Wer Shakira hört, bevor er sie sieht, hat den Vorteil sie nicht per Vorurteil in die Schublade jener fremd produzierten Hupfdolen zu stecken, welche lediglich hübsch anzusehen und bestenfalls noch einer netten Stimme vorweisen können. Frau Mebarak zeigt, dass es auch in der Pop-Musik noch Könner und Künstler/innen gibt. Die Junge Dame ist intelligent, spricht mehrer Sprachen, komponiert, textet und arrangiert selbst, ist live noch besser als im Studio, verfügt über eine beeindruckende stimmliche Bandbreite (selten in der Musikszene), versieht ihre Songs mit authentischen Gefühlen - welche sie live bis ins Publikum trägt - und setzt diese Talente mit der ihr nachgesagten Perfektion um, ohne dabei jene Grenze zu überschreiten, welche die Verbindung zu ihren Hörern abreißen ließe. Einfacher ausgedrückt: sie macht Musik, ist beeindruckend gut darin - und bleibt dabei echt. Wenn Shakira sich von anderen guten Musikerinnen, wie Alicia Keys, Katie Melua oder auch Amy Winehouse abhebt, ist dies in ihrer Vielseitigkeit begründet, deren maximal mögliche Umsetzung, sie sich ganz bewusst - und klug wie sie ist - dadurch bewahrt, indem sie sich sich für das Pop-Genre entschieden hat. Vermutlich wäre sie auch als reine Rockmusikerin erfolgreich. Freiraum, ob musikalisch oder auf der Bühne, braucht dieser lateinamerikanische Wirbelwind.
Wenn die Kolumbianerin darüber hinaus (ohne XL-Malkasten im Gesicht) auch noch eine Schöne ist und sich auf Grund ihrer arabischen Gene hinreißend bewegen kann... na ja, das wollen wir ihr dann mal nicht vorwerfen ;-)
Für die Bildfetischisten: das (nicht HD) Bild ist Mittelmaß, wohingegen die Kameraführung und Schnitt, auf Grund der fehlenden (sonst leider üblichen) Hektik, gelungen sind.
Für uns Audiophile: auch Mittelmaß, jedoch immerhin gut genug abgemischt, dass diese DVD auch laut hörbar ist. Die Bässe halten sich also in realistischen Maßen. Breitenstaffelung ist - sagen wir mal, vorhanden. HighEnd gibt's eh nur über die Stereoanlage.
Nun zu den eigentlichen Werten:
Shakira:
Ihre Stimme ist auf Grund der Bandbreite, spannend. Ob Ballade, Rock, Blues, Latin, sie macht und kann alles. Tonal kommt sie in beide Richtungen sehr weit. Ihre bei Bedarf hinreichend vorhandenen Dezibel, samt dem für sie typischen Vibrato, verhinderten zwar seinerzeit eine Aufnahme in den heimatlichen Kirchechor, da sie schlicht alle übertönt hätte (kein Witz), sind für Live Auftritte hingegen wie geschaffen. Innerhalb eines Songs, um des Ausdrucks willen, von Frauen- auf Mädchenstimme umzuschalten (ohne dabei albern zu wirken) ist noch ihre einfachste Übung. Bei Balladen geht sie spürbar in sich und nimmt das Publikum gekonnt mit. Man wartet regelrecht auf die zugehörigen Tränen. Diese rollen dann bei den Zuschauern. Dem entgegen versteht sie es nicht minder, die aufmüpfige Rebellion eines kolumbianischen Straßenkindes in Stimme, sowie Gesichts- und Körperausdruck zu legen. Gefühle sind ihr Ding und man glaubt ihr was sie da singt (Untertitel fehlen hier leider s. dafür MTV-Unplugged) Mit Back in Black, lebt sie absolut überzeugend, ihre bekannte Jugendvorliebe für Rockmusik aus. Röhre ist der richtige Ausdruck für diese Hammerstimme. Zwischendurch greift sie selbst zur Gitarre (Invitable), gern auch mal Schlagzeug (Rules) und eine Mundharmonika ist ihr auch nicht suspekt. Eine überzogene Bühnenshow braucht dieses Energiebündel hingegen nicht. Sie beansprucht ohnehin die gesamte Fläche, u.a. für ihre Tanzeinlagen, die es ebenfalls in sich haben. Überhaupt ist sie ständig in Bewegung und kommuniziert nonverbal ununterbrochen mit dem Publikum oder ihrer Band. Positiv vermerkt sei auch, dass fast jeder ihrer Songs anders - und nicht im Geringsten schlechter - als die Studioaufnahmen arrangiert sind. Sie und ihre Musik entwickeln sich weiter, womit sie ihrer eigenen Denke Rechnung trägt - Zitat: "Warum etwas gut machen, wenn es sich sehr gut machen lässt? Warum etwas sehr gut machen, wenn es umwerfend sein könnte?" In dieser Hinsicht erinnert sie mich an einen anderen Perfektionisten mit Hang zur ständigen Veränderung - namentlich Peter Gabriel. Die Kolumbianerin kann etwas und ihr Erfolg ist mehr als berechtigt.
Band:
Es gilt inzwischen als bezeichnend, dass Shakira hochklassige Musiker um sich schart. Tim Mitchel, musikalischer Direktor, Lead-Gitarrist, Mitkomponist und ihr wohl auch ein guter Freund, schaut man gerne auf die Finger (s. Solo Back in Black). Bei Invitable hat Mitchel, des schnelleren Wechsels wegen, zu Beginn zwei Gitarren am Mann. Sieht man heute kaum noch. Rafael Padilla an den Percussions ist ein Meister - und Frau Mebarak kann bei dessen Spiel kaum den Körper ruhig halten (s. Bandvorstellung). Ben Peeler (hier leider nicht dabei) ist ein begnadeter E- und Steelgitarrist, der auch sphärische und arabische Klänge aus den Saiten zaubert und damit bei Shakira ins Schwarze trifft (MTV Unplugged/Oral Fixation). Der Kubaner Albert Menendez an Piano und Keyboards (Tu) ist ebenfalls ein Könner und Brenden Buckley (Drums) ohnehin seit Jahren ein fester Bestandteil Shakiras Band.
Die Jungs sind kein Showbeiwerk in irgendwelchen bunten Fräckchen, sondern Handwerker, die ihren Job verstehen und sichtlich Spaß daran haben.
Apropos Fräckchen: Frau Mebarak beweißt auch in ihrer Kleiderwahl Stil. Ihr Verzicht auf jedwedes Schuhwerk, überrascht zu Anfangs, erklärt sich jedoch spätestens, wenn man sie (bauch-)tanzen sieht.
Fazit und Empfehlung:
Beeindruckendes musikalisches Machwerk der Südamerikanerin samt ihrem Team.
Allen Musikliebhabern die Genre-übergreifend für gute Musik zu haben sind, sei diese DVD empfohlen. Ebenso jenen, die einen guten Live-Gig sehen wollen. Diese DVD schaut man sich mehrmals an, was zum einen in der musikalischen Abwechslung zum anderen auch im Können und der offensichtlichen Spielfreude aller Beteiligten begründet ist. Und - ich will ja nicht heucheln - man(n) sieht der jungen Dame auch gerne beim Tanzen zu ;-)