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Shakespeare-Übersetzungen [Taschenbuch]

Thomas Brasch
4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)

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Kurzbeschreibung

22. April 2002
Fasziniert von der Komplexität der Shakespearschen Menschen und ihrer Sprache, hat Thomas Brasch seit Mitte der achtziger Jahre seinen Shakespeare geschaffen. Es sind die Übersetzungen eines modernen Elisabethaners: meisterhafte Aneignungen und Bearbeitungen, die sich an Shakespeares Fähigkeit messen, den längst bekannten Stoff noch einmal, aber anders und eigen zu erzählen.
Mit Was ihr wollt, dem musikalischsten aller Shakespeare-Stücke, hatte sich Thomas Brasch erstmals auf Shakespeare eingelassen: 'zufällig'. Aber von diesem 'zufälligen' Anfang hat Brasch seinen ganz eigenen, traumwandlerischen Kursus durch das Werk des Elisabethaners genommen. An Richard III. und Romeo und Julia demonstrierte er Shakespeares Humor, Witz und Zynismus in einer ebenso selbständigen wie genauen Nachdichtung. Mit Wie es euch gefällt wandte sich Brasch erneut dem Lustspiel zu, einem Lustspiel freilich, das er als "Trauerspiel" verstand - "und umgekehrt". Macbeth, die letzte der großen Tragödien Shakes peares, behauptet in Braschs Adaption äußerste Modernität: Unbewußtheit und Einbildung, Verdrängung und zwanghaftes Handeln, psychische und physische Abhängigkeit. Mit Richard II. ist Thomas Brasch nach einer längeren Pause 1999 auf seine Shakespeare-Bühne zurückgekehrt, angelockt von den Widersprüchen in der Gestalt des englischen Königs - gebannt aber auch von der genialen Müdigkeit der Shakespearschen Figuren. Schließlich hat Maß für Maß, Shakespeares schwierigstes und unheimlichstes Lustspiel mit seinen doppelbödigen Konstruktionen und dem maßlosen Format seiner Nebenfiguren, Braschs Interesse auf sich gezogen: diese ganz besondere Herausforderung für jeden Übersetzer, Interpreten und Regisseur.


Produktinformation

  • Taschenbuch: 608 Seiten
  • Verlag: Insel Verlag; Auflage: 2 (22. April 2002)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3458171010
  • ISBN-13: 978-3458171010
  • Größe und/oder Gewicht: 21 x 12,6 x 3,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 585.390 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

Buchnotiz zu : Süddeutsche Zeitung, 10.08.2002
In mancher Hinsicht haben es Übersetzungen leichter als das schweren Verpflichtungen unterliegende Original, gibt Rezensent Burkhard Müller zu bedenken: Hat eine Übersetzung ihr Haltbarkeitsdatum für die Zeitgenossen überschritten, könne das Werk sie abstreifen wie eine Schlange die zu eng gewordene Haut und sie durch eine passende ersetzen. Dieses Wagnis hat der verstorbene Schriftsteller Thomas Brasch mit seiner neuen Shakespeare-Übersetzungen auf sich genommen, berichtet Müller. Nach annähernd zweihundert Jahren scheint ihm die Shakespeare-Übersetzung von Schlegel/Tieck, die er als "großes Sprachkunstwerk" würdigt, an die Grenze ihrer Bühnentauglichkeit gelangt. Insofern hält Müller Braschs Projekt für "so legitim wie wünschenswert". Am Beispiel prominenter Passagen aus "Richard III." und "Romeo und Julia" vergleicht Müller in einer Art Wettstreit dann die Übersetzungskunst von Schlegel/Tieck und Brasch. Dabei kann Müller zeigen, dass Brasch oft näher am Original ist und dennoch einen zeitgemäßeren Ton trifft. Bisweilen treffen allerdings beide nicht ganz ins Schwarze, meint Müller. Alles in allem viel Lob für Brasch. Fazit des Rezensenten: "Brasch hat die überaus schwierige Aufgabe, dem zeitgenössischen Ohr ohne Rätsel verständlich zu sein und doch die Achtung vor Größe und Alter dieser Dichtung zu bewahren, gemeistert."

