Shakespeares Königsdramen gehören zweifelsohne zu den Meisterwerken der Literatur, die man sich dauernd vornimmt zu lesen, es aber irgendwie nie ganz hinbekommt. In den tragischen Geschichten um Richard II, Heinrich IV und Heinrich V kommen Dinge zur Sprache, die bis heute aktuell sind. Es geht um Ehre ("Was ist Ehre? Ein Wort. Was steckt in dem Wort Ehre?" Falstaff in König Heinrich IV, 1. Teil), Liebe und Gerechtigkeit. Es geht um Rache und um erbitterte Kämpfe und es geht ums Saufen, "weil im Wein liegt das Wahre" (Valentin Staffinger in Die ehrhaften Abenteuer vom Heinzi und am Staffinger).
Was für eine fulminante Bearbeitung der Königsdramen über die Rosenkriege! Hätte Shakespeare seine Lancaster-Tetralogie nicht schon Ende des 16. Jahrhunderts verfasst, könnte man glatt glauben, dass er bei Curt Werner und Oscar Schmidt abgeschrieben hat, denn auch der zweite Teil von "Da Shakespeare auf Bairisch" steht dem Original in keiner Weise nach. Es ist eine Freude, diesem "dramatischen Weltliteraturhoagartn" beizuwohnen.
In der "Gschicht vom Pfleger Langkastner" (!) geht es um den rigiden Ehrbegriff, der Kaspar Langkastner dazu treibt, nicht nur den Wilderer aus dem Geschlecht der Jorgl (!), sondern auch seinen eigenen Sohn in die Verbannung zu schicken. Vor dem historischen Hintergrund der sich wandelnden Situation in Bayern im Jahr 1597 (Regierungsantritt des Kurfürsten Maximilian I.) bekommt die Geschichte auch den entsprechenden sozialkritischen Anstrich. Überaus spannend und lebendig wird die Geschichte um die verfeindeten Familien, die Jägersippe Langkastner und die Wilderer vom Jorgl-Hof, erzählt.
"Die ehrhaften Abenteuer vom Heinzi und am Staffinger" greift die unglückliche Beziehung der beiden Häuser erneut auf. Analog zum englischen Vorbild zieht der Heinzi mit dem Weinliebhaber Valentin Staffinger um die Häuser. Der bairische Falstaff wird hier treffenderweise als dick wie ein "auseinandgfallener Semmelknödl" charakterisiert - sehr schön! Thematisiert wird hier die Zeit der Napoleonischen Kriege.
Wie bereits im ersten Teil von Da Shakespeare auf Bairisch sorgen hochkarätige Schauspieler wie Conny Glogger (Erzählerin, Jorglin, Radigunde, Urschl, Burgl), Ferdinand Dörfler (Lenz Langkastner, Sepp, Heinrich Langkastner), Winfried Frey (Prolog, Clement Jorgl, Quirin, Peter Jorgl, Girgl u.a.) und Peter Weiß (Kaspar Langkastner, Harti, Bartl Langkastner, Valentin Staffinger) dafür, dass die Hörbücher unglaublich authentisch und wunderbar herzhaft interpretiert sind. Die musikalischen Einlagen, Wilderergstanzln, Volksweisen und Militärmärsche (Toni Bartl jun., Daniel Neuner und Eduard Schönach) tragen weiterhin dazu bei, dass man davon ausgehen kann, dass Shakespeare seine wahre Freude an dieser Darbietung gehabt hätte.
Unbedingt anhören!