Der Urheberrechtsanwalt Jacob "Jake" Mishkin - väterlicherseits Jude, mütterlicherseits Antisemit - soll, im Auftrag eines schwulen britischen Literaturprofessors, ein Manuskript aus der Zeit der ersten Stuartkönige verwahren. Dieses Manuskript wiederum hat der Antiquariatsgehilfe Albert Crosetti gemeinsam mit seiner Kollegin Carolyn (in die er verliebt ist) als Makulatur eines Bucheinbandes zufällig entdeckt. Das Manuskript deutet an, wo sich ein bislang unbekanntes Drama William Shakespeares über Maria Stuart befindet. Leider sind die Hinweise verschlüsselt. Es ist keine Frage, dass die Entschlüsselung der Texte, und gar das Auffinden eines weiteren Shakespeare-Stückes, die Literaturszene revolutionieren würde. Kein Wunder also, dass sich verschiedene Institutionen einschalten, um in den Besitz der Urkunden zu gelangen, die weder vor Mord noch Erpressung zurückschrecken. In dieser kritischen Sitution formt sich aus dem naiven Filmfreak Crosetti und dem Stemmer und Juristen Jake fast so etwas wie ein Team.
Eine schwungvoll geschriebene, witzige Humoreske nicht nur um ein Literaturthema. Mit den Familien des "braven" Crosetti und des "bösen" Schwadroneurs Jake lebt der Leser richtig mit, zumal Mishkin über weite Passagen als Ich-Erzähler fungiert. Wer Perez-Reverte mag und T.C. Boyle nicht verachtet und Slapsticks a la Chandler oder Jakob Arjouni genießen kann, der ist hier am richtigen Ort. Eine humorvolle Groteske und Schnitzeljagd rund um William Shakespeare mit romantischen, frivolen und psychologischen Wendungen in sprachlich einwandfreier Fassung und kongenialer Übersetzung (Ulrike Seeberger). Jakes Passagen erinnern an Menasse, Arjouni und Chandler, an sich schon ein guter Mix. Keine Esoterik, nein, hier prallen wirtschaftliche Interessen und saftiges Gangstertum im Realo-Stil aufeinander. "China Town" und "Der Malteser Falke" werden nicht zu Unrecht mehrfach zitiert. Ein rechtes Lesevergnügen. Für die doch recht zahlreichen Druckfehler kann der Autor nichts.