© Perlentaucher Medien GmbH
-- Perlentaucher.de

Über den Autor

1945
Am 19. Februar in Westow/Yorkshire (England) als Sohn jüdischer Emigranten geboren.

1946
Übersiedlung der Familie nach Deutschland in die sowjetische Besatzungszone.

1956
Besuch der Kadettenschule der Nationalen Volksarmee in Naumburg. Erste Veröffentlichungen in der "Lausitzer Rundschau": Fuchs, Adler und Nilpferd (Märchen).

1960
Nach Auflösung der Kadettenanstalt Schulwechsel an ein Gymnasium in Ost-Berlin.

1961
Gerhart-Hauptmann-Preis der gleichnamigen Schule für das Gedicht Mahnung der letzten Toten.

1963
Nach dem Abitur Ausbildung als Setzer, Entwässerungsarbeiter und Schlosser.

1964
Studium der Journalistik an der Karl-Marx-Universität in Leipzig.

1965
Das Hörspiel Monologe zur Nacht entsteht.
Exmatrikulation von der Universität aus politischen Gründen.

1966
Inszenierung des Vietnamprogramms Seht auf dieses Land im Theater im 3. Stock in der Volksbühne Berlin-Ost, das nach der Generalprobe abgebrochen und verboten wird.

1967
Studium der Dramaturgie an der Hochschule für Filmkunst in Potsdam-Babelsberg.

1968
Der Schallplattentext Leon Segel entsteht.
Verhaftung und Verurteilung zu 27 Monaten Gefängnis wegen "staatsfeindlicher Hetze" im Zusammenhang mit dem Einmarsch der Warschauer-Pakt-Staaten in die CSSR. Exmatrikulation von der Filmhochschule.
Haftentlassung auf Bewährung. Zuweisung eines Arbeitsplatzes als Fräser im Transformatorenwerk "Karl Liebknecht" in Berlin.

1970
Uraufführung des Stückes Sie geht, sie geht nicht in Berlin-Ost, abgesetzt nach der 2. Vorstellung.

1971
Das beispielhafte Leben und der Tod des Peter Göring (zus. mit Lothar Trolle) uraufgeführt in Berlin-Ost, nach der Premiere verboten.
Förderung der schriftstellerischen Arbeit durch Helene Weigel, Anstellung im Bertolt-Brecht-Archiv Berlin.

1972
Galileo Galilei - Papst Urban VIII. (zus. mit Lothar Trolle) uraufgeführt in Berlin-Ost, danach verboten.

1973
Die Veröffentlichung der Stücke Bericht vom Sterben des Musikers Jack Tiergarten nach Boris Vian und Herr Geiler (UA: Foyer Deutsches Theater Kammerspiele Berlin, 27. August 1999, Regie: Hilde Stark) wird nicht genehmigt.

1974
Fertigstellung des Stückes Eulenspiegel und des Jazzoratoriums Hahnenkopf (UA: Jugendklub Weißensee, Berlin-Ost, 1975, Regie: Thomas Brasch). Beginn der Arbeit an den Stücken Der Papiertiger (UA: Austin Theatre Group, Austin/Texas, 1976, Regie: Denis Schulz) und Lovely Rita (UA: Werkstatt des Schiller-Theaters Berlin, 7. März 1978, Regie: Niels-Peter Rudolph).
Produktion der Kinderschallplatten Die wilden Schwäne und Der Schweinehirt (zwei Märchen nach Hans Christian Andersen) und Vom dicken Herrn Bell, der das Telefon erfunden hat bei Deutsche Schallplatte, Litera, Berlin-Ost.

1975
Der Gedichtband Poesiealbum 89 erscheint.
Die argentinische Nacht. Eine Hundetragödie nach Oswaldo Dragúns Geschichten zum Erzählen (UA: Zimmertheater Tübingen, 19. Oktober1977, Regie: Helfried Foron) und die Übersetzung des Stückes von Norberto Ávila Hakims Geschichten (EA: Mecklenburgisches Staatstheater Schwerin, 8. August 1976, Regie: Horst Rehberg) entstehen.

