Klang: für DVD Verhältnisse, gut. High End Klang gibts ohnehin nur über die entsprechende Stereoanlage. Womit ich meine AV Zweitanlage natürlich nicht abwerten möchte ;-))
To the Point: dieser Mensch beeindruckt in nahezu jeder Hinsicht. Da ist vorrangig Shakiras gute und unnachahmliche Stimme, die live noch lebendiger und emotionaler wirkt. Musikalische Bandbreite (Rock, Volk, Latin, Indy) ist bei der Kolumbianerin mit arabischen Blut und Fable für Led Zeppelin vorhanden und ihre Songs schreibt und komponiert sie selbst. Musiker die kein Instrument spielen, sind mir suspekt. Nun, Madam weiß anscheinend wozu eine Gitarre noch gut ist, außer nur um gehangen zu werden und scheut auch nicht vor der korrekten Bedienung einer Schießbude oder Mundharmonika zurück. Begleitet wird dies von einem Bauchnabel, der ihr einzig ruhendes Körperteil auf der Bühne zu sein scheint. Zentrum ihres kaum zu beschreibenden Bewegungstalentes eben, welches schlauere Leute als kindliche Sinnlichkeit bezeichnen. Nach eigener Aussage hat sie Bauchtanz nie gelernt, muss also an ihren Genen liegen. Emotionaler Ausdruck ist ebenfalls ihr Ding und so bringt sie alle Stimmungslagen, ob Zorn, Glück, Trauer oder reine Lebensfreude glaubhaft auf die Bühne.
Und sie braucht Nähe. In ihrer Familie vermutlich ebenso wie zu ihren exzellenten Musikern (Ben Peeler an der Steel Guitar ist eine Wucht) als auch ihrem Publikum. Man spürt bei diesem Konzert in Miami, wie sie sich, auf Grund des hohen spanisch sprechenden Anteils im Auditorium, noch mehr reinhängt. Beinah schon unecht wirkt hier, wie das Publikum beeindruckend gut mit- oder gar allein singt. All dies kombiniert mit ihrem offensichtlichen Showtalent, welches angenehmer Weise auf überfrachtendes multimediales Beiwerk verzichten kann, lässt sie Gäste auf der Bühne fast schon brutal alt aussehen. La Tortura, eins der vielen musikalischen Highlights der Show, singt sie mit dem spanischen Schmusebarden Alejandro Sanz, der vom Publikum frenetisch empfangen wird. Mit Auftakt des Songs bedarf es dann lediglich zweier unnachahmlicher Körperbewegungen Shakiras um alle Kreischer wieder auf sich zu zentrieren - und klar zu stellen, wer hier der Boss ist.
Nun zum Kontrast
Erst die gelungene Show Shakiras vor einem Haufen gut aussehender (in Miami Gesetz) Leute in bester Partylaune - und dann die Armut in Kolumbien. Die Kurzdokumentation (Barefoot)von Shakiras Arbeit als UNICEF Beauftragte und ihre Projekte (u.a. Schulen in Kolumbien) stimmen nachdenklich und fördern meine Bewunderung für diese Frau. Was sie noch alles für die Welt tut, würde hier zu weit führen, kann der geneigte Leser jedoch auf ihrer offiziellen deutschen Website nachlesen.
Die Kurzdoku über ihren Kraftakt Welttournee in 397 Tagen, hinterlässt bei mir nur eine Frage: wie hat sie das geschafft?
Aufrichtige Bewunderung also meinerseits. Für dieses Konzert, als auch für Shakira als Künstlerin und Mensch.
PS:
Die DVD Live & off the Record bietet eine ähnlich gute Show, ist klangtechnisch jedoch etwas schlechter. Klangfeldmanipulation am AV hilft.