Aus der Amazon.de-Redaktion
Das Booklet strotzt nicht gerade vor Informationen, "Mixed and Produced by Laszlo Fogarasi Jr." muss erstmal genügen. Das Foto daneben zeigt das "Studio", in dem dieses wunderschöne eklektische Downbeat-Album entstand: Ein PC Mini-Tower älteren Baujahrs, links daneben ein paar undefinierbare schwarze Kästen und rechts außen das wohl wichtigste Instrument, ein Plattenspieler inklusive "Rohstoff" -- diverse Schallplatten liegen auf dem Fischgrätparkett verstreut.
Weitere Anhaltspunkte ergeben sich aus der Tatsache, dass dieses spannende Debüt auf dem Heidelberger Mole-Label erscheint, das der Welt auch schon De-Phazz, Lemongrass und die eleganten Science-Fiction Jazz-Compilations gegeben hat. Shallow & Profound ist übrigens keine clevere Sample-Platte, denn neben dem erst 19-jährigen Laszlo spielen 9 weitere Musiker mit, vom bereits erwähnten Turntable über Saxofon und Vibrafon bis hin zu Akkordeon und Kamm. Sie produzieren Erstaunliches: "Cantaloupe Island" (von Herbie Hancock) als Solo für Akkordeon, ein Instrumental-Stück namens "Ohne Chanteuse" sowie "Riders On The Storm" ohne Jim Morrison, dafür mit einem feinen Downtempo-Breakbeat. Größtenteils baut Yonderboi jedoch auf eigene Kompositionen und sein Gefühl für atmosphärische Arrangements. Der junge Ungar mischt britischen Trip Hop, Wiener Downbeat, Französischen Hip Hop mit Ambient, Bar Jazz und eigener Folklore-Tradition zu einem dekadent-genialen Cocktail zusammen. Wie beim Absynth ist Vorsicht geboten, Yonderboi macht womöglich süchtig und benebelt die Sinne. --Christian Arndt
DE:BUG
Yonderboi aus Ungarn ist, wie man schon auf seinen EP`s feststellen konnte, eine merkwürdige Person. Auf seinem ersten Album wird einem sofort diese Verknüpfung einer sehr alten, traditionellen Musikalität und dem urbanen Stilbewusstein klar, das diese Tracks antreibt, stellenweise weit über das hinaus, was man normalerweise als Kitsch nicht mehr wahrnehmen könnte. Womit er soetwas wie die Sade Ungarns geworden ist, die von seinen Freunden Herbie Hancock Tracks auf dem Akkordeon einspielen lassen kann, oder einen Track über ein knisterndes Stück Vinyl scratcht, das die Zeit bewahrt, über die man sich in sie hineinbegeben kann. Eine Platte, die sehr viel an Instrumentierung nahezu gleichberechtigt neben die elektronischen Parts stellt. Die Samples und Beats, dabei aber weder so klingen, als wollte eine Band plötzlich umschwenken, als ging es darum, den Musiker wieder auszurufen. Stellenweise erinnert das an Easy Listening, ist aber im Umgang mit dem Material weniger eklektizistisch, eher ernst, ohne dabei seinen Humor zu verlieren, und eben weit mehr an einer HipHop Szene, wie sie vielleicht die frühen Yellow Tracks nahegelegt haben. Sehr ungewöhnlich, aber ungewöhnlich gut.
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