1976
Beginn der Arbeit an dem Stück Rotter (UA: Württembergische Staatstheater Stuttgart, 21. Dezember 1977, Regie: Christof Nel) und an der deutschen Fassung der Geschichten zum Erzählen von Osvaldo Dragún (EA: Foyer-Café der Volksbühne, Berlin-Ost, 15. Oktober 1976, Regie: Renée Eigendorff).
Im Dezember wird eine "einmalige Ausreise zwecks Übersiedlung aus der DDR" gestattet.
Mitglied des PEN-Zentrums der Bundesrepublik Deutschland

1977
Veröffentlichung des Prosabandes Vor den Vätern sterben die Söhne (Rotbuch Verlag) und des Sammelbandes Kargo.32. Versuch auf einem untergehenden Schiff aus der eigenen Haut zu kommen.
Lessing-Preis der Stadt Hamburg und Stipendium aus dem Fond zum Gerhart-Hauptmann-Preis der Freien Volksbühne Berlin. Erster Aufenthalt in den USA. Tätigkeit als künstlerischer Berater des Generalintendanten der Staatlichen Schauspielbühnen Berlin.

1978
Lucie, geh oder Das Unglück aus dem Theater entsteht und die Übersetzung und Bearbeitung des Stückes Platonow von Anton Tschechow zusammen mit Andrea Breth (EA: Freie Volksbühne Berlin, 16. Dezember 1978, Regie: Luc Bondy).
Ernst-Reuter-Preis für das Hörspiel Robert, ich, Fastnacht und die Anderen.
Beginn der Arbeit am Drehbuch zum Film Engel aus Eisen (UA: Berlin, 23. April 1981).

1979
Entstehung des Stückes Lieber Georg (UA: Schauspielhaus Bochum, 12. Januar 1980, Regie: Manfred Karge und Matthias Langhoff).
Erhält das Villa-Massimo-Stipendium. 1980
Der Gedichtband Der schöne 27. September erscheint.
F.A.Z. Preis für Literatur. Fördergabe zum Schiller-Gedächtnis-Preis.

1981
Übersetzung der Komödie Der Kirschgarten von Anton Tschechow (EA: Schauspielhaus Bochum, 3. Juli 1981, Regie: Manfred Karge und Matthias Langhoff). Entstehung des Drehbuches zum Film Domino (UA: Berlin, 11. Juni 1982).

1982
Übersetzung des Stückes Iwanow von Anton Tschechow (EA: Schauspielhaus Zürich, 9. Dezember 1982, Regie: Arie Zinger).
Bayerischer Filmpreis für den Film Engel aus Eisen.

1983
Das Stück Mercedes entsteht bei einem Aufenthalt in der Schweiz (UA: Schauspielhaus Zürich, 5. November 1983, Regie: Matthias Langhoff). Übersetzung der Stücke Die drei Schwestern von Anton Tschechow (EA: Ulmer Theater, 3. Mai 1983, Regie: Dietrich Hilsdorf) und Was ihr wollt von William Shakespeare (EA: Schiller-Theater Berlin, 20. Dezember 1984, Regie: Ernst Wendt).
Beurkundung des Verzichts auf die deutsche Staatsangehörigkeit.

1984
Toter Mann - Höhe 304 (UA: Brialmont-Theater, Brüssel, 22. Mai 1985, Regie: Marc Steemans) und Überarbeitung der Fassung des Stückes unter dem neuen Titel Frauen. Krieg. Lustspiel. (UA: anläßlich der Wiener Festwochen vom Theater der Kreis und den Bregenzer Festspielen, 10. Mai 1988, Regie: George Tabori). Beginn der Arbeit an der musikalischen Komödie Alles Glück der Welt. Übersetzung der Komödien Onkel Wanja (EA: Staatstheater Kassel, 8. Februar 1986, Regie: Heinz Kreidl) und Die Möwe (EA: Saarländisches Staatstheater - Großes Haus, 10. Mai 1986, Regie: Wolfgang Engel) von Anton Tschechow. Arbeiten am Drehbuch für den Film Der Passagier - Welcome to Germany zusammen mit Jurek Becker (UA: Berlin, 4. Mai 1988).

1985
Übersetzung des Stückes Prawda von Howard Brenton und David Hare (EA: Deutsches Schauspielhaus Hamburg, 12. November 1986, Regie: Matthias Langhoff). Verfilmung von Mercedes für das niederländische Fernsehen (Erstsendung: 16. November 1985).
Der Band Anton Tschechows Stücke. Übersetzt und bearbeitet von Thomas Brasch. erscheint.

