sich dann aber oft als nicht sicher erwiesen, weil sie im Laufe des im September 1939 von Hitler begonnenen Zweiten Weltkrieges von den Nazis besetzt und sofort mit ihren entsprechenden Judengesetzen überzogen wurden. So wurden Länder wie Holland, Norwegen und Frankreich oft zu tödlichen Zufluchtsfallen für viele Juden.

Der vorliegende Roman der Schriftstellerin und Lyrikerin Ursula Krechel erzählt von einem historischen Zeitfenster, das insgesamt 18.000 Juden aus Deutschland und Österreich eine schnelle und nur kurz andauernde Möglichkeit bot, ihr Leben zu retten. In ihrem Buch "Von Wien nach Shanghai" hat Vivienne Jeanette Kaplan 2006 schon davon berichtet, wie ihre Familie bei dieser einmaligen Gelegenheit ihr Überleben sicherte.
1938 hatten die Japaner Shanghai besetzt und so total vom Festland abgeschirmt. Vom Meer aber war es ohne Visum erreichbar und diese Gelegenheit war für 18.000 Menschen jüdischer Abstammung lebensrettend. Sie hatten kurzfristig eine Schiffspassage nach Shanghai ergattert und sahen ihrer neuen Zukunft mit großer Hoffnung entgegen. Zu Hause in Wien oder Berlin wurde Shanghai schnell zur "Arche Noah", dem alten Bild der Rettung vor einer vernichtenden Flut.
Dass sie bei ihren unfreiwilligen und völlig ahnungslosen Gastgebern nicht gerade willkommene Gäste waren, war für alle nicht nur überraschend, sondern ein Schock. Wenn man den vorliegenden Roman liest, spürt man fast auf jeder Seite, das sich die zu Hause so schön imaginierte "Arche Noah" als ein Zufluchtsort herausstellte, in dem unsägliche Not und nacktes Elend, beißender Hunger, schlimme Krankheiten und totale Unfreiheit herrschte.

Ursula Krechel hat für dieses wirklich großartige Romanprojekt, in dem sie das Schicksal jüdischer Emigranten in Shanghai detailliert beschrieben hat, viele Jahre recherchiert. Das Buch hat sie auf eine auch sprachlich und künstlerisch gelungene Weise aus zahllosen authentischen Berichten zusammengefügt, die sie vor allem in der Wiener Library in London, aber auch in vielen anderen Archiven gefunden hat.

"Was ist Tausig für ein Mensch ?" So beginnt ein 500 - seitiger Roman, der nicht nur die Geschichte jenes jungen Rechtsanwaltes aus Temesvar, Tausig, und seiner Frau Franziska erzählt, sondern auch die seines Freundes Ludwig Lazarus, den er auf der Flucht kennen lernt, ein Berliner Buchhändler.
Es wird erzählt von Uhrmacher Kronheim, dem Kunsthändler Brieger und den Rosenbaums, die mit einem Koffer voller Lederhandschuhe nach Shanghai gekommen sind, weil sie dort einen Handel beginnen wollen.

Mittendrin hat Ursula Krechel wie in einer Art künstlerischem Selbstgespräch Stellen eingeflochten, wo sie große Künstlerschicksale beschwört, etwa als sie Lothar Brieger Briefe an Walter Benjamin nach Paris schreiben lässt, die allerdings unbeantwortet bleiben, oder indem sie Virginia Woolfs Selbstmord erwähnt und Gertrude Steins Hund.
Die Autorin begleitet auf eine ganz eigene Weise ihre Protagonisten zwischen 1938 und 1948 durch einen Abgrund. Dabei erfindet sie ziemlich wenig, stützt sich immer wieder auf Briefe und Berichte, und schreibt auch über den vom damaligen jungen Rundfunkattache Erwin Wickert geleiteten NS-Propagandasender.

Besonders die Rückkehr der Protagonisten nach Deutschland ist genauestens dokumentiert. Es treibt einem die Tränen in die Augen zu lesen, wie diese Menschen wie Ludwig Lazarus, Ernst Kronheim und Lothar Brieger damals behandelt und "entschädigt" wurden.
Ursula Krechel hat viele Details in ihren Roman einfließen lassen und viele politische Anmerkungen gemacht. Entstanden ist ein wunderbarer , großer und ernster Roman, der sich liest wie ein Geschichtsbuch und der in der Reihe der Literatur des jüdischen Exils nach 1938 einen ganz besonderen Platz einnehmen und auch behalten wird. Da ist sich der Rezensent sicher.

Dem kleinen Jung und Jung Verlag kann man zur Veröffentlichung dieses bewegenden Überlebensromans nur gratulieren. Er ist ein weiterer Meilenstein in einem beachtlichen Verlagsprogramm.
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