Der ehemalige US-Botschafter in Indien, Max Ophuls, wird vor den Augen seiner Tochter ermordet. Von seinem muslimischen Chauffeur. Dieser Mord war das Resultat einer Affäre, die bereits viele Jahre zuvor stattfand. Salman Rushdie schlägt den Bogen bis zurück ins Jahre 1910 als Max Ophuls geboren wird und bettet diese zuerst rein private Rachegeschichte in die geschichtlichen Wirren um Kaschmir.
Wie man sieht, gehöre ich mit dieser 3-Sterne-Rezension zu einer Minderheit, aber dieses Buch hat mich einfach nicht überzeugt. Es ist mir unterm Strich zu oberflächlich. Natürlich ist es über weite Strecken ein typischer Rushdie, in einer überbordender Sprache erzählt, sehr bunt und bilderreich, in orientalischem Flair. Das aber diesmal nicht ganz so stark wie in früheren Werken, was über weite Strecken sehr gut ist. Leider wirkt es aber (somit) an zu vielen Stellen recht trocken, gar langatmig, so als hätte Salman Rushdie gemerkt, dass es diesmal mit seinem Mix aus privater Geschichte und politischer Historie nicht ganz so flüssig funktioniert und er den Holzhammer rausholen muss, um diverse politische Begebenheiten dem Buch und dem Leser einzuprügeln. Dabei bleiben oftmals die Figuren auf der Strecke, die meiner Meinung nach bei weitem nicht soviel Tiefe besitzen, wie andere Charaktere aus Rushdies Werken. Außerdem erscheint dann vieles zu gewollt und der Auslöser, die Affäre zwischen Max und der Mutter seiner Tochter, muss für sehr vieles herhalten, was gar nicht dem Vorankommen der Geschichte dient, sondern vielmehr nur die Thematik etwas ausbreiten will/soll. Sehr gut wiederrum gefiel mir, dass der Autor nicht versucht hat Antworten zu finden, sondern vieles nur andeutet, um den Leser Freiraum zu lassen.
Sollte man noch nichts von Salman Rushdie gelesen haben, kann man natürlich zugreifen, es ist ja immer noch ein gutes Buch über Respekt und Toleranz, sei es im Privaten oder in religiösen und/oder politischen Fragen. Aber man macht auch nicht unbedingt einen Fehler, wenn man sich (erstmal) nach einem anderen, früheren Buch umschaut. "Shalimar der Narr" war mein 4. Rushdie und wie ich finde bei weitem nicht der beste, allerdings auch nicht der schlechteste.