1986
Übersetzung der Stücke Richard III. von William Shakespeare (EA: Burgtheater, Wien, 5. Februar 1987, Regie: Claus Peymann), Rote Nasen von Peter Barnes (EA: Düsseldorfer Schauspielhaus, 5. Oktober 1986, Regie: Horst Zankl) und Nachtasyl oder Die letzte Bleibe von Maxim Gorki (EA: Theater am Alten Markt, Bielefeld, 14. Dezember 1986, Regie: Dieter Reible).

1987
Kleist-Preis. Laudatio: Christa Wolf.

1990
Nachspiel. Im Himmel (UA: Nationaltheater Mannheim, 23. Februar 1990, Regie: Manfred Weiß) .Übersetzung der Stücke Die Tragödie des Macbeth (EA: Burgtheater Wien, 15. Februar 1992, Regie: Claus Peymann) und Romeo und Julia (EA: Landesbühnen Sachsen-Anhalt, 29. Februar 1992, Regie: Frank Hofmann und Ulrich Fischer) von William Shakespeare und Fertigstellung des Stückes LIEBE MACHT TOD oder Das Spiel von Romeo und Julia nach William Shakespeare (UA: Werkstatt des Schiller-Theaters Berlin, 8. November 1990, Regie: Katharina Thalbach und Thomas Brasch).

1992
Bis zum Erscheinungsjahr (1999) Arbeit am Roman Mädchenmörder Brunke.
Kritikerpreis der Berliner Zeitung.

1993
Fertigstellung der Übersetzung des Stückes Wie es euch gefällt von William Shakespeare (EA: Staatliche Schauspielbühnen Berlin, 13. März 1993, Regie: Katharina Thalbach).

1997
Das Libretto Der Sprung. Beschreibung einer Oper und das Stück Falada oder Preiswert und Absonderlich entstehen.

1999
Uraufführung der Stücke Stiefel muß sterben (UA: Komödie Theater Basel, 19. November 1999, Regie: Katharina Thalbach) und Die Trachinierinnen des Sophokles oder MACHT LIEBE TOD nach Ezra Pound (UA: Deutsches Theater Berlin, 31. Oktober 1999, Regie: Matthias Langhoff).

2000
Übersetzung des Stückes Richard II. von William Shakespeare (EA: Berliner Ensemble, 30. Juni 2000, Regie: Claus Peymann). Uraufführung des Stückes Frauenkrieg. Drei Übermalungen (UA: Hans-Otto-Theater Potsdam, 7. Oktober 2000, Regie: Martin Meltke).

2001
Übersetzung des Stückes Maß für Maß von William Shakespeare (EA: Berliner Ensemble, 5. Mai 2001, Regie: Claus Peymann).

2002
In der edition suhrkamp theaterreihe erscheint der Band LIEBE MACHT TOD Stücke und Materialien.

2004
Im Insel Verlag e...

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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein erfrischendes Stück THEATER-Literatur 16. August 2011
Format:Taschenbuch
Zur Abwechslung sollte vielleicht einmal jemand ein paar Worte zu dem Text verlieren, der ihn nicht nur (wortklauberisch?) gelesen, sondern tatsächlich auf der Bühne gespielt hat... Und als solcher kann ich den heiligen Eifer von "Ein Kunde" B.R. nicht nachvollziehen...

Es ist schon geraume Zeit her, dass wir damals in einer Inszenierung eines Jugendtheaters R&J auf die Bühne gebracht haben. Vieles mag nicht mehr präsent sein. Was ich jedoch genau erinnere, ist, dass wir uns bewusst gegen die angestaubte Schlegel/Tieck-Übersetzung gewandt haben, weil die vielleicht in den Mündern in Ehren ergrauter Stadttheater-Mimen noch einen gewissen historischen Reiz entfaltet, ganz bestimmt aber nicht als Rohstoff für ein Jugendtheater. Und ebenso erinnere ich die begeisterten Reaktionen des Publikums und der regionalen Presse ob der Kraft und Lebendigkeit der Inszenierung (von der, so ein Zeitungs-Zitat, "sich manches Stadttheater (sic!) eine Scheibe abschneiden" könne...). Ob das nur daran lag, dass auf unserer Bühne ein Haufen blutiger Laien zugange war???

