Stereoplay
Was kann man von einer zeitgenössischen Blues-Produktion erwarten? Traditionspflege? Heldentribut? Mut zu neuen Ausdrucksformen? Sicherlich eines: Die Musik sollte die Persönlichkeit des Künstlers spiegeln. Der Amerikaner Robert Cray, dessen kürzliche Ausflüge in seichten Softsoul enttäuscht hatten, wird mit seinem neuen Album "Shame & A Sin" wieder dem Anspruch gerecht, der legitime Erbe von B.B. und Albert King zu sein. Auf der schlichten und dennoch facettenreichen Produktion groovt er in der sanften Stimmlage eines Sam Cooke durch zehn Zwölfakter, in denen sich die traurigen wie die hoffnungsvollen Elemente einer klassischen Bluesnummer finden: ein schöner Beitrag zum Fortbestand des Blues. Dem Veteranen Taj Mahal war vor zwei Jahren mit "Like Never Before" ein großer, mutiger Wurf gelungen (siehe stereoplay 9/91). Nun baut Henry Saint Clair Frederick wieder verstärkt auf traditionelle Elemente. In "Dancing The Blues" (Private Music/BMG Ariola 01005 21 112 2, 48:21, I:08, K:07, R:08) spielt er mit prominenter Unterstützung (Bill Bayne, Bob Glaub, Richie Hayward) erdige Rhythmen und Riffs. Neben einer fulminanten Neuauflage des Klassikers "Mockingbird" mit Etta James sind es bemerkenswerte Coverversionen aus dem Repertoire von Howlin' Wolf, Otis Redding und T-Bone Walker, die das vorliegende Album zu einem ungeschliffenen Juwel machen. Auch Robben Ford & The Blue Line feilten an rohem Material, um Perlen zu gewinnen: Auf "Mystic Mile" (GRP GRS 00082/BMG Ariola, 55:57, I:06-08, K:07, R:06) polierte das Powertrio an einem Bluesrock Marke Cream. Explosiv geriet die Interpretation des Cream-Oldies "Politician", die restlichen zehn Songs balancieren zwischen Rock, leichten Jazz-Anklängen und kernigem Zwölftakt-Feeling. ** Interpret.: 06-08
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