Bryson erneut in Höchstform mit einem Buch, das all seine Techniken und Talente als Autor widerspiegelt: komprimiert informativ, humorvoll, mit dem Blick für kleinste Details, sachlich neutral, unsentimental und in schnellem Erzähltempo. Was beim hier gewählten Thema in höhere Kunst ausartet -- es ist einfach unglaublich schwierig, über Shakespeare 200 sinnvoll faktisch belegte Seiten zu verfassen, von dem außer seinen Werken nur wenige Lebensdaten bekannt und überliefert sind (geboren in Stratford-on-Avon, gründete dort eine Familie, ging nach London, wurde dort Schauspieler und Autor, kehrte zurück nach Stratford, verfasste ein Testament und starb). Bryson ergeht sich in keinerlei Spekulationen (wie es viele andere Shakespeare-Biographen tun), versucht jedoch, auf sehr unterhaltsame Art die üblichen kursierenden Gerüchte und Falschmeldungen zu widerlegen (dass z.B. Shakespeare gar nicht der Autor seiner Werke sei, sondern Bacon oder der Earl of Oxford). Bryson liefert -- in Ermangelung sicherer Fakten zum Leben Shakespeares -- eine Menge gut recherchierter Hintergrundinfos zur Zeit und den Orten, den damaligen Theatern und natürlich zu Shakespeares Werken, gespickt mit amüsanten und überraschenden Details (unter Vermeidung der Bryson-typischen Gags und Witze).
Die Biographie empfiehlt sich für Shakespeare-"Anfänger" und -Freunde, die kompakte, unterhaltsame und originelle Abhandlungen mögen -- Bryson-Fans haben sowieso erneut Kaufpflicht. Wer nach der Lektüre "Blut geleckt" hat, sollte zur Vertiefung "The Age of Shakespeare" von Frank Kermode probieren.