Nein - genau das ist das Verdienst Thomas Braschs: einem absoluten Klassiker der Theaterliteratur jene Kraft und Mächtigkeit wiederzugeben, die er im Original noch immer besitzt, die in den bisher vorliegenden Übersetzungen jedoch unter lauter historischem Bewusstsein und ehrfürchtiger Erstarrung begraben lag. Brasch hingegen hat den Klassiker in die heutige Zeit hinübergeholt - und es damit ermöglicht, dass R&J auch heutigen Generationen wieder etwas zu sagen hat (zumindest im Fall unseres Jugendtheaters und seines - beileibe nicht nur jugendlichen - Publikums war das in sehr hohem Maße der Fall). Welch größeres Verdienst um einen Meilenstein der Literatur kann man sich eigentlich erwerben?

Und all jene, die Anstoß daran nehmen, dass Brasch seine Übersetzung auch im Kontext moderner Aufführungspraxis vorgelegt hat, seien daran erinnert, dass die ureigenste Bestimmung von Shakespeares Dramen die Bühne war, nicht das Bücherregal. Insofern ist auch durchaus legitim, einen weniger literarischen, dafür mehr dramatischen Zugriff auf den Text zu wagen. Und selbst der große Shakespeare-Verehrer Goethe hat schon im 18. Jahrhundert darauf hingewiesen, dass nicht die Literatur, sondern die Aufführung Gegenstand des Theaters sei.
Aber vermutlich hätte die Art und Weise, wie wir damals den so skandalös schlechten Text von Brasch verwendet haben, dem Rezensenten erst recht die Zornesröte ins Gesicht getrieben: Denn wer noch immer werktreue und historisierende Inszenierungen als den einzig wahren Umgang mit den Großen der Theater-Literatur ansieht, für den muss eine radikale Streichung aller zweifelsfrei erwachsenen Figuren im Stück ein Sakrileg sondergleichen sein. Der Authentizität der Inszenierung hat es gut getan - weil eine 18-Jährige nun mal nicht überzeugend eine alternde Gräfin, ein Teenager keinen authentischen Fürsten geben kann. Ein Lorenzo hingegen muss nicht alt sein, und eine Amme kann auch zur Freundin Anne werden - ihre Rollen im Stück und dessen Botschaft ändern sich keinen Deut, die Darbietung und Greifbarkeit fürs Publikum dafür gravierend. Das ist moderner Umgang mit Theater - genauso wie Braschs Übersetzung ein moderner Umgang mit Theaterliteratur ist. Poetisch, kraftvoll, bildgewaltig, bisweilen auch bodenständig und derb, aber vor allem spielbar - und damit so nah am Original wie selten eine Übersetzung zuvor.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Shakespeare für die Gegenwart ! 25. Juli 2010
Von Earmotion
Format:Taschenbuch
....oh mein Gott,zu der voherigen Rezension fällt mir nix mehr ein. Was soll man sagen wenn jemand derart wenig dramatisches Verständnis mitbringt um einen modernen Theatertext im Kontext zu verstehen. Fachkundig ?.....oh,Graus! Wer glaubt Shakespeare könne man wörtlich ins deutsche übersetzten, versteht recht wenig von Shakespeares dramatischer Kunst, als auch der englischen Sprache... Was ist wohl der Sinn zeitgenössischer Shakespeare - Übersetzungen und Bearbeitungen, heute und zu allen Zeiten?

Soll er sich an den schwülstgen Shakespeare Übersetzungen weiter laben (...diese galten vor Jahren ja auch mal als zeitgemäß)....den Unterschied wird der verstehen der Shakespeare spicht....übrigends kann man Schlegels übersetzungen wohl kaum als genau bezeichnen,das versteht dann jeder der ein englisches Wörterbuch besitzt.....die herausragende dramatische Qualität der Übersetzungen, im direkten Vergleich, von T.Brasch allerdings auch! Ansonsten schließe ich mich, mit einer absoluten Kaufempfehlung für Interessenten zeitgemäßer Shakespeare Übersetzungen, der Perlentaucher Rezension von Müller an:

