Erst einmal vorweg: ich habe alle CDs von L.Downs. Wenn man ihre musikalische Bandbreite kennt, wird einem die vorliegende Aufnahme etwas flach vorkommen. Ich hab Lila Downs kennengelernt (so ist es wahrscheinlich vielen ergangen) durch den Film FRIDA. Nach 10 sec. wusste ich, diese Sängerin brauche ich in meiner Sammlung. Ich kaufte den Soundtrack, danach "La Linea", später die beiden älteren Alben "Tree of life" und "Sandunga". Danach kamen "Una Sangre" und "La Cantina" und jetzt "Shake Away".
Die ersten beiden CDs sind die ethnologischen interessantesten, wenn auch nicht die ins Ohr gehendsten. "La Linea" ist die PERFEKTE Mischung von Folklore, Jazz, Weltmusik, Botschaft, Arrangements und natürlich auch Gesangstechnik. Die nachfolgenden Alben haben auch ihre Höhepunkte, sind aber nicht mehr so durchgängig gut.
So und jetzt zu "Shake Away": Diese Aufnahme gefällt mir in Summe besser als "La Cantina", der ich aber auch 4* n würde. "Shake Away" ist ins Ohr gehende Musik. Tanzbar, mitwippbar, anhörbar (Achtung, auch hier ist in den Texren einiges an Botschaft versteckt) und auch als Background geeignet! Gesangstechnisch packt L.D. alles aus, was sie kann( stimmlich hat sie allerdings weit mehr drauf ) und auch musikalisch "funktioniert " alles bestens.
Jaaa und das ist das Manko: Die zu oft eingesetzte tiefe Bruststimme(ihre natürliche Stimmlage liegt zw. Mezzosopran und Alt -wunderbar zu hören in LaLorona auf La Linea-), Das Hauchen, die nie überraschenden Arrangements. Das ist alles zuviel und trotzdem zu glatt. Hier ist "La Linea" um Meilensteine besser. Trotzdem: "Shake Away" ist immer noch hoch über fast allem was zur Zeit so zu bekommen ist.
Von mir daher eine klare Kaufempfehlung (Neben "la Linea" natürlich)
Ich möcht doch noch einige Anmerkungen zu "Perfekt" anhängen:
Das Wort "Perfekt" kann man sinngemäß genausowenig steigern wie z. B. "schwarz" oder meinetwegen auch "schwanger". Etwas perfektes kann man nicht mehr verbessern, auch nicht mehr weiterentwickeln. Es bleibt nur mehr die Möglichkeit was ganz anderes zu machen oder man begnügt sich mit einem zweiten Aufguss, oder man produziert weniger gutes auf hohem Niveau. Die meisten Künstler haben ihre Blütezeit nicht am Ende ihrer Entwicklung, sondern immer nur dann, wenn sich Suchen mit Finden, Kreativität mit Können, u.s.w. paaren. Das soll aber nicht heissen, dass dieser Prozess des erfolgreichen Suchens nach etwas perfektem nicht irgendwann von neuem beginnt und auch von erfolg gekrönt wird(Bob Dylan, Miles Davis, John Coltrane, auch Madonna, J.S. Bach,...) aber viele Künstler haben auch nur einen Schaffenshöhepunkt. Das sollte auch reichen, v.allem, wenn des "weniger perfekte" so gut ist.
In diesem Sinne sollte man auch das Werk von Lila Downs sehen. wer weiß, was da noch kommt.....