Dieses Buch lebt von der Begeisterung für sein Thema. Wobei dieses Thema nicht ausschließlich die Biographie des Dramatikers ist. Über dessen Leben hat sich nämlich angesichts seiner Bedeutung eher wenig nachweisbares erhalten. Statt dessen geht es hier um das elisabethanische England in all seinen Details. Da kennt sich Ackroyd, der durch seine Stadtgeschichte Londons bekannt ist, exzellent aus. Und dann geht es natürlich auch um die Kunst Shakespeares, um seine Stücke und Sonette. Und hier hat Ackroyd, der sich auch schon mal mit den "Origins of the English Imagination" beschäftigt hat, eben auch viel zu sagen.
Über das Werk und seine Umwelt dem großen Dichter nach zu spüren, ist sicher ein sinnvoller Ansatz. Denn diese Biographie ist dadurch ein spannendes, kluges und hervorragend lesbares Buch geworden. Man merkt regelmäßig, dass es Ackroyd hier gleich auf zwei Zielgruppen abgesehen hat. Für den Normalleser gliedert er die ca. 600 Seiten in übersichtlich kleine Kapitel, schreibt viel von Zoten und Obzönen in den Stücken (man möchte dabei fast an den Humor von 2 1/2 Men denken). Und wenn etwas im Leben des Dramatikers dann reine Spekulation ist, dann entscheidet sich Ackroyd mit leichtem Augenzwinkern einfach für die Version, die seinen Protagonisten als nochmal besonders genial erscheinen lässt. So darf dann das Buch den Dichter hemmungslos feiern, was die Leser lieben.
Darüber hinaus gibt es aber auch noch ein wenig Stoff für den Kenner. Die Vorläufigkeit des Werkes von Shakespeare im Rahmen des zeitgenössischen Theaters habe ich noch nirgendwo so gut beschrieben gefunden. Shakespeare ging es um die Wirkung auf die Zuschauer vor der Bühne. War die durch eine Änderung mal schnell zu steigern, so machte man diese mal schnell, zum Beispiel angesichts eines Schauspielerwechsels. Eine definitive, gedruckte Textfassung eines Stückes, das erscheint eher als eine Konstruktion aus späterer Zeit.
Der zweite Komplex, der hier in den Vordergrund gestellt wird, ist der schon mehrfach diskutierte Einfluss des katholischen Hintergrund des Dichters auf sein Werk. Ackroyd hält hier den Katholizismus von Shakespeares Vater für praktisch nachweisbar, während er dem Sohn eine eher abgeklärte Haltung zu den Themen Religion und Politik in den Mund legt. Es ist die Interpretation der Dinge, die einfach guter Menschenkenntnis und dem gesunden Menschenverstand am besten zu entsprechen scheint.
Das Buch mag nicht die Genialität von Shakespeare selbst haben, aber es holt aus dem Thema, was man überhaupt so machen kann. Und noch dazu macht es Lust auf einen Besuch im Theater.