"Brasch hat die überaus schwierige Aufgabe, dem zeitgenössischen Ohr ohne Rätsel verständlich zu sein und doch die Achtung vor Größe und Alter dieser Dichtung zu bewahren, gemeistert."
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26 von 39 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Schmalspur-Shakespeare für Anspruchslose 27. Mai 2003
Von Ein Kunde
Format:Taschenbuch
In seinem hymnischen Nachwort schreibt Claus Peymann, der Thomas Brasch gleich neben Goethe, Lenz, Schiller und Kleist stellt, Brasch habe Shakespeare „wie im Rausch" übersetzt. Es wäre der Übersetzung zuträglicher gewesen, wenn Brasch in nüchternem Zustand ans Werk gegangen wäre.
Es ist etwas dreist, diese Texte als „Übersetzungen" vorzulegen - eine Art Etikettenschwindel: Übersetzungen sollen doch einem Originaltext nach Form und Inhalt nachstreben. Hier handelt es sich aber um frei assoziierende Bearbeitungen, also willkürliche Brasch-Texte frei nach Shakespeare, die damit sogar eine gewisse Narrenfreiheit haben; denn wollte man sie als Übersetzungen ernst nehmen, müßte man den alten Schmäh herauskramen: „Er hat aus dem Englischen in eine andere Fremdsprache übersetzt, die er auch nicht beherrscht". Man müßte dann erhebliche Zweifel an Braschs englischer Sprachkompetenz anmelden - und leider auch an seiner deutschen, angesichts grotesker Sinnverständnisfehler, erheiternder Stilblüten und seiner generellen Trivialisierung von Shakespeares Sprache.

Schlampiges Deutsch: (R&J, 1,1, 117) „Madam, nur eine Stunde vor das Licht/der Sonne aus dem goldnen Fenster bricht" Auf deutsch heißt es ja wohl: „bevor das Licht"; aber dann hätte es nicht mehr ins Versmaß gepaßt. Solche Stummeldeutsch-Formen kommen laufend vor. Und was soll man sich konkret darunter vorstellen, daß das Sonnenlicht aus dem Fenster bricht?

Unangenehm Braschs Vorliebe, Obszönitäten hinzuzuerfinden, wo im Original keine stehen: (R&J, 1,1,167) Aus dem wortspielerischen „[I am] Out of her favour where I am in love". (Ich bin dort nicht in Gunst, wo ich liebe) wird bei Brasch: „Aus einer Frau versperrt, in die ich will".
Oder R&J, 2,4,112ff:
„Amme: Schämt ihr euch denn nicht.
Mercution: Ja, Scham. Nichts lieb ich mehr als eine Scham schön feucht. Die Scham ist, woran ich verkomm, wenn ich mal komm." Nichts davon steht bei Shakespeare, auch nicht als fernster Anklang; und nicht einmal der Sprecher stimmt: im Original antwortet Romeo der Amme. Abgesehen davon ist der Text in sich ziemlich unsinnig.
Dafür aber bemerkt Brasch es nur allzu oft überhaupt nicht, wenn das Original tatsächlich sprachlich raffiniert witzig-obszön ist - z.B. Wie es euch gefällt, 2,7, die ganzen Obszönitäten des Narren sind nicht erkannt, nicht begriffen und somit wurde das Thema der Szene nicht übersetzt.

Sinnverständnisfehler: (R&J, 1,1,229) „These happy masks that kiss fair ladies' brows,/ Being black, puts us in mind they hide the fair". Dies meint im Sinne des elis. „black/fair"-Topos: „Diese Gesichtsmasken - glücksgesegnet, weil sie die Gesichter schöner Frauen küssen - machen uns gerade weil sie so häßlich schwarz sind, darauf aufmerksam, daß sie weiße Schönheit verhüllen". Brasch freihändig unsinnig: „Schwarz ist die Maskenfarbe für das Glück: /So hält die Frau ihr Schönstes stets zurück,/ man küßt sie hinter ihrem Todgesicht" - was immer das heißen soll.

Stilblüten: (R&J, 1,181ff) „Wollt ihr nicht hören, Abschaum der Natur, /daß ihr das Feuer eurer Wut mit Öl/ noch tränkt aus eurem aufgehitzten Blut".
Kann man Feuer tränken wie ein Pferd oder einen Lappen? Inwiefern enthält Blut Öl? Kann man etwas „aufhitzen"? Ein grotesker Sprachverhau aus verunglückten Metaphern. Abgesehen davon steht bei Shakespeare an dieser Stelle inhaltlich ziemlich genau (und komplexer) das Gegenteil: „Ihr Männer, ihr Bestien, die ihr das Feuer eurer bösartigen Wut mit purpurnen Fontänen LÖSCHT, die aus euren Adern hervorquellen".

Stelz-Deutsch (Richard III):
„Richard: Macht deine Nachricht glücklich mich?
Tyrell: Wenn Euer Gnaden glücklich ist zu sehn, /Vollzug des Auftrags, dann seid glücklich nun."
Gegen solche verquaste Syntax sind die manchmal verschroben wirkenden Satzkonstruktionen des alten Schlegel glasklares Normaldeutsch.

Unverständliches Deutsch: (R&J, 1,2,29): „Ja, die Knospe springt/der Frauen." - was darf man sich darunter vorstellen? Es heißt eigentlich: „...even such delight/Among fresh female buds shall you this night..." = „gerade solche Freude im Kreis frischer Mädchenknospen sollt Ihr heute Nacht..."

Simplifizierungen, die zu Platitüden werden: (R&J, 1,1,213f) „An größter Schönheit leidet sie nicht Not/doch wenn sie stirbt, ist auch die Schönheit tot". Anzunehmenderweise. Bei Shakespeare steht ganz was anderes, raffiniert zynisch: „O she is rich in beauty, only poor/That when she dies, with beauty dies her store." = „Oh sie ist reich an Schönheit; arm nur, weil, wenn sie stirbt, mit ihrer Schönheit auch ihr Reichtum stirbt".

Unfreiwillig komisch oftmals die Satzverrenkungen, wenn gereimt werden muß: (R&J, 2,3,3f) „I must upfill this osier cage of ours/With baleful weeds and precious-juiced flowers" (etwa: Ich muß diesen unsern Weidenkorb mit giftigen Kräutern und heilkräftigen Blumen füllen). Daraus wird: „füll unsern Weidenkorb ich übervoll/mit Unkraut und mit Blumen, stark und toll".

Ganz schrecklich eine Art Stefan-Raab-Maschendrahtzaun-Humor - wenn z.B. eine Figur „im Wald die Freßbar sucht" (Wie es euch gefällt, 2,5), oder ähnlich anachronistische Scherze treibt, die wohl zum Ablachen komisch sein sollen; quälend die vielen „coolen" Modernismen: „Idiotenversammlung"; „Grüß dich, buntscheckiger Blödel"; „Ich bin so scharf auf buntgescheckte Jacken", etc. etc.

Fürchterlich unrhythmisch die Behandlung der Verspassagen (insbesondere in Was ihr wollt), die oft mit Blankversen kaum mehr etwas zu tun haben - wenn Brasch nicht gleich aus Shakespeares Versen Prosa macht wie in Maß für Maß, was dann sogar angenehmer klingt.

Diese absurden Beispiele wären beliebig, fast Satz für Satz, zu vermehren. Brasch assoziiert frei zum Originaltext (ohne diesen sprachlich sonderlich gut zu verstehen). Man könnte seine Texte also euphemistisch zur „Nachdichtung" hochjazzen - aber warum muß eine solche so fürchterlich platt, plump und arm sein? Brasch hantiert sprachlich immer auf dem kleinsten gemeinsamen Trivialitäts-Nenner; man kann darauf wetten, daß jedes etwas komplexere Sprachbild, jeder etwas kompliziertere Gedanken auf die flachste easy-speak-Variante heruntergetrimmt wird. So wird aus dem komplexen „Earth hath swallow'd all my hopes but she;/She is the hopeful lady of my earth" ein schlichtes "Nichts hab ich auf der Welt als Julia/ all mein Besitz wird einmal ihr gehörn" (R&J, 1,1,12). Wer von Shakespeare Sprache nichts weiß, hält das wahrscheinlich für genial, weil so schön total normal. Ist aber leider nur trivial.
Es handelt sich um ähnlich reduktionistische Bearbeitungen wie seinerzeit die freien Shakespeare-Fassungen von Hans Rothe. Angeblich so wahnsinnig bühnenwirksam, als schlagendes Kriterium. Bühnenwirksam ist Stefan Raab auch.
Möchte man wissen, warum Shakespeare für seine Sprachkunst so gerühmt wird, ist selbst der antiquierte alte Schlegel diesen Texten vorzuziehen.
Schmalspur-Shakespeare für ganz ganz Anspruchslose.
B